Handel

Das grosse Lädelisterben geht weiter – doch es gibt auch Gewinner

Über 700 Mode- und Schuhgeschäfte schlossen in den letzten drei Jahren. (Symbolbild)

Über 700 Mode- und Schuhgeschäfte schlossen in den letzten drei Jahren. (Symbolbild)

Seit 2010 mussten in der Schweiz über 6000 Geschäfte dichtmachen. Doch es gibt auch Gewinner – vor allem einen Händler.

Noch vor wenigen Jahren war es im Detailhandel ein fast schon unbekanntes Wort: Leerstand. Doch mit dem rasanten Branchenwandel, angetrieben vom Einkaufstourismus und der Verlagerung ins Internet, ist für die Händler daraus ein Alltagsbegriff geworden.

Zu diesem Schluss kommt das Marktforschungsunternehmen Gfk, das am Dienstag in Zürich seine jährliche Branchenstudie präsentierte. Laut Gfk-Hochrechnungen sind in den letzten sieben Jahren unter dem Strich rund 6000 Verkaufstellen verschwunden. In den Jahrzehnten zuvor waren vor allem die Tante-Emma-Lebensmittelläden betroffen. Nun sind es die sogenannten Non-Food-Händler, welche die Marktbereinigung zu spüren bekommen, insbesondere die mittelgrossen Fachhändler (siehe Grafik). Die Anzahl Filialen der Fachhändler ging seit 2010 um 28 Prozent zurück.

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Ähnlich gross war die Bereinigung bei den Medien- und Buchhändlern, wie das Beispiel Exlibris zeigt. Die Migros gab im Januar bekannt, 43 von 57 ihrer Tochterfilialen zu schliessen. Der Onlineshop besteht zwar weiterhin. Doch kannibalisiert ihn die Migros mit ihrer anderen Tochter, dem Online-Warenhaus Digitec Galaxus, welche 2017 um rund 20 Prozent wuchs.

Proportional noch stärker war der Abbau bei den Post-Filialen. Sie wurden entweder ganz aufgegeben oder fanden in Form von Agenturen bei Detailhändlern wie Volg oder in Apotheken Unterschlupf.

Die Mode- und Schuhhändler gaben in derselben Periode 12 Prozent ihrer Filialen auf. Die Liste der bekannten Opfer ist lang: Switcher, Bata, Pasito, Companys, Jeans & Co., Yendi, Bernie’s, Charles Vögele, Schild, Blackout – sie alle mussten einen Grossteil ihrer Filialen schliessen – oder gar ganz dichtmachen. Hier fand der Abbau vor allem in den letzten drei Jahren statt, mit der Schliessung von über 700 Geschäften. Aktuellstes Beispiel ist OVS.

Nachfrage nach Mode sinkt

Und dabei wird es nicht bleiben. «Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen, auch 2018 sind Schliessungen zu erwarten», sagt Gfk-Detailhandelsexperte Thomas Hochreutener. Zwar haben die Detailhändler bei den Lebensmitteln einen guten Start ins neue Jahr hingelegt. Doch die Modehändler mussten laut Gfk das schlechteste Quartalsergebnis seit der Jahrtausendwende hinnehmen. Den starken Umsatzrückgang konnten auch teils massive Preiserhöhungen nicht wettmachen. Die reale Nachfrage nach Bekleidung und Schuhen ging im ersten Quartal 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 14,6 Prozent zurück.

Wo es Verlierer gibt, gibt es auch Gewinner. Und die heissen im stationären Handel: Aldi, Lidl und Denner. Die Food-Discounter erweiterten ihr Filialnetz um über ein Drittel, wobei Lidl prozentual am stärksten zulegen konnte. Dahinter folgen Geschäfte, die Parfums und Körperpflegeprodukte verkaufen, Wohnungseinrichtungshändler sowie Convenience- und Tankstellenshops.

Zwar sind einige neue ausländische Player in den Schweizer Markt eingestiegen, wie zuletzt der österreichische Möbelhändler XXXLutz. Und es sind Handelsketten entstanden für neue Geschäftsbereiche wie Hanf- und Tabak-Ersatzprodukte. «Aber man darf nicht vergessen: Am meisten neue Läden haben Migros und Coop eröffnet», sagt Gfk-Detailhandelsexperte Thomas Hochreutener. Heisst also: «Die Grossen werden grösser, die mittelgrossen Händler haben es schwierig, und Nischenhändler suchen ihre Chance.» In der Schweiz ist die Migros mit einem Umsatz von 14,3 Milliarden Franken nach wie vor die Nummer 1 vor Coop mit 12,8 Milliarden. Auf Gruppenebene, inklusive Auslandgeschäft, hat hingegen Coop die Nase vorn.

Online-Riesen im Anmarsch

Als grösster Online-Gewinner gilt der deutsche Moderiese Zalando. «Er hat es in gerade mal sechs Jahren geschafft, aus dem Nichts zur Nummer 1 im Schweizer Modemarkt aufzusteigen», sagt Hochreutener. «Dies dürfte den Deutschen so schnell niemand nachmachen.»

Allerdings sind bereits die nächsten ausländischen Online-Riesen im Anmarsch. So setzt der US-Händler Amazon hierzulande schon heute – noch ohne Schweizer .ch-Adresse – 450 Millionen Franken um. Dank einer Vereinbarung mit der Schweizerischen Post für eine einfachere Verzollung dürfte dieser Wert weiter ansteigen. Und auch die Konkurrenz aus Fernost werde grösser, sagt Hochreutener mit Blick auf den Onlinegiganten Alibaba. Dessen Shop Aliexpress bringt es heute in der Schweiz zwar erst auf 130 Millionen Franken, nicht zuletzt wegen der langen Lieferzeiten. «Doch die Chinesen bauen in ganz Europa Logistikzentren», sagt Hochreutener. «Da ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch Alibaba in wenigen Tagen oder sogar noch am selben Tag die Ware in den Briefkasten liefert.»

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