Der starke Franken tue schon weh, sagt ein WEF-Besucher aus Indien der «Nordwestschweiz». Kein Wunder, der plötzliche Preisaufschlag macht sich selbst im Kleinen bemerkbar: Vor einem Monat kostete ein Espresso im Hotelrestaurant umgerechnet 5.60 Euro, mit der Franken-Euro-Parität werden nun 7 Euro fällig.

Die Davoser Touristiker sind sich der Problematik bewusst. Reto Branschi, Chef des lokalen Tourismusverbands Destination Davos Klosters (DDK), hat bereits letzten Freitag ein Rundmail an die Hoteliers verschickt, in dem er die sofortige Einführung eines «20-Prozent-Euro-Rabatts» vorschlägt. Zur Hälfte sollte die Preissenkung durch tiefere Preise der Hoteliers zustande kommen, zur Hälfte durch einen Verzicht auf Kommissionen der DDK. Die meisten Hoteliers waren von dem Vorschlag jedoch wenig begeistert, wie die Antwortmails zeigen, die der «Nordwestschweiz» vorliegen. Von «Schnellschuss» und «Aktionismus» ist darin die Rede. Einige stören sich zudem daran, dass nur die Hotels, nicht aber die Bergbahnen günstiger werden sollen.

Neuer Plan: WEF abwarten

Aufgrund der Reaktionen hat DDK die Euro-Rabatt-Aktion abgeblasen – zumindest vorerst: «Wir warten jetzt das WEF sowie die Entscheidung der Europäischen Zentralbank betreffend Aufkauf von Staatsanleihen ab», sagt DDK-Sprecher Nuot Lietha. Ab nächster Woche sitze man dann mit den verschiedenen Parteien zusammen. «Aber nicht nur mit den Hoteliers, sondern auch mit den Gastrobetrieben, den Bergbahnen und dem Gewerbe.» Man strebe eine ganzheitliche Lösung an, die langfristig Sinn mache.

Für die WEF-Woche macht sich die Mehrheit der Davoser Hoteliers keine Sorgen um die Umsätze. «Die meisten Gäste zahlten einen grossen Teil ihrer Ausgaben im Voraus, als der Franken noch schwächer war», sagt Thomas Kleber, Direktor des Steigenberger Grandhotel Belvédère. Zudem könne sein Hotel in diesem Jahr gar mehr Veranstaltungen organisieren als im letzten Jahr. Beim Hotel Seehof sowie beim Intercontinental tönt es ähnlich.

GAV im Visier

Weniger positiv gestimmt ist Toni Morosani. Er ist Inhaber der Hotels Pöstli und Schweizerhof sowie Präsident der Davoser Sektion von Hotellerie Suisse. Morosini hält Kostensenkungen beim Personal für unumgänglich: «Wir sollten zurück zum alten Gesamtarbeitsvertrag (GAV), wo der 13. Monatslohn nicht schon ab dem ersten Monat fällig wurde.» Weiter fordert Morosani Fortschritte im Kampf gegen die Hochpreisinsel Schweiz: «Parallelimporte müssen für alle Produkte unbeschränkt möglich sein.»

Mit letzterer Forderung rennt Morosani bei Christoph Juen, dem schweizweiten Chef von Hotellerie Suisse, offene Türen ein: «Wir kämpfen seit Jahren für tiefere Preise, vor allem im Lebensmittelbereich.» Das Ende des Agrarschutzes sei überfällig: «Nur durch einen konsequenten Abbau der Zollschutzmassnahmen kann der nötige Druck aufgebaut werden, damit die verkrustete Wertschöpfungskette vom Schlachthof bis zum Endkonsumenten beim Fleisch kostengünstiger abläuft», so Juen. Am Mittwoch gab es für das Gastgewerbe gute Nachrichten aus Bern: Der Bundesrat will, dass für den Import von Lebensmitteln die gleichen Regeln gelten wie bei anderen Produkten.

Von Morosanis anderer Forderung, der Aufkündigung des neuen GAV, hält Juen dagegen nichts: «Es wäre komplett falsch, jetzt die Dialogplattform der bestehenden Sozialpartnerschaft aufs Spiel zu setzen.» Vielmehr müsse man das Gespräch mit den Arbeitnehmervertretern suchen und gemeinsame Lösungen erarbeiten.