Einen solch grossen Jackpot hat in der Pharmaindustrie niemand zuvor geknackt. Roche hat mit seinen drei wichtigsten Krebsmedikamenten bislang einen Umsatz von über 270 Milliarden Franken erzielt. Sie heissen Mabthera, Herceptin und Avastin. Was Ende der 90er-Jahre mit Umsätzen von unter 800 Millionen Franken begann, erreichte im Spitzenjahr 2017 einen Wert von über 21 Milliarden Franken. Seit der Lancierung des ersten der drei Präparate Ende 1997 erzielte Roche im Schnitt Verkäufe von 11,8 Milliarden Franken – pro Jahr.

Nun erwächst den drei Medikamenten nach Europa auch in den USA Konkurrenz durch Nachahmerpräparate. Die Vereinigten Staaten sind mit Abstand der wichtigste Markt für die Pharmaindustrie, insbesondere auch für Roche. Doch obwohl bereits mehrere Kopien von den Behörden zugelassen wurden, geht es der Troika von Roche nicht so rasch an den Kragen. Dafür sorgen die Gesetze in den USA: Will ein Unternehmen ein Nachahmerpräparat lancieren, so hat der Originalhersteller gleich zweimal die Möglichkeit, zu prozessieren. Die US-Biotechfirma Amgen hat sich entschieden, ihre Kopie von Herceptin und Avastin ohne gerichtliche Einigung zu lancieren. Die Firma geht jedoch das Risiko ein, dass sie die erzielten Gewinne an Roche zurückzuzahlen muss.

Amgen hat die beiden Nachahmerpräparate mit einem bescheidenen Rabatt von 15 Prozent lanciert. Tiefer mussten die Amerikaner nicht gehen, weil sie derzeit die einzigen Konkurrenten von Roche sind. Die anderen Firmen haben sich entschieden, den ordentlichen Rechtsweg zu beschreiten und sich mit den Baslern auf ein Einführungsdatum zu einigen.

Zumindest in diesem Jahr wird sich die Konkurrenz der drei Roche-Superstars noch nicht stark auf die Zahlen des Basler Pharmakonzerns auswirken. Wie dies nächstes Jahr aussieht, hängt davon ab, ob weitere Hersteller mit Nachahmern auf den Markt kommen.

Teuerste Übernahme in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte

Roche hat die drei Medikamente nicht selber entwickelt. Die Troika stammt aus den Labors der US-Biotechfirma Genentech. An dieser hat sich Roche unter Führung des damaligen Präsidenten Fritz Gerber erstmals im Jahr 1990 beteiligt. Für den visionären Schritt hätte der heute 90-Jährige ein Denkmal verdient. Damals kamen die Basler für 2,1 Milliarden Dollar zu einem Anteil von 60 Prozent an der Firma mit Sitz in San Francisco. Als Roche 19 Jahre später zur vollständigen Übernahme ansetzte, kostete dies 52,7 Milliarden Franken. Der Grund: Die drei Kassenschlager spülten bereits damals einen Jahresumsatz von 17,6 Milliarden Franken in die Kasse. Der vollständige Zugriff auf die drei Medikamente war einer der wichtigsten Gründe für die Übernahme.

Roche verdankt den drei Superstars sehr viel. Laut Experten verbleibt nach Abzug der Herstellkosten rund 50 bis 60 Prozent der Verkäufe als Bruttogewinn. Wie hoch die Forschungs- und Entwicklungskosten waren, sagt Roche nicht. Somit lässt sich auch nicht sagen, wie viel Geld der Konzern mit den drei Mitteln effektiv verdient hat. Ein Hinweis gibt die Marge auf Stufe Betriebsgewinn der Pharmasparte. Sie beträgt nicht zuletzt dank der Troika derzeit 42 Prozent.

Roche hält auf Anfrage fest, dass Herceptin und Mabthera essenzielle Medikamente in der Krebstherapie seien, die es erstmals ermöglicht hätten, aggressive Krebsarten zu heilen. «Beide Präparate haben ein hervorragendes Kosten-Nutzen-Verhältnis», sagt eine Sprecherin. Avastin habe bei einer ganzen Reihe von schwer behandelbaren Krebsarten eine deutliche Verlängerung des Gesamt- und progressionsfreien Überlebens gezeigt.

Dividende hat sich in 20 Jahren verzehnfacht

Die Entwicklung neuer Medikamente sei ein extrem zeitaufwendiger und kostspieliger Prozess, sagt die Sprecherin. Die überwiegende Mehrheit von Wirkstoffen scheitere in der Entwicklung. «Die Gewinne ermöglichen es uns, in die Erforschung und Entwicklung neuer Medikamente zu investieren.» Im letzten Jahr habe Roche 11 Milliarden dafür investiert.

Interessant in diesem Zusammenhang ist die Entwicklung der Dividende in den letzten 20 Jahren. Sie hat sich zwischen 1998 und heute verzehnfacht, was auch die Erbenfamilien Hoffmann und Oeri freut. Sie besitzen gut 9 Prozent des Kapitals von Roche, was ihnen dieses Jahr eine Dividende von 697 Millionen Franken eintrug. Natürlich stammt dieses Geld nicht nur von den drei Präparaten, sie steuern jedoch ein Drittel zum Konzernumsatz bei.