Denner-Gaydoul will Hollywood erobern

Mit der Milliarde aus dem Denner-Verkauf geht Philippe Gaydoul munter weiter auf Einkaufstour: Nach Fogal und Navyboot übernimmt der Miliardär Jet Set. Das Luxuslabel macht Schöne und Reiche chic für die Piste.

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Peter Kappeler (links hinten) und Philippe Gaydoul an der Medienkonferenz

Peter Kappeler (links hinten) und Philippe Gaydoul an der Medienkonferenz

Keystone

Sven Millischer

Ob Schauspielerin Uma Thurman, Topmodel Elle MacPherson oder das Fussball-Glamourpaar Beckham – sie alle tragen beim (Après-)Ski Jet Set. Das zu Preisen ab 700 Franken die Jacke und 400 Franken die Hose. «Und ohne dass wir ihnen dafür etwas zahlen würden», betont Peter Kappeler. Der Deutsche hat die «bestetablierte Kultmarke» vor gut drei Jahren übernommen und verkauft Jet Set nun an die Gaydoul Group weiter. Zu welchen Konditionen, darüber schweigen sich Gaydoul und Kappeler aus, der als Teilhaber und Geschäftsleiter dem Modelabel erhalten bleibt.

Vom Pneulager in die High Society

Nur so viel: Jet Set wurde von
Kurt Ulmer gegründet, der vor genau 40 Jahren im hinteren Teil eines Pneulagers in St.Moritz eine kleine Boutique mit gebleichten Jeans eröffnet. Drei Jahre später lanciert der Bündner seine erste Kollektion mit auffällig bunten Skianzügen. Jeans und Wintersportbekleidung sind fortan die beiden Standbeine von Jet Set. So entwickelt die Firma unter dem Label Blue System in den Achtzigerjahren die erste sandgestrahlte Designer-Jeans – ein wichtiger Prestige-Erfolg, der sich auszahlt. Bis 1992 klettert der Umsatz auf gegen 100 Millionen Franken.

Doch dann folgt Absturz: Die Marke kommt in die Jahre, das Image wirkt zusehends angestaubt, die Kundschaft bleibt aus. «Man hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt», sagt Kappeler rückblickend, der als Geschäftsleiter den Umsatz 2009 schliesslich auf 20 Millionen Franken stabilisieren kann. Jet Set beschäftigt nun zwischen «50 und 100 Angestellte», davon 30 am Hauptsitz in St.Moritz. Bald schon dürften es mehr sein, denn Gaydoul hat mit dem Wintersport-Label grosse Pläne.
Ähnlich wie bei Navyboot und Fogal, wo der Discounter-Milliardär in den kommenden Jahren 20 bis 25 Millionen Franken investiert, setzt Gaydoul auch Jet Set voll auf Wachstum: «Wir sind im In- und Ausland intensiv auf der Suche nach guten Lagen für neue Läden», sagt der 40-jährige Kaufmann. Jet Set verfügt im Alpenraum über acht eigene Stores. Im Gespräch sind weitere Standorte wie Zermatt oder Aspen. Der mondäne US-Skiort ist für das sportliche Glamourlabel bereits jetzt der wichtigste Absatzmarkt.

Nun ist ein Marschhalt angesagt

Neben der (internationalen) Expansion forciert Gaydoul auch den Kollektionsrhythmus, will mehr Sommermode anbieten und das eingeschlafene Blue-System-Jeanslabel reanimieren. Bei solch einer prallvollen Pendenzenliste leuchtet es denn auch ein, weshalb der Serienunternehmer seinem Lifestyle-Imperium nun einen «Marschhalt» verordnet und vorerst nicht weiter zukaufen will: «Drei Akquisitionen in bloss eineinhalb Jahren müssen erst verdaut werden.» Wie lange die Verschnaufpause anhält, darüber schweigt sich Gaydoul aus.

Was indes erstaunt, ist, dass der nebenamtliche Eishockeypräsident beim Thema «Synergiepotenzial» vehement abwinkt: Ausser im Backoffice sieht er zwischen dem Strumpfmoden-Hersteller Fogal, dem Lederwaren-Produzent Navyboot und Jet Set «wenig» Anknüpfungspunkte. Doch Gaydoul wäre nicht Gaydoul, hätte der Denner-Spross nicht noch ein Ass im Ärmel. Wie sagte der umtriebige Zürcher gestern vor den Medien: «Wir sind immer für eine Überraschung gut!»

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