Detailhandel

Das Ladensterben geht weiter – Verkaufsflächen werden zunehmend umgenutzt

Leere Läden gehören mittlerweile vielerorts zum Stadtbild.

Leere Läden gehören mittlerweile vielerorts zum Stadtbild.

Die Umsätze der Schweizer Detailhändler sind 2019 nicht gewachsen. Dies spüren nun auch die Immobilienanbieter: Die Nachfrage nach Verkaufsflächen sinkt.

Der Schweizer Detailhandel bleibt unter Druck. 2019 verharrten die Umsätze auf dem Vorjahresniveau. Einkaufen im nahen Ausland wurde wieder attraktiver und die Konkurrenz durch Onlinehändler stärker. Einzig das Bevölkerungswachstum stützte den hiesigen Handel gegen diese Entwicklungen, schreiben die Credit Suisse und das Beratungsunternehmen Fuhrer & Hotz in ihrer neusten Detailhandelsstudie «Retail Outlook». Vor allem das Segment Kleider und Schuhe litt demnach weiterhin und war im Non-Food-Bereich für den insgesamt leichten Rückgang verantwortlich (-0,3 Prozent). Food und Near-Food hingegen konnten im Vorjahresvergleich ein leichtes Plus verzeichnen (0,5 Prozent). Ebenfalls positiv entwickelt haben sich etwa die Segmente Freizeit und Autozubehör.

Die Stimmung in der Branche gleiche einer Berg- und Talfahrt, sagte Martin Hotz von Fuhrer & Hotz am Dienstag vor den Medien in Zürich. 2015 markierte das annus horribilis, danach erholten sich die Umsätze. 2019 sei der Anteil Unternehmen, welche die Umsatzziele erreicht hätten, nun aber wieder gesunken. «Bezüglich ihrer Gewinne geben sich die Händler noch bedeckter. Diese schmelzen ihnen seit Jahren weg», sagte Hotz. «Immerhin konnte der Abwärtstrend der Beschäftigenzahlen 2019 gestoppt werden.»

Der Strukturwandel trifft nicht nur den stationären Verkauf, sondern auch die Vermieter der Läden. In den letzten Jahren hat sich die Leerstandsquote stetig erhöht, leere Läden gehören vielerorts bereits zum Stadtbild. Ladenflächen werden deswegen vermehrt umgenutzt. Laut der CS-Studie wurden zuletzt lediglich 20 Prozent der ausgeschriebenen Flächen wieder an Detailhändler vermietet. Der Rest geht an Restaurants, Coiffeurs, Kosmetiksalons oder Büros. Für Vermieter ist dies häufig mit Umbaukosten verbunden. Dies bestätigt Marcel Hug, Geschäftsführer des Immobilienverbands Svit Schweiz. «Gebäude wurden in der Schweiz bisher für sehr langfristige Nutzungen konstruiert. Die Flächen dann anders zu nutzen, ist sehr schwierig. Mittlerweile versucht man deshalb, den Rohbau flexibler zu gestalten, damit zum Beispiel eher eine Wand herausgerissen werden kann.»

Ein zweites Mittel gegen Leerstände sind innovative Verkaufskonzepte wie Pop-up-Stores. Das sind temporäre Geschäfte, mit denen Händler zum Beispiel ein neues Sortiment testen und ihre Bekanntheit zu steigern versuchen. Pop-up-Stores können laut der Credit-Suisse-Studie eher wieder Detailhändler anlocken – ihr Interesse an temporären, flexiblen Mietkonditionen sei vor allem an starkfrequentierten Orten hoch. Seit 2015 hat sich die Anzahl solcher Verkaufsflächen in der Schweiz mehr als verdoppelt, von 100 auf 250. Die meisten davon sind in Zürich.

Dort hält sich die Freude teilweise allerdings in Grenzen. «Pop-up-Stores sind keine nachhaltigen Modelle», kritisiert der Präsident der City Vereinigung Zürich Milan Prenosil. Er kann in Zürich nur ein bedingtes Interesse danach beobachten. «Mieter und Vermieter wollen primär ein stabiles Mietverhältnis und keine ständigen Wechsel. Die hohen Mieten der Pop-up-Stores an Toplagen können sich meist nur internationale Konzerne leisten», sagt Prenosil. Auch die Ökonomen der Credit Suisse beurteilen Pop-up-Konzepte nicht als Allheilmittel für den Strukturwandel im Detailhandel. Zur Promotion, zum Ausprobieren neuer Sortimente oder zum Überbrücken zwischen zwei Mietverträgen seien sie für die Händler aber von Vorteil. Beispielsweise setzt das Glattzentrum stark auf Pop-up-Stores. Ausländische Händler können dort Ladenflächen samt Ausstattung und sogar Personal mieten.

Auch für die Immobilienbranche sind Pop-up-Stores nicht grundsätzlich schlecht, sagt Hug vom Immobilienverband. «Jahrzehntelange Mietverträge, wie es sie früher gab, wären natürlich schöner. Da es diese Leerstände heute aber nun mal gibt, füllen Vermieter ihre Flächen gerne auch mit temporären Mietern.» Pop-up-Stores kämen zudem häufig bei sogenannten strategischen Leerständen ins Spiel: Immobilienhändler nehmen teilweise einen Leerstand in Kauf und warten lieber länger auf einen geeigneten Mieter, statt mit dem Mietzins runterzugehen. Ein tieferer Mietzins mindert bei Gewerbeliegenschaften nämlich den Wert der Immobilie. Bei Pop-up-Nutzungen umgehen sie dabei häufig ein Mietverhältnis. «Dieses System boomt momentan», sagt Hug.

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Autor

Gabriela Jordan

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