Bank Cler, die schweizweit tätige Tochter der Basler Kantonalbank, drückt aufs Gas. In sechs Monaten hat ein Team von rund 25 Cler-Mitarbeitern eine neue Anwendung entwickelt: Die Bank auf dem Handy. Sie heisst «Zak». Eine vorläufige, aber voll funktionsfähige App stellt die Bank auf ihrer Website zur Verfügung.

«Wir haben über 800 Personen in die Entwicklung der App einbezogen. Im Zentrum standen Berufseinsteiger, solche, die zum ersten Mal Geld verdienen und kostengünstig und einfach ihre Finanzen im Griff haben wollen», sagt Verwaltungsratspräsident Andreas Sturm zur «Nordwestschweiz».

«Als wir mit dem Projekt begannen, wussten wir noch nicht, was die jungen Leute überhaupt wollen.» Heute ist Mobile-Banking in der Schweiz noch kein grosses Thema. Vergleichbare Konzepte gibt es in Europa bislang erst in Deutschland mit «N26» und in Österreich mit «George-Go» der Erste Bank/Sparkassen AG.

Gebühr für Fremdbezüge

Entscheidend für eine solche App ist, dass sie übersichtlich und einfach zu handhaben ist und Zahlungen damit rasch abgewickelt werden können. Das App-Konto kann zudem in Kategorien gegliedert werden, etwa um Geld für eine Reise oder Steuern beiseitezulegen. Ein sogenannter Chatbot steht dem Nutzer als automatisierter Berater und Tippgeber über die App zur Seite. Seit Anfang Dezember testen 1500 Probekunden eine Vorab-Version der App im täglichen Gebrauch.

«Wir sprechen Kunden an, die für einfache Bankgeschäfte nicht zur Bank gehen wollen. Für sie ist wichtig, dass alles schnell, mobil und so einfach wie möglich geht», sagt Matthias Häne, Leiter Strategie & Digitale Transformation der Bank Cler. Im Gratis-Grundpaket sind das Konto, eine Maestro- und eine Kreditkarte dabei. Bargeldbezüge an allen Bancomaten der Bank sind kostenlos. Für bankfremde Bezüge wird eine Gebühr von zwei Franken fällig. Ebenso wenig gratis sind Zusatzleistungen. Für sechs Franken pro Monat sind beliebig viele Bargeldbezüge im Inland möglich und vier im Ausland.

Bei der Entwicklung sei mit den Entwicklern von «George-Go» – einer digitalen Bank aus Österreich – zusammengearbeitet worden. «So haben wir von den Erfahrungen profitieren und unnötige Fehler vermeiden können.»

Ausserdem ist die Bank Cler mit der Basler Versicherung ins Geschäft gekommen. Denn auch Baloise, in Basel nur wenige Schritte vom Cler-Hauptsitz entfernt, muss sich in der digitalen Welt neu erfinden. Über «Zak» können Produkte der Baloise bezogen werden. Da «Zak» nicht ortsgebunden ist, soll sie in der ganzen Schweiz ausgerollt werden. Beworben werde sie über Online-Kanäle wie Google Ads, Facebook oder Instagram Influencer. Die App soll nach und nach weiterentwickelt werden, beispielsweise für die Bedürfnisse von Paaren oder Wohngemeinschaften.

Hohe Kosten, ungewisser Erfolg

Wann und ob «Zak» rentieren wird, ist ungewiss. Zunächst fallen erst einmal Kosten an. Cler hat eine Abteilung von 25 Mitarbeitern innerhalb der Bank zusammengezogen, dazu kommen zeitweise mehr als doppelt so viele Externe. Die Kosten dürften deshalb in die Millionen gehen, Zahlen nennt die Bank nicht. Zudem wissen die ClerVerantwortlichen noch nicht, wie gut die digitale «Taschenbank» von den jungen Nutzern angenommen wird. Die Behörden haben die App zumindest genehmigt. In Österreich scheint der neue Banking-Kanal jedoch zu funktionieren: Die App «George-Go» hat gemäss eigenen Angaben eine Million Kunden.