Steuerausweis

Das Steuerwunder der Familie Hildebrand

Frisch renoviert? Hildebrands Villa in Zürich. Google streetview

Frisch renoviert? Hildebrands Villa in Zürich. Google streetview

Trotz des Millionensalärs des Ehemanns versteuerte die Familie Hildebrand 2009 nur 96200 Franken - einen Bruchteil der Summen der Jahre 2006 bis 2008. Dafür kann es nur drei Gründe geben.

Die Frau am Informationsschalter des Steueramtes der Stadt Zürich reagierte freundlich. «Wie heisst der Herr nochmals mit Vornamen?» «Philipp, er wohnt zusammen mit seiner Frau Kashya in Zürich.» Und dann findet sie die Belege sehr schnell.

Bemerkenswert sind vor allem die Zahlen von 2009. Das «satzbestimmende Einkommen» beträgt nur gerade 96200 Franken. Philipp Hildebrand verdient aber als Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB) gemäss dem letzten Jahresbericht ein Jahresgehalt in der Höhe von 833100 Franken. Dazu kommt ein zusätzliches Honorar in der Höhe von 66648 Franken für sein Verwaltungsratsmandat bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel.

2009 nur 96200 Franken versteuert: Auszug aus dem Steuerausweis

2009 nur 96200 Franken versteuert: Auszug aus dem Steuerausweis

Für Repräsentationsaufgaben, Generalabonnement und nicht detaillierter umschriebene «weitere Entschädigungen gemäss Reglement» kommt noch ein Betrag von 28800 Franken dazu und die Arbeitgeberbeiträge für Pensionspläne und die AHV belaufen sich auf 132900 Franken. Insgesamt verfügt der SNB-Präsident also über Jahreseinkünfte von 994800 Franken oder rund 1 Million.

Einen Bruchteil versteuert

Philipp Hildebrand war gestern nicht erreichbar. Auch sein Kommunikationsberater Jörg Denzler konnte nicht weiterhelfen. «Ich erreiche ihn derzeit nicht», so Denzler gegenüber der az. Kashya Hildebrand war gestern nicht in der Galerie in Zürich. «Sie ist zurzeit in Singapur an einer Kunstmesse», sagte ein Angestellter.

Ruth Honegger, die Steuerberaterin der Familie Hildebrand vom Treuhand- und Beratungsunternehmen Tresag in Zürich, sagte, dass es für das «relativ niedrige steuerbare Einkommen» im Jahr 2009 eine einfache Erklärung gebe. Sie könne aber aufgrund der aktuellen Ereignisse ohne die Zustimmung von Herrn Hildebrand nichts sagen.

Fest steht: 2009 versteuerten die Hildebrands nur einen Bruchteil der Summen in den Jahren 2006 bis 2008. Sowohl Einkommen wie Vermögen sind signifikant gesunken. Steuerexperten sagen, dass es dafür eigentlich nur drei Gründe geben kann. Entweder Kashya Hildebrand hat mit ihrer Galerie einen hohen Verlust erzielt.

Da es sich bei der Galerie um ein Einzelunternehmen handelt, würde der Verlust direkt über die Steuererklärung des Ehepaars abgebucht. Dagegen spricht aber, dass das Jahr 2009 für Kunsthändler nicht so schlecht war. «Ich habe relativ gute Geschäfte gemacht», sagt jedenfalls der Zürcher Galerist Nicolas Beurret.

Möglich wäre auch, dass die Hildebrands steuerabzugsfähige Unterhalts- oder Renovationsarbeiten an einer Liegenschaft vorgenommen hätten. Die Villa in Zürich sieht in der Tat so aus, als ob sie kürzlich renoviert worden sei. Dass jedoch das Chalet in Gstaad vor dem Verkauf für 3,3 Millionen Franken noch renoviert wurde, scheint unwahrscheinlich. «Vor einem Verkauf wird ein Haus in der Regel nicht erneuert», sagt Werner Räber vom Steuerberatungsunternehmen Dr. Thomas Fischer und Partner in Baar.

Legal von den Steuern abziehen

Er hält eine dritte Erklärung für die wahrscheinlichste. «Die Abnahme des steuerbaren Vermögens und das tiefe steuerbare Einkommen deuten darauf hin, dass Philipp Hildebrand grössere Nachzahlungen in die Pensionskasse geleistet hat», so Räber. Das sei absolut legal.

Als Notenbankchef mit einem Grundlohn von 833100 Franken eröffnen sich Hildebrand nämlich hohe Einkaufsmöglichkeiten in die Pensionskasse. Denn die Einkaufslücke berechnet sich jeweils auf Basis des aktuellen Einkommens. Zur Berechnung der Einkaufsmöglichkeit wird unterstellt, dass man ab dem 25.Altersjahr immer den letzten Lohn verdient hätte.

Im Falle von Hildebrand waren es zuletzt eben 833100 Franken. Vor seinem Einzug ins SNB-Direktorium dürfte er deutlich weniger verdient haben. Je grösser die Lohndifferenz, umso grösser die Einkaufslücke und damit eben auch das das Steueroptimierungspotenzial. Denn der Pensionskassen-Einkauf kann eins zu eins vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden – und zwar nicht nur von SNB-Präsidenten.

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