Rapid AG

Das Zugpferd hat eine Achse

Rolf Schaffner erläutert vor auslieferungsbereiten Rapid-Einachsern die Fabrikationsanlage. (Walter Schwager)

Rapid AG Killwangen

Rolf Schaffner erläutert vor auslieferungsbereiten Rapid-Einachsern die Fabrikationsanlage. (Walter Schwager)

Vor 83 Jahren rollte der erste Rapid in Zürich aus der Fabrikationshalle. Neu wird das multifunktionale Gerät in Killwangen hergestellt. Im Industriegebiet hat die Rapid AG eine neue Betriebsstätte eröffnet.

Dieter Minder

Mit dem Rapider wurde die Landwirtschaft in der Schweiz motorisiert. Eigentlich ist der Rapider nicht viel mehr als ein Motor mit zwei Rädern auf einer Achse, deshalb auch Einachser genannt. Weiterentwickelt, lässt sich das Gerät mit wenigen Handgriffen von der Mähmaschine zum Schneepflug, zur Wischmaschine, zum Laubsauger oder zur Bodenfräse umbauen. Dank dem tiefen Schwerpunkt ist der Rapider sehr geländetauglich, also das ideale Arbeitsgerät für die hügelige Schweiz und insbesondere die Alpen.

Die Wiege von Rapid ist Zürich, dort wurde der Einachser erfunden. Der Bedarf an besseren Werkhallen und der zunehmende Siedlungsdruck liess die Firma nach aussen wandern. Ihren jüngsten Umzug hat sie nun hinter sich: von Dietikon nach Killwangen. «Wir haben die Hallen des ehemaligen Stahlhändlers König übernommen», sagt Rolf Schaffner, Geschäftsführer der Rapid Technic. Insgesamt hat Rapid in die neue Fabrikationsanlagen 26 Millionen Franken investiert. Ein Teil davon wurde mit dem Verkauf des bisherigen Betriebsareals im Limmatfeld Dietikon finanziert.

Modernste Fabrikationsanlagen

Neben den Einachsern produziert Rapid im Auftrag von Kunden Spezialteile. Eine Pionierrolle hat sich das Unternehmen im Sektor Schweissen erarbeitet. Dazu stehen in den neuen Werkhallen modernste Maschinen. Ausgerüstet mit vollautomatischen, vor- und nachgelagerten Lagern, können die Maschinen rund um die Uhr arbeiten. «Wir entwickeln und produzieren auch Zusatzgeräte für den Einachser», sagt Schaffner; sie können besser als zugekaufte auf die Kundenbedürfnisse abgestellt werden. «Die Qualität kommt aus einer Hand.» Den hohen Standard ihrer Produkte sichert Rapid mit eigenen Entwicklungen und umfassenden Prüfungen.

Geräte, insbesondere für den Kommunalbereich, werden importiert. Darunter sind Reinigungsfahrzeuge, wie sie überall zu sehen sind. In Killwangen erhalten sie sozusagen den letzten Schliff, sie werden helvetisiert. In Montagelinien werden die Geräte nach den Wünschen der Kunden zusammengestellt und dann ausgeliefert. Verkauft werden die Geräte von Händlern in der Schweiz beziehungsweise Importeuren in den EU-Ländern, in den USA, Kanada und Mexiko.

Lok 2000 fährt mit Rapid-Teilen

Einzelteile, im Auftrag von Kunden, werden in enger Zusammenarbeit mit diesen entwickelt und in Killwangen fabriziert. Beliefert werden unter anderem Lastwagen- und Baumaschinenhersteller, die Lebensmittelindustrie und die Fabrikanten von Schienenfahrzeugen. So ist die Lok 2000 der SBB mit Teilen von Rapid unterwegs. «Am neuen Standort haben wir gute Möglichkeiten, den Betrieb weiterzuentwickeln», sagt Schaffner. Ein besonders wichtiges Projekt ist das so genannte Friction Stir Welding (FSW).

Damit können insbesondere unterschiedliche Materialien miteinander verschweisst werden. Weil diese Schweissart sehr verzugsarm ist und das Gefüge sich nur minimal verändert, lässt sich eine hohe Qualität erreichen. Die Adresse des Unternehmens lautet Industriestrasse 7, 8956 Killwangen. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn die östliche der beiden grossen Fabrikationshallen steht bereits in Spreitenbach. Weil hier die produktionsintensiven Maschinen stehen, die auch mehr Energie benötigen, musste ein neuer Anschluss an die Stromversorgung eingerichtet werden. Lieferant ist das Elektrizitätswerk Spreitenbach.

Wechselhafte Geschichte

1926 produzierte Rapid den ersten Einachser mit Mähbalken. 1946 unternahm Rapid den Versuch, in die Automobilindustrie einzusteigen, nach einigen Prototypen wurde die Idee aber nicht weiter verfolgt. Bald darauf folgte der Rapid Spezial, ein Einachser, der mit einem Anhänger ergänzt zu einem Transportfahrzeug erweitert werden konnte. Rasenmäher, Strassenwischmaschinen, Kleintraktoren wurden ebenfalls produziert. Während mehr als 50 Jahren importierte Rapid Landmaschinen und Zubehör. 2003 wurde die Strategie des Unternehmens geändert. Seither konzentriert es sich auf Einachser und Kommunalfahrzeuge, der Handel von Traktoren und Erntegeräten wurde aufgegeben.

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