Frankenstärke

Das Geheimnis der Nationalbank: Währungskorb statt Eurountergrenze

Hat die Nationalbank einen Währungskorb eingeführt?

Hat die Nationalbank einen Währungskorb eingeführt?

Analysten der Credit Suisse gehen davon aus, dass die Nationalbank eine neue Form von Mindestkurs eingeführt hat. Diese funktioniert auf der Basis eines Währungskorbs.

Laut eines Berichts der Zeitung „Schweiz am Sonntag“ hat die Schweizerische Nationalbank eine neue Kursuntergrenze eingeführt. Dabei handelt es sich um keine klassische Kursuntergrenze wie den Mindesteurokurs, den die SNB bis zum 15. Januar aufrechthielt, sondern um eine Grenze, die auf einem Währungskorb basiert. Die Zeitung zitiert dabei aus einer unveröffentlichten Studie der Investmentbanking- Einheit der Credit Suisse.

Die CS-Analysten gehen davon aus, dass die Nationalbank eine interne Schmerzgrenze («pain threshold») definiert hat, unter der sie keine Kurse akzeptiert. Um diese Schmerzgrenze zu ermitteln, haben die CS-Währungsspezialisten die wöchentlichen Angaben zu den Giroguthaben mit der Kursentwicklung verschiedener Währungspaare verglichen, insbesondere jene vom Euro zum Franken und vom Dollar zum Franken.

Die Schlüsse, die die Autoren aus der Analyse ziehen, würden laut „Schweiz am Sonntag“ ein völlig neues Bild auf die Geldpolitik der SNB werfen. Die Währungsspezialisten sind zur Überzeugung gelangt, dass die Schmerzgrenze der Nationalbank nicht nur gegenüber dem Euro, sondern mit aller Wahrscheinlichkeit auch gegenüber dem Dollar besteht.

Die Autoren schreiben in der Studie: «Wir vermuten, dass sich die Schmerzgrenze neben dem Euro-Franken auch aus Elementen des Währungspaares Dollar-Franken besteht.» Mit anderen Worten: Die CS-Autoren legen nahe, dass die Nationalbank bereits klammheimlich einen Währungskorb eingeführt hat. Der Währungskorb soll laut CS auf einem Mittelkurs basieren, der sich aus 80 Prozent Euro und 20 Prozent Dollar zusammensetzt.

Führende Ökonomen haben immer wieder die Einführung eines Währungskorbes empfohlen. So etwa die beiden grossen Geldtheoretiker Ernst Baltensberger von der Universität Bern und Peter Bernholz von der Uni Basel. Treffen die Vermutungen der CS-Währungsspezialisten zu, haben sie eines der am strengsten gehüteten Geheimnisse der Schweizer Geldpolitik gelüftet. Die Autoren schreiben, dass ihre Annahmen mit Vorsicht zu geniessen seien und dass sich die Interventionspolitik der Nationalbank aufgrund der Marktentwicklung wieder verändern könne. So sei es sehr gut möglich, dass die SNB temporär «taktisch» interveniere, um Franken zu schwächen.

Die SNB wollte sich laut „Schweiz am Sonntag“ nicht zu den Ergebnissen der CS-Studie äussern. Im Hinblick auf eine weitere Verschärfung der Griechenland-Krise gehen die CS-Autoren zudem davon aus, dass die SNB die Zinsen nochmals absenken könnte. Tut sie dies, muss sie damit rechnen, dass Anleger ihre Gelder von den Banken abheben und als Bargeld horten.

Um zu verhindern, dass dies im grossen Stil geschieht, könnte die SNB zu «innovativen Mitteln» greifen und Gebühren auf Cash-Bezüge einführen. Dafür hätte sie wohl die rechtliche Grundlage, heisst es in der Studie. Ein weiteres Mittel, die Geldpolitik durchzusetzen, sei die Freigrenze für Banken zu senken. Diese müssten dann auf kleineren Beträgen Negativzinsen der SNB abliefern, beziehungsweise diese den Kunden belasten.

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