Daniel Vasella fehlte es an Bodenhaftung – der tägliche Helikopterflug vom Wohnsitz in Risch am Zugersee zum Novartis-Hauptsitz in Basel hat längst Symbolcharakter. Marco Casanova, Dozent für Marken- und Reputationsmanagement an der Uni Bern, erinnert daran, dass es keine Seltenheit sei, dass globale Manager kein Gespür für die Gesellschaft mehr haben, in der sie leben.

Er vergleicht Topmanager mit Königen. Nur hatten früher Könige ihre Hofnarren, die sich unters Volk mischten und registrierten, wenn die Stimmung im Volk schlecht war, und dem König zum Beispiel von Steuererhöhungen abrieten. «Ein cleverer CEO hat ein Ohr am Puls der Gesellschaft», sagt Casanova.

Für den ehemaligen Spitzenmanager Roland Rasi ist klar, dass die Kommunikation den Hofnarren spielen muss. Rasi sagt: «Das fehlende Sensorium für die öffentliche Meinung ist die Konsequenz einer fehlenden Feedbackkultur.» Je höher ein Manager in der Hierarchie steige und je weniger Rückmeldungen er erhalte, desto mehr habe er das Gefühl, er mache alles richtig und müsse entsprechend entschädigt werden. Rasi nennt es das «Unfehlbarkeitssyndrom».

So wird das unrühmliche Kapitel um die 72 Millionen Vasella wenig kümmern. Als Verwaltungsrat von Pepsi und American Express wird er von Zeit zu Zeit ohnehin über den grossen Teich flüchten. Nur sein persönliches Umfeld in der Schweiz kann sich seinem ramponierten Ruf kaum entziehen.