Der Lebensversicherungskonzern Swiss Life greift in die Debatte um schweizerisch klingende Aliasnamen für Mitarbeitende mit ić-Namen ein. In einer Pressemitteilung vom Dienstagvormittag will er "einige Fakten zum eigenen Handeln klarstellen". Die Verwendung von Aliasnamen in Callcentern sei "vor allem im Bereich der aktiven Kundenansprache gängige Praxis", heisst es darin. Dabei erhält zum Beispiel ein Stjepan Ivankovic für seine Arbeit am Telefon den Namen Stefan Meier. Diese Praxis hält Swiss Life weder für diskriminierend noch für persönlichkeitsverletzend.

Laut Markus Leibundgut, Chef von Swiss Life Schweiz, entscheiden die 19 Mitarbeitenden im Contact Center "immer und ausschliesslich freiwillig, ob sie einen Aliasnamen verwenden wollen oder nicht". Mit einer schriftlichen Erklärung wird die Freiwilligkeit offenbar im Einzelfall dokumentiert.

Die Behauptung, Mitarbeitende von Swiss Life würden zum Gebrauch von Aliasnamen genötigt, ist laut Leibundgut demnach "falsch". Zudem beschränke sich der Gebrauch von Aliasnamen auf das Contact Center mit aktuell 19 Beschäftigten. Dort gehe es einzig darum, Termine mit bestehenden und potenziellen Kunden zu vereinbaren. 

Von den 19 Angestellten verwenden laut Swiss Life neun einen eingeschweizerten Aliasnamen. Von den zehn übrigen Angestellten hätten jedoch drei einen ausländischen Namen. Das beweist laut dem Unternehmen, "dass es keinen Zwang zur Nutzung von Aliasnamen bei Swiss Life beziehungsweise eine entsprechende Diskriminierung gibt".

"Problematisch, bedauerlich, verletztend"

Gemäss einem Bericht der "Sonntagszeitung" kritisiert die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus die Verwendung von Aliasnamen als problematisch, bedauerlich und für die betroffenen Mitarbeiter verletzend. Am Montag rief der Politologe Nenad Stojanovic in der Zeitung "Blick" gar zu einem Boykott von Swiss Life auf. Stojanovic ist Mitglied der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus und Dozent an der Universität Luzern. Er bezeichnet das Verhalten der Firma als "krass diskriminierend".

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Der Lebensversicherer Swiss Life legt seinen „ić“-Angestellten nahe, sich bei Kundentelefonaten mit Schweizer Namen zu melden.

"Wir haben volles Verständnis für die öffentliche Debatte in unserem Land", hält Markus Leibundgut fest. Swiss Life stelle sich dieser Diskussion und führe sie auch intern. Dabei stehe das Wohl und die faire Behandlung der Mitarbeitenden an erster Stelle.