Landwirtschaft

Der Butterberg ist weg – der Milchpreis im Hoch

Verschiedene Butter-Blöcke im Verkauf (Symbolbild, Archiv)

Verschiedene Butter-Blöcke im Verkauf (Symbolbild, Archiv)

Die Schweiz importiert erstmals seit 2007 wieder Butter. Um von einer Kehrtwende zu sprechen, ist es aber zu früh. Die Rede ist von einer «Normalisierung» des Marktes.

Wenn die Schweizer Landwirtschaftspolitik kritisiert wird, dann fallen in der Regel zwei Worte: Milchseen und Butterberge. Die Überproduktion von Milch gilt als Sinnbild für eine Politik der falschen Anreize. Und nun dies: Die Branchenorganisation Butter (BOB) kündigte diese Woche an, bis im August 500 Tonnen Butter aus der EU zu importieren.

Zudem hat sich die Organisation auf dem internationalen Buttermarkt Liefermengen gesichert, um die Inlandversorgung sicherzustellen. Es handelt sich um die ersten Butterimporte seit 2007. BOB-Geschäftsführer Beat Ryser spricht von einem Schritt hin zur «Normalisierung». Der Milchmarkt beginnt, nach dem Wegfall der Kontingente 2009, langsam zu funktionieren.

Noch im letzten Jahr verkauften die Schweizer Produzenten 10 600 Tonnen Butter ins Ausland. Nicht ganz freiwillig, weil der Export von Butter ein schlechtes Geschäft ist. Schweizer Butter ist vom Preis her im Ausland nicht konkurrenzfähig, deshalb muss der Export subventioniert werden. Seit 2011 lieferten die Bauern der Branchenorganisation Milch 1 Rappen pro Kilo Milch ab, der in den Fonds «Marktentlastung» floss. Will heissen, die Bauern zahlten dafür, dass die überschüssige Milch im Ausland billig abgesetzt werden konnte – um den Preis im Inland nicht in die Tiefe zu reissen. 38 Millionen Franken liessen sich die Bauern den Butterexport 2012 kosten. Im April wurde die Massnahme hinfällig.

Weniger Kühe, schlechtes Futter

Denn die Milchproduktion ist seit Oktober 2012 rückläufig. Rund fünf Prozent weniger Milch als im Vorjahr lieferten die Bauern in diesem Jahr ab. Dies hat zwei Gründe. Erstens nimmt der Bestand an Milchkühen ab. Im Mai standen in den Ställen 8400 Kühe weniger als ein Jahr zuvor. Woche für Woche hängen 18 Bauern das Melkzeug an den Nagel. Die tiefen Milchpreise der letzten Jahre haben viele zermürbt. Zweitens wirkt sich der nasskalte Frühling negativ auf die Produktion aus: Das Futter für die Kühe ist zu wenig reichhaltig.

Keine Goldgräberstimmung

Trotz des Rückgangs ist Milch aber keine Mangelware. Er macht sich bislang einzig bei Butter und Milchpulver bemerkbar – es sind die üblichen Produkte, um Milch zu konservieren. So hat der Milchverarbeiter Hochdorf der Oberzolldirektion ein Gesuch für den Import von 850 Tonnen Magermilchkonzentrat gestellt, wie Sprecher Christoph Hug sagt. Dieses Konzentrat wird in der Schweiz weiterverarbeitet und später wieder exportiert. Hug sagt zwar, die Produktionsanlagen von Hochdorf könnten besser ausgelastet sein, will die Situation aber nicht dramatisieren. Beim Milchverarbeiter geht man davon aus, dass die Produktion mittelfristig auf dem aktuellen Level verharren wird.

Für die Schweizer Milchproduzenten (SMP) hat der Rückgang der Milchmenge zwei Seiten, sagt Vizedirektor Stefan Hagenbuch. Einerseits zeige nun die Preisentwicklung für die Milch in die richtige Richtung: Seit Anfang Juni steht der Richtpreis der Branchenorganisation Milch bei 69 Rappen pro Kilo. Gemäss dem Landwirtschaftlichen Informationsdienst (LID) bezahlt Emmi ihren Direktlieferanten 6,5 Rappen mehr pro Kilo.

Andererseits sähe es der SMP gerne, wenn auf Importe verzichtet und der Bedarf aus hiesiger Milch gedeckt werden könnte. Hagenbuch hofft, dass durch die Ankündigung der Butterimporte der eine oder andere Milchbauer die Produktion steigern wird. Die Möglichkeiten zur kurzfristigen Produktionssteigerung sind indes beschränkt. Der Einsatz von Kraftfutter wäre eine Möglichkeit. Eine andere, die Kälbermast zurückzufahren oder eine Kuh länger zu behalten, statt sie in den Schlachthof zu schicken.

Allerdings haben die SMP kein Interesse daran, dass eine Goldgräberstimmung entsteht. «Wenn jeder der 23 000 Milchbauern nur eine Kuh mehr im Stall hat, gäbe es bereits wieder einen Überschuss», sagt Hagenbuch. Die Zahl der Butterimporte von 500 Tonnen im Verhältnis zum inländischen Gesamtverbrauch von 42 500 Tonnen belegt denn auch: Der Grat zwischen Über- und Unterproduktion ist sehr schmal.

Meistgesehen

Artboard 1