Die Daten - darunter über zwei Millionen E-mails – stammen aus zehn Steuerparadiesen wie den Britischen Jungferninseln, den Cook Inseln und Singapur, wie die ICIJ-Verantwortlichen auf ihrer Webseite ihr Vorgehen erklären. Die Daten enthielten Informationen über 122'000 Gesellschaften und Trusts, 12'000 Finanzintermediäre und 130'000 Unterlagen zu Personen, die solche Firmen verwalten, besitzen, davon profitieren oder sich dahinter verstecken.

Nicht nur Superreiche jonglieren mit Offshore-Geldern

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Da die Datenmenge - ausgedruckt entspricht sie 500'000 Bibeln - alleine nicht bewältigbar war, setzte ICIJ ein Team von 86 Journalistinnen und Journalisten aus 46 Ländern auf den Datenberg an. Die Arbeit begann vor über einem Jahr und ist noch immer im Gang.

Möglich war sie auch nur dank eines ausgeklügelten digitalen Systems. Die Zusammenarbeit zu den Offshore-Leaks sei eine der grössten grenzüberschreitenden investigativen Partnerschaften in der Geschichte des Journalismus, schreibt das Konsortium.

Wichtiger Quellenschutz

Das Projekt erinnert an WikiLeaks, funktioniert aber ganz anders. "Das Projekt ist aus meiner Sicht ein Gegenentwurf zu WikiLeaks", erklärte Sebastian Mondial, der als Datenjournalist am Offshore-Projekt beteiligt ist, der Nachrichtenagentur dpa. "Wir haben von vornherein versucht, Geheimhaltung und Quellenschutz nach vorn zu stellen."

Das von Julian Assange gegründete WikiLeaks-Projekt mit seinen Berichten von diplomatischen Vertretungen stiess 2010 auf heftige Kritik, weil auch Namen von Informanten veröffentlicht wurden. Zu den Offshore-Leaks sagt Mondial: "Das ICIJ will diese Daten nicht veröffentlichen, weil man auch grossen Schaden bei unbeteiligten Dritten anrichten kann, die in den Daten genannt sind."

Laut Mondial gibt es weltweit nur eine "Handvoll Personen, die den Zugang zu allen diesen Daten hat". Mit Blick auf den Quellenschutz macht das ICIJ nur sehr allgemeine Angaben zur Herkunft der Daten: Diese "sind von Servern abgeschöpft worden, die über das Internet zugänglich waren", erklärt Mondial.

Genaue Daten-Überprüfung

Die Daten reichen zum Teil bis in die 1990er Jahre zurück, so dass mehr als 15 Jahre abgedeckt werden. Während der ersten Prüfung der Daten haben die ICIJ-Experten zunächst geprüft, dass sie nicht einem grossen Hoax, einer raffinierten Fälschung aufgesessen sind.

"Die zweite Phase begann dann nach der Entdeckung von zwei Datenbanken, die detaillierte Angaben enthielten, welche Offshore-Firmen mit welchen Personen verknüpft waren", erklärt Mondial. "Das war ein Durchbruch."

"Das erste halbe Jahr des Projekts stand ganz im Zeichen der Frage, wie wir die Daten aufbereiten", erklärt Mondial der dpa. Dafür setzte der Experte die spezielle Forensik-Software Nuix ein. Damit konnten grosse Datenmengen sehr schnell indiziert und anschaulich aufbereitet werden.

So kann man damit analysieren, wer mit wem über welchen Zeitraum hinweg E-Mails ausgetauscht hat. Da die ICIJ-Journalisten auch die Daten von Mail-Servern hatten, konnten sie selbst diejenigen Empfänger erkennen, die im BCC-Feld einer E-Mail eigentlich unsichtbar bleiben sollen.