«Das Wynental braucht die Alu»

Die Alu-Mitarbeiter könnten gewissenhafter arbeiten und so ihre Fabrik unterstützen, sagt Antonio Pitzalis aus Reinach.

Aline Wüst

Früher sei das Klima in der Alu sehr familiär gewesen, sagt Pitzalis (61), der bereits seit 40 Jahren dort arbeitet. In den letzten Jahren sei die Atmosphäre in den Fabrikhallen schlechter geworden. Angefangen habe das vor etwa sechs Jahren: Viele der alten Vorarbeiter wurden pensioniert. Mit ihnen verschwand ein enormes Wissen. «Sie merkten mit blossem Auge, wenn bei der Produktion etwas schieflief», sagt Pitzalis.

Heute dauere es manchmal viel zu lange, bis die Arbeiter bemerkten, dass mit den Maschinen etwas nicht stimme. Weil die Maschinen nicht fachgerecht bedient werden können, produziere man viel Ausschuss. Dass dann noch fast jedes Jahr die Direktoren wechselten und jeder wieder neue Ideen hatte, machte es auch nicht leichter.

Erschwerte Arbeitsbedingung

Dann flatterten die ersten Kündigungen in die Briefkästen. Er habe der Geschäftsleitung vorgeschlagen, sie solle ihn frühpensionieren, damit ein junger Familienvater bleiben könne. «Antonio, sagten die zu mir, wenn du dich pensionieren lassen willst, kannst du das tun. Aber der andere muss trotzdem gehen.»

Bei der zweiten Welle von Entlassungen hat ein Arbeitskollege, mit dem er dort arbeitete und sich gut verstand, die Kündigung bekommen. «Ich musste fast weinen, als ich das erfuhr. Statt Arbeiter mit Erfahrung zu entlassen, hätte die Alu von Anfang an Kurzarbeit einführen sollen, um damit Zeit zu gewinnen.

Denn wenn in einer Firma viele Temporäre arbeiten und Arbeiter mit Fachwissen fehlen, herrsche weniger Respekt und Ordnung, sagt der Sarde. Die Arbeitsbedingungen hätten sich in letzter Zeit verschärft. Kurzfristig werde mitgeteilt, ob man arbeiten könne oder nicht. «Das kann für die Arbeiter belastend sein», sagt Pitzalis.

Zukunft trotz Veränderungen

Pitzalis kennt den Alltag in den Fabrikhallen und berichtet, dass die Arbeitsmoral dort manchmal zu wünschen übrig lässt. «Einigen Arbeitern ist nicht klar, dass sie mit einem Riesenkapital arbeiten», sagt er. Es sei schlimm, wenn die Maschinen nicht laufen, weil sie beispielsweise repariert werden. «Die Maschinen müssen immer produzieren, sonst verschleudert man Geld», sagts und verwirft dabei die Hände in italienischer Manier.

Zudem wird teilweise mit den fertigen Produkten nachlässig umgegangen. Dabei koste jeder Kratzer im Aluminium die Alu Geld. «Das ist einigen egal», sagt er. Vieles habe sich verändert. Angst habe er keine und wenn ihm etwas nicht passt, wehrt er sich. In den letzen 40 Jahren habe Pitzalis viel Kraft und Energie in den Betrieb gesteckt.

«Es wäre ein grosser Verlust für das Oberwynental, wenn die Alu zuginge.» Sie bilde so viele Lehrlinge aus, das könne man nicht aufgeben, sagt er. Er sieht eine Zukunft für die Fabrik, in der er schon so lange arbeitet. Spürbar ist, dass ihm die Alu am Herzen liegt.

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