WEF 2014
Davoser Hotels balgen sich um die lukrativsten WEF-Partys

Das neue Luxushotel Intercontinental gibt noch mehr Firmen die Möglichkeit, in Davos eine fette Party zu feiern. Die wohl rauschendste feiert Google. Aber auch andere Firmen geizen nicht, wenn es ums Party-Budget geht.

Roman Seiler
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Sieht aus wie ein überdimensioniertes Osterei: Das neue Luxushotel Intercontinental am Dorfausgang von Davos. Andy Mettler/swiss-image.ch
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In Davos balgen sich die Hoteldirektoren um die lukrativsten WEF-Partys
Steigenberger Grandhotel «Belvédère»: Die Google-Party ist Geschichte.

Sieht aus wie ein überdimensioniertes Osterei: Das neue Luxushotel Intercontinental am Dorfausgang von Davos. Andy Mettler/swiss-image.ch

Andy Mettler/swiss-image.ch

Wie ein überdimensioniertes Osterei ragt das Hotel Intercontinental Davos aus dem Seehornwald heraus. Ist man einmal drin, erschlägt den Besucher die schiere Grösse des im Dezember eröffneten Luxushotels mit 215 Zimmern. Hier lässt es Google während des World Economic Forums (WEF) in Davos so richtig krachen: Der US-Internetkonzern führt seine legendäre Party hier durch - statt wie einst im Fünfstern-Hotel Steigenberger Grandhotel Belvédère. Rund eine halbe Million Franken habe Google laut einem Insider dort jeweils für diesen einen Anlass liegen lassen.

Bauboom in Davos: ÜBER 200 Millionen Franken für Hotels

Der Bau des «Intercontinental Davos» kostete 155 Millionen Franken. Die Liegenschaft gehört einem Fonds der Credit Suisse. Ein UBS-Fonds erstellt für 80 Millionen Franken die Grossüberbauung, zu der das Viersternehotel Symondpark mit 140 Zimmern zählt. Wenn die Herberge im kommenden Jahr eröffnet, gibt es in Davos rund 6300 Betten. Die mit 400 Quadratmetern aktuell grösste Suite bietet in Davos das «Rixos Flüela» an. In die Totalsanierung des Luxushauses investierten aserbaidschanische Geschäftsleute und die türkische Hotelkette Rixos mehr als 30 Millionen Franken. Die Hotelkette Steigenberger steckte sechs Millionen Franken ins «Belvédère». Die Brüder Alexander und Thomas Götz renovierten ihren 2011 übernommenen «Seehof» für 15 Millionen Franken. Ex-Formel-1-Fahrer Jarno Trulli erneuert 2015 alle Zimmer seines 4-Sterne-Hauses «Meierhof». Angesichts der neuen Konkurrenz verliert Gäste, wer nicht in sein Hotel investiert. (sei)

Derzeit befindet sich das Landwassertal im Ausnahmezustand. In Davos sind die Hotels voll. Selbst bis weit hinunter ins Sarganserland sind die meisten Herbergen ausgebucht. Denn noch heute bietet Davos praktisch gleich viele Hotelbetten wie 1993. Ab nächstem Jahr sind es mit dem neuen Viersternehaus Symondpark laut der Destination Davos Klosters (DDO) 6273 Betten. Allerdings erhöhte sich der Anteil an Betten im Vier- und Fünfsternebereich um 1400. Daher müssen weniger Wirtschaftsführer mit Ein- bis Dreisterneabsteigen vorliebnehmen.

40 Millionen Franken zu verteilen

Im «Intercontinental» begrüsst Hoteldirektor Peter H. Pedersen sieben Staatsoberhäupter. Neben dem Konzernchef von Intercontinental Hotels Group, Richard Solomons, nächtigen hier die den Google-Vertreter. Yahoo-Chefin Marissa Mayer richtet hier eine weitere der vier grossen Partys im neuen Hotel aus. Auch in der Studio Grigio Bar im 10. Stock steppt in den nächsten Tagen der Bär. Hier geniessen die Geäste eine fantastische Aussicht auf Davos. Pedersen sagt: «Das WEF hat für uns, wie für alle Mitbewerber, eine riesige Bedeutung für das Wintersaison-Geschäft.» Auf total 40 Millionen Franken beläuft sich der Umsatz in diesen Tagen.

Die Veranstaltungen beleben das WEF. Dessen Besucher tingeln am liebsten am gleichen Ort von Anlass zu Anlass. So verlieren die gestressten «Davos-Männer» keine Zeit im Dauerstau auf den Strassen oder beim Anstehen vor den Sicherheitsschleusen vor den Hoteleingängen. Daher ist es für die nun drei gewichtigsten Konkurrenten - «Belvédère», «Intercontinental» und «Seehof» - wichtig, möglichst viele Firmen und Länderdelegationen zu akquirieren, die unter ihrem Dach ein Dinner, einen Cocktailempfang oder eben eine Party durchführen.

Glaubt man den Aussagen der Hoteldirektoren, blieb ein Verdrängungskampf bis jetzt aus. «Es gibt mehr Anlässe», sagt DDO-Direktor Reto Branschi. Dank des «Intercontinentals» erhalten nun Firmen wie Yahoo Räumlichkeiten für eine fette Party. Belvédère-Direktor Ingo Schwegler sagt: «Wir haben noch immer Anfragen von tollen Firmen, die gerne was bei uns machen. Aber wir finden keinen Platz für sie.»

Reihum zufriedene Hoteliers

Schwegler führt während des WEF mehr als 300 Veranstaltungen durch. Anstelle der Google-Party organisiert nun die Deutsche Bank im Grandhotel einen Grossanlass. Einquartiert sind hier auch die Top-Manager des Geldhauses - und US-Aussenminister John Kerry. «Rund 70 Prozent unserer früheren WEF-Stammgäste logieren weiter hier.» Dazu zählen Renault-Chef Carlos Ghosn und Nestlé-Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck. Drinks an der Hotelbar sind für sie und alle anderen Gäste gratis. Dieses Jahr sponsert der indische IT-Dienstleister Wipro die Getränke. Bis zu 30 000 Franken koste dies täglich, sagen Insider.

Reihum sind die meisten Vier- und Fünfsterne-Hoteliers zufrieden. «Grischa»-Direktor Cyrill Ackermann sagt, er werde seinen Umsatz am WEF halten können. «Wir sind ausgebucht», sagen sowohl Toni Morosani, der drei Hotels in Davos Platz führt, wie auch Jean-Pierre Galey, Direktor des «Seehofs» in Davos Dorf. Galey führt über 100 Anlässe durch. Und Claude Kaiser vom «Meierhof» hat erstmals ein 600 Quadratmeter grosses Zelt vor seinem Hotel aufstellen lassen, in dem sich Mexiko präsentiert.

Sie alle halten sich an eine Vereinbarung, keine überrissenen Preise zu verlangen während des WEF. Für eine Übernachtung dürfen nicht mehr als zehn Prozent, für Essen und Getränke nicht mehr als 20 Prozent zusätzlich verrechnet werden - verglichen mit der Hochsaison. «Die Hochpreis-Politik gilt es zu bekämpfen», sagt DDO-Direktor Branschi: «Wir können es uns nicht leisten, das Image von der Hochpreisinsel zu zementieren.»

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