Jedes Mal, wenn Raluca Dan nach Rosia Montana durch das Apuseni-Gebirge fährt, freut sie sich über die idyllische Landschaft. «Fast nirgends in Rumänien ist die Natur so unberührt wie hier», sagt die Aktivistin.

Jedes Mal, wenn sie wieder im 3500-Seelen-Dorf ankommt, ändert sich ihre Stimmung schlagartig. Es sei schmerzhaft zu sehen, dass eine Gemeinde derart in zwei Lager zerrissen lebe, sagt sie. «Und das alles nur wegen einer Firma.» Nachdenklich schüttelt Dan den Kopf und streicht sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Die 26-Jährige ist Mitglied der Kampagne «Save Rosia Montana», die eine Wiederaufnahme des Goldabbaus mit Zyanid-Laugung im Dorf verhindern will.

Seit 2000 Jahren wird im Muntii- Metaliferi-Gebirge Gold geschürft. Heute steht der Goldbergbau in Rosia Montana still. Die kanadische Bergbaugesellschaft Gabriel Resources bemüht sich seit 1997 darum, den Betrieb des Tagebaus zu übernehmen. Die Kanadier halten 80 Prozent des Gemeinschaftsunternehmens Rosia Montana Gold Corporation (RMGC). Die anderen 20 Prozent liegen bei der staatlichen rumänischen Minengesellschaft Minvest. Käme das Projekt in Rosia Montana zustande, würde Europas grösstes Abbaugebiet entstehen.

Berge würden flach gemacht

Gegen das Vorhaben von RMGC wird heftig gekämpft. Vor allem die vorgesehene Zyanid-Laugung zur Gewinnung des Goldes stösst der rumänischen Bevölkerung sauer auf. Zu präsent sind die Erinnerungen an den Dammbruch im Goldbergwerk in Baia Mare im Jahr 2000. Das ausgeflossene Zyanid verursachte damals die schwerste Umweltkatastrophe Mitteleuropas nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Zudem würde die Inbetriebnahme der Mine das Gesicht von Rosia Montana und der ganzen Umgebung massgeblich verändern. Einerseits müssten rund 800 Häuser abgerissen werden und deren Bewohner umsiedeln. Andererseits würden für die Goldgewinnung die umliegenden Berge gesprengt, dem Erdboden gleichgemacht.

Seit dem rasant gestiegenen Goldpreis kann RMGC auf die Unterstützung des rumänischen Staats zählen. Rumänien, das 2009 mit einem internationalen Notkredit gerettet werden musste, würde von dem Erlös des Bergbauwerks profitieren. Schätzungen zufolge stecken in den Böden der Berge von Rosia Montana 300 Tonnen Gold. Beim heutigen Goldpreis entspräche das einem Wert von rund 12,3 Milliarden Franken.

Seit vier Jahren setzt sich Raluca Dan gegen das Minenprojekt in Rosia Montana ein. Zusammen mit 16 rumänischen Kollegen ist sie in diesen Tagen zu Besuch in der Schweiz. Grund ist das Europäische Gold Forum, ein Ableger des Denver Gold Forum, wo sich die wichtigsten Vertreter der Gold- und Edelmetallbranche der Welt treffen.

Unter den 111 Explorations- und Produktionsunternehmern befindet sich auch Gabriel Resources, der Beweggrund für Dans Reise nach Zürich. Tim Wood, Geschäftsführer der Denver Gold Group, die den Anlass in Zürich organisiert, sagt: «Am Forum haben europäische Investoren die Möglichkeit, Vertreter der Minen-Firmen zu treffen. Dort werden sie über die neusten Entwicklungen der jeweiligen Projekte informiert.»

Widerstand der Landbesitzer

Dan und ihre Kollegen von «Save Rosia Montana» wissen, dass Gabriel Resources auf der Suche nach Investoren für ihr Projekt ist. Sie sagt: «Gabriel Resources vermittelt den Eindruck, dass die Mine kurz vor der Inbetriebnahme ist. Wir möchten Schweizer Investoren darauf aufmerksam machen, dass dem nicht so ist und das Vorhaben umstritten ist.» Die grösste Hürde, die RMGC noch zu nehmen hat, ist die Genehmigung des rumänischen Umweltministeriums. Danach muss das Unternehmen die Häuser und Parzellen, die sich auf dem geplanten Gebiet des Bauwerks befinden, aufkaufen. Dan ist sich sicher, dass die Projektgegner bei ihrer Meinung bleiben werden, auch wenn die Minenbetreiber mit Geld locken sollten: «Es gibt genug Leute, die ihre Häuser niemals verkaufen.»