Bauwirtschaft

Der Bau boomt, ist aber keine Goldgrube

Baumeister sind trotz Bauboom nicht zufrieden

Baumeister sind trotz Bauboom nicht zufrieden

Zwar verzeichnet das Bauhauptgewerbe wegen der rekordtiefen Hypothekarzinsen seit Jahren steigenden Umsätze. Zufrieden ist die Branche trotzdem nicht. Denn Die Ertragslage hält mit dem Bauvolumen nicht Schritt.

Davon können andere Branchen bloss träumen: Das Bauhauptgewerbe verzeichnet seit Jahren steigende Umsätze, selbst in der Rezessionsphase von 2008 bis 2009. Seit 2005 sind die Verkäufe um fast 30 Prozent auf aktuell geschätzte 20 Milliarden Franken gestiegen. Basis für die anhaltende Boomphase sind die rekordtiefen Hypothekarzinsen, die den Wohnungsbau ankurbeln.

Hinzu kommen vergleichsweise gesunde finanzielle Verhältnisse der öffentlichen Hand, die den Infrastrukturbau befeuern. Ein Ende der Auftragshausse ist vorerst nicht in Sicht. Der Wohnungsbau werde zwar stagnieren, aber auf einem sehr hohen Niveau, blickt Werner Messmer, Zentralpräsident des Schweizerischen Baumeisterverbandes (SBV), nach vorne. Dagegen werde der gewerblich-industrielle Bau nach einem rezessionsbedingten Rückgang spürbar anziehen, und der Infrastrukturbau sehe auch gut aus. «Insgesamt wird die Auslastung im Bauhauptgewerbe auch 2013 hoch sein.»

«Ungenügende Ertragslage»

Zufrieden ist die Branche trotzdem nicht. «Die Ertragslage hält mit dem Bauvolumen nicht Schritt», klagt Messmer. Dazu seien die erwirtschafteten Margen einfach zu tief. Er verweist auf eine Umfrage unter 800 Baufirmen aus dem Jahr 2009, deren Resultate heute mehr oder weniger immer noch Gültigkeit hätten. Demnach verdienten 60 Prozent der Firmen gemessen am Betriebsergebnis inklusive Abschreibungen gar nichts oder nur knapp genügend. Die Wurzel des Übels ortet Messmer im noch nicht vollzogenen Strukturwandel.

«Es hat im Bauhauptgewerbe zu viele Anbieter.» Geht eine Baufirma Konkurs, entstehen daraus zwei oder drei Neufirmen von Ex-Angestellten, die es alleine versuchen wollen. Oft ende das Unterfangen aber im Konkurs, beobachtet er. Das bestätigt eine Erhebung des Wirtschaftsinformationsanbieters Dun&Bradstreet. «Die Gründungsintensität im Baugewerbe ist die vierthöchste in der Schweiz.» Die Rangliste basiert auf Eintragungen im Handelsregister in Bezug zum Bestand an Firmen in der jeweiligen Branche. Gleichzeitig weise das Baugewerbe das zweithöchste Konkursrisiko aller Branchen auf.

Die Eintrittsbarriere für «Neuunternehmer» sei tief und man benötige nur einen geringen Kapitaleinsatz, begründet Messmer diese Einschätzung. Sowohl Personal wie Baumaschinen könnten gemietet werden. Um an Aufträge zu kommen, würden viele mit Tiefstpreis-Offerten auf Kundenfang gehen. «So wird der Markt kaputtgemacht.»

Das sei mit ein Grund, dass sich die Baupreise trotz Nachfrageboom kaum bewegten (siehe Grafik). Bei stetig steigenden Kosten resultiere unter dem Strich eine zu tiefe Marge. Dazu würde aber auch die Bauherrschaft beitragen, «die teilweise bei der Auftragserteilung zu wenig auf die Qualität blickt». Der Verband appelliert deshalb an Architekten und Bauingenieure, ihre Bauherren verstärkt über die Qualität der Bauleistung zu beraten.

Margenproblem ist «hausgemacht»

Einen anderen Lösungsansatz verfolgt die Gewerkschaft Unia. Dass die Baubranche ein Margenproblem hat, bestreitet Unia-Sprecher Nico Lutz zwar nicht. Das Problem sei aber vom Verband zu einem grossen Teil «hausgemacht». «Es braucht eine sinnvolle Regulierung, damit der Wettbewerb sich über die Qualität und nicht mehr nur über den Preis abspielt», so Lutz. Es seien aber die Baumeister, die «gleich lange Spiesse» immer wieder abgelehnt hätten. Sie seien etwa gegen die Verankerung der Solidarhaftung im Gesamtarbeitsvertrag.

Mit einer solchen Erklärung würde jede Baufirma haften, dass die verbindlichen Mindestlöhne eingehalten werden, auch wenn die Aufträge an Unterakkordanten weitergegeben werden. «So könnten Dumpingfirmen endlich vom Markt genommen werden», und die Ertragslage in der Branche würde sich verbessern, ist Lutz überzeugt.

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