Management
Nach vier Wechseln in sechs Jahren: Die neue Chefin fürs Schweiz-Geschäft der UBS soll die Erträge wieder steigern

Sabine Keller-Busse übernimmt die zuletzt stagnierende Sparte. Sie leitet derzeit den «Maschinenraum »der UBS.

Roman Schenkel
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Sabine Keller-Busse

Sabine Keller-Busse

PD

Es ist der erste Pflock, den das neue UBS-Führungsduo einschlägt. Präsident Axel Weber und Neo-Chef Ralph Hamers wechseln Axel Lehmann als Schweiz-Chef aus. Laut offizieller Sprachregelung tritt er freiwillig ab. Lehmann habe sich entschieden, per 31. Januar 2021 zurückzutreten, heisst es in der Medienmitteilung. Bankintern ist anderes zu hören. Lehmann, erst 61 Jahre alt, hätte gut und gerne noch das eine oder andere Jahr weitermachen können und auch wollen. Gegen die Freiwilligkeit spricht auch, dass für die Lücke, welche seine Nachfolgerin wegen ihres internen Wechsels hinterlässt, noch niemand bereitsteht. Es musste offenbar schnell gehen.

Sabine Keller-Busse ist derzeit Chief Operating Officer (COO) der Grossbank. Sie leitet mit dem gesamten Personalwesen und der Technik sozusagen den «Maschinenraum» der Bank. Damit stand sie zwar nicht einem Geschäftsbereich vor, der an der Front für die Gewinne verantwortlich ist, mit der Zuständigkeit für die technologische Entwicklung der Bank kommt ihr aber bei der UBS dennoch eine Schlüsselrolle zu. Zudem ist ihre Abteilung mit gut 30000 Angestellten im Vergleich zu anderen Banken gross. Im Vergleich dazu ist das Schweiz-Geschäft etwas kleiner. Rund 21000 Angestellte schlägt die UBS dieser Sparte zu.

Weniger Personal, hohe Bedeutung

Dass die Wahl auf Keller-Busse fällt, ist keine grosse Überraschung. Sie galt vor Jahresfrist bereits als potenzielle Nachfolgerin von Sergio Ermotti. Der UBS -Verwaltungsrat entschied sich dann aber bekanntlich anders und setzte mit Hamers auf einen Manager, der bereits eine grosse Bank geführt hatte.

Die neue Verantwortung von Keller-Busse mag zwar personell etwas kleiner sein. Von der Bedeutung her, ist der Heimmarkt aber nicht weniger wichtig. Das Schweiz-Geschäft ist ein zentraler Geschäftsbereich. Er erzielt seit Jahren stabile Erträge und trägt mit rund 40 Prozent des operativen Konzerngewinns wesentlich zur Ertragsstärke des ganzen Konzerns bei.

Hier ist die neue Chefin gefordert. Denn das Geschäft im Heimmarkt stagniert. Noch im Jahr 2017 erzielte das Geschäft unter Axel Lehmann einen Vorsteuergewinn von 1,7 Milliarden Franken. 2019 waren es noch gut 1,4 Milliarden Franken. Die Bilanz nach drei Quartalen im laufenden Jahr: Ein Vorsteuergewinn von noch 856 Millionen Franken. Das Vorjahresergebnis kann damit nicht mehr erreicht werden.

Allerdings ist ein Grossteil davon auf Corona zurückzuführen. Allein die fehlenden Fremdwährungstransaktionen im Kreditkartengeschäft haben die Erträge in den ersten drei Quartalen stark belastet. Ein UBS-Sprecher weist zudem darauf hin, dass die UBS in der Schweiz nach wie vor die Nummer 1 sei. Sprich: Das zu erwartende schlechte Jahresergebnis sei nicht der Grund für Lehmanns Rücktritt

CS hat den Rückstand auf den Platzhirsch verkleinert

Dennoch Credit Suisse hat in der Schweiz in den letzten Jahren den Rückstand auf die UBS verkleinert. Die nun vierte Chefin innerhalb von sechs Jahren, ist wohl auch ein Zeichen, dass die Entwicklung der Sparte nicht in die von der Führungsetage gewünschte Richtung gelaufen ist. Axel Lehmann war knapp drei, sein Vorgänger Martin Blessing nur zwei Jahre Chef des Schweizer Geschäfts. Beide lieferten zwar anständige Resultate, eine Antwort auf das schrumpfende Zinsgeschäft fanden sie beide nicht.

Hier ist nun Keller-Busse gefordert. Denn die Zukunft liegt nicht im Zinsgeschäft, sondern im Retailbanking. Hier lauern die Fintechs, die den arrivierten Banken mit ihren Digitalangeboten Marktanteile abjagen. Zudem muss die frühere McKinsey-Beraterin und CS-Bankerin überlegen, wie sie die jüngste Digitaloffensive der CS kontern kann.

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