Der «Fall Borregaard» ist nun gelöst

Die Regio Energie Solothurn profitierte einerseits von den zeitweise hohen Gaspreisen, andererseits musste ein Lieferrückgang von Erdgas durch den Wegfall von Borregaard verkraftet werden. (Bild: Felix Gerber)

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Die Regio Energie Solothurn profitierte einerseits von den zeitweise hohen Gaspreisen, andererseits musste ein Lieferrückgang von Erdgas durch den Wegfall von Borregaard verkraftet werden. (Bild: Felix Gerber)

Ein solides Geschäftsergebnis mit einem Gewinn von 3,7 Mio. Franken kennzeichnet das Ge-schäftsjahr der Regio Energie Solothurn. Ausgebaut wurde der Bereich Fernwärme; mit dem verloren gegangenen Erdgas-Grosskunden Borregaard konnte offenbar eine Einigung erzielt werden.

Wolfgang Wagmann

«Wir haben besser abgeschlossen als budgetiert», fasst Felix Strässle, Direktor der Regio Energie das Geschäftsjahr 2008 zusammen. Man habe die Kosten gut im Griff und die Risikobeurteilung sei so erfolgt, dass man «nicht auf dem linken Fuss erwischt worden ist.» Erfreulich ist für Strässle vor allem die Entwicklung im Fernwärmebereich: 300 Wohnungen und Grossanlagen wie das Gartencenter Wyss und die Kehrichtverbrennungsanlage Kebag konnten in den letzten eineinhalb Jahren in Zuchwil angeschlossen und das Fernwärmeleitungsnetz von 2,2 auf 5,5 Kilometer ausgebaut werden. Die Investitionen vermochte man zudem aus eigenen Mitteln finanzieren.

Die Risiken des Gasgeschäfts

Der Erdgasabsatz entwickelte sich um 2,4 Prozent rückläufig - eine direkte Folge der Borregaard-Schliessung im letzten Herbst. War doch der Cellulose-Hersteller einer der Gas-Grosskunden der Regio Energie Solothurn. «Das Problem ist gelöst», verweist jedoch Felix Strässle auf eine Einigung mit Borregaard, die derzeit gerade unterzeichnet werde. Jedenfalls würden aus der verloren gegangenen Kundenbeziehung neben dem künftigen Minderabsatz keine weiteren Verluste resultieren, so der Direktor.

Trotz der Unsicherheiten in diesem Winter - Russland hatte zeitweise die Versorgung nach Europa eingestellt - habe die Regio Energie Solothurn ihre Kunden stets beliefern können, wird im Geschäftsbereicht auf den Umstand verwiesen, dass 80 Prozent des Gasbezugs aus anderen, unabhängigen Ländern stammt. Immerhin wuchs der Bezug im Bereich der Haushaltkunden um 15,9 Prozent - wobei das Gasgeschäft sich rein umsatzmässig gut entwickelte: Es stieg um 15 Prozent oder 13,1 Mio. Franken an. Immerhin erzielte die Regio Energie mit der Energie- und Wasserlieferung einen Erlös von 118,4 Mio. Franken.

Was macht der Strompreis?

Erste Bewegungen im Strommarkt hat auch die Regio Energie Solothurn gespürt: «Einige wenige Grosskunden haben sich für für Angebote von Konkurrenten entschieden, andere sich ausserhalb des angestammten Gebietes (also der Stadt) für uns», ist im Geschäftsbericht 2008 nachzulesen. Insgesamt ging die abgesetzte Strommenge jedoch um 4,6 Prozent zurück, in Franken waren das 1,3 Mio. oder ein Minus von 5,8 Prozent. Nach drei Jahren Strombezug bei der Axpo hat nun die Regio Energie einen Liefervertrag für 2009 mit der BKW abgeschlossen.

Die steigenden Strompreise machte die Regio Energie Solothurn in zwei Etappen seit 2007 mit - was auch zu kritischen Reaktionen auf der gemeindepolitischen Ebene geführt hatte. «Wir haben die Preise aufgrund der neuen Verordnung bekanntgeben», meint dazu Felix Strässle, «und konnten sie nun nach den allerneuesten Vorgaben wieder etwas reduzieren.» Ob die Intervention des Bundes auf die Strompreise längerfristig dämpfend wirkt, dazu wagt Strässle keine Prognose: «Was nächstes Jahr passiert, weiss ich nicht. Wir wissen aber, dass verschiedene Vorstösse zur noch stärkeren Förderung erneuerbarer Stromproduktionsanlagen anstehen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den Strompreis geschlagen werden.»

Riesige Investitionen und Risiken

Während sich die Geschäftszweige Wasserlieferung und Diensteistungen leicht rückläufig entwickelte, konnte der Bereich Fernwärme und Contracting um über 100 Prozent zulegen. Dennoch herrscht bei der Regio Energie Solothurn, die 133 Mitarbeitende, wovon 19 Lehrlinge beschäftigt, nicht nur eitel Sonnenschein: Insbesondere musste den gestiegenen Kundenrisiken sowie den Buchverlusten auf Geldanlagen Rechnung getragen werden. So wurde zur Abfederung des letzteren Problems die Wertschwankungsreserve um 2 bis 3 Millionen Franken erhöht. Ohnehin tätigt die Regio Energie für das geplante horrende Investitionsvolumen von rund 100 Mio. Franken bis 2013 massive Rückstellungen - allein letztes Jahr wurden 23,6 Mio. Franken in Sachanlagen investiert. Dank den Rückstellungen «können wir in dieser schwierigen Zeit, rasch, zielgerichtet und antizyklisch reinvestieren», betont Felix Strässle.

Trotzdem hat sich übrigens die Abgabe der Regio Energie an ihre Eigentümerin, die Stadt Solothurn, mit 1,7 Mio. Franken leicht erhöht. Dazu wurden für 300 000 Franken Gratisleistungen als Realabgabe erbracht.

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