Es ist fast ein halbes Jahr her, seitdem die Schweizerische Nationalbank (SNB) am 15. Januar den Mindestkurs zum Euro aufgehoben hat. Gross war die Erwartung damals, dass ab dann zumindest die Import-Güter billiger werden. Und dass es so – bei Firmen, aber vor allem auch bei privaten Haushalten – zu einer gewissen Entlastung der Budgets kommt. Detailhändler hofften, dass auch der Einkaufstourismus der Schweizer so ein Stück weit abgebremst werden kann.

Doch seit Januar nehmen die vom Bundesamt für Statistik (BFS) erhobenen Importpreise nicht etwa ab, sondern leicht zu. Dies zeigt die Auswertung des Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) der ersten fünf Monate. Auf den ersten Blick fällt vor allem der erstarkte Erdöl-Preis ins Gewicht, der das Benzin aber noch stärker den Diesel an der Zapfsäule verteuerte.

Preise für Neuwagen ziehen an

Aber nicht nur. Auch die Preise für neue Automobile und Motorräder ziehen seit Mai wieder leicht an. Dies wird mit dem Wegfall und der Reduktion der sogenannten Euro-Rabatte begründet, mit denen einzelne Automobil-Importeure Anfang Jahr gelockt haben. Auch die Kleiderpreise sanken zu Beginn des Sommer-Ausverkaufs weniger stark als in früheren Jahren üblich.

Verteuert haben sich aber auch Kaffee und Schokolade. Für Kaffee im Detailhandel mussten Konsumenten 6,5 Prozent mehr als vor einem Jahr bezahlen, für Schokolade gar 8,4 Prozent, seit Anfang Jahr sind es fast 4 Prozent. Hier spielen Ernteausfälle in den Anbaugebieten in Afrika mit eine Rolle, aber auch die weltweit stärkere Nachfrage nach diesen Produkten. Reis hingegen wurde in der gleichen Periode leicht günstiger.

Lebensmittel allgemein teurer

Nimmt man den Monatsvergleich, sind neben den importierten Güter auch Glace, Fruchtgemüse und Fleisch leicht teurer geworden im Mai. Insgesamt sind die Preise für Lebensmittel um 0,8 Prozent angestiegen. Diese Preissteigerungen sind laut den BFS nicht unüblich: Die Preise für Früchte und Gemüse ziehen je nach Marktsituation im Sommer an.

Jedoch verteuerten sich nicht alle Lebensmittel. Diverse Preissenkungen und Aktionen registrierte das BFS für Steinobst, Schweinefleisch, Salatgemüse und Dauerbackwaren. Auch der importierte Rotwein wurde in den vergangenen Monaten günstiger – beim inländischen Rotwein sanken die Preise nur geringfügig.

Die Bilanz an der Preisfront sieht für Schweizer Konsumenten also eher mager aus. Unter dem Strich verbilligten sich Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke – importierte und in der Schweiz hergestellte – innert Jahresfrist nur um 0,8 Prozent. Das gesamte Konsumentenpreisniveau gab um 1,0 Prozent nach. Die Teuerung insgesamt betrug im Vergleich zum Mai 0,1 Prozent.

Nimmt man einen längerfristigen Blick ein, vergünstigten sich Importgüter zwar im Vergleich zum Vorjahr um 4,4 Prozent. In derselben Zeit verbilligte sich der Euro gegenüber dem Franken um fast 15 Prozent.