Geldpolitik
Das Ende des billigen Geldes naht – was bedeutet das für Anleger?

Die Stimmung an den Börsen hat gekippt. Eine neue Geldpolitik zeichnet sich am Horizont ab. Die grosse Frage, die sich nun stellt, lautet: Was heisst das für die Anleger?

Andreas Schaffner
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Kommt es bald zu einer geldpolitischen Wende auch in Europa? Im Bild: Die Europäische Zentralbank in Frankfurt.

Kommt es bald zu einer geldpolitischen Wende auch in Europa? Im Bild: Die Europäische Zentralbank in Frankfurt.

REUTERS

Die Eurorettung ist noch im vollen Gang. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die nationalen Euro-Notenbanken erwerben monatlich Staatsanleihen und andere Wertpapiere für rund 60 Milliarden Euro. Das Programm soll dazu führen, dass der Euro verbilligt wird. Es dauert noch bis Ende Dezember und kostet 2,28 Billionen.

Am 20. Juli könnte in Frankfurt am Hauptsitz der EZB ein Entscheid von grosser Tragweite fallen. Schon seit Tagen senden Notenbanker in Europa Signale, dass ein Ende der gigantischen Anleihen-Ankäufe bevorstehen könnte.

Die US-Notenbank, das Fed, hat die Leitzinsen dreimal erhöht und Pläne zur Verkürzung ihrer Bilanz vorgelegt. «Neben dem Signal der EZB hat auch die Bank of England (BoE) Signale in Richtung Zurückfahren der ultraexpansiven Geldpolitik gesendet. Marktteilnehmer könnten in der Kommunikation vom Fed, EZB, BoE eine koordinierte Kehrtwende der expansiven Geldpolitik sehen», meint Manuel Ferreira, Leiter der Anlagestrategie der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Folgen der Nullzinspolitik

Es liegt also etwas in der Luft. Die Nullzinspolitik hat dazu geführt, dass auf den Sparbüchern kaum noch Zinsen bezahlt werden. Denn die Schweizerische Nationalbank (SNB) musste in der Folge der stetigen Ausweitung der Geldpolitik der EZB den Mindestkurs zum Euro aufheben und Negativzinsen verlangen.

Die Eurokrise scheint ausgestanden. Die Eurozone hat ihre stärkste Wachstumsphase seit langem. Die jüngsten Wahlerfolge der gemässigten Parteien in Europa tragen zur positiven Einschätzung der Lage bei: «Die politischen Risiken, die vor allem zu Jahresbeginn an den Märkten gespielt wurden, haben sich grösstenteils verflüchtigt», schreibt Stefan Kreuzkamp, Chef-Anlagestratege der zur Deutschen Bank gehörenden Deutschen AM.

Potenzial bei Aktien

Die grosse Frage ist jedoch, welche Folgen der Ausstieg aus der Politik des ultrabilligen Geldes bedeutet: für Anleger, für Sparer oder Hausbesitzer. Den Aktienmärkten komme eine wichtige Stütze abhanden, schreibt Thomas Heller, der Anlagechef der Schwyzer Kantonalbank. Die Chance auf deutliche Kursgewinne sei mit Blick auf die hohen Bewertungen gering. Nicht alle sind so vorsichtig: «Unter Anlegern gibt es Anzeichen von wachsendem Appetit nach Aktien, insbesondere in Europa. Deshalb haben wir kürzlich entschieden, unsere positive Einstellung zu Aktien beizubehalten», schreibt der Anlagechef des Vermögensverwalters Swisspartners, Peter Ahluwalia. Auch Paul Jackson, der für den Fondsanbieter Source ETF zuständig ist, sieht bei den Aktien noch Potenzial. Und die ZKB setzt nach wie vor besonders auch auf die Schweiz: «Der Schweizer Markt bleibt aufgrund des defensiven Charakters und des fehlenden Währungsrisikos interessant.»

Bei den Obligationen und Anleihen, hier herrscht unter den angefragten Experten Einigkeit, sei weiterhin Vorsicht angebracht.

Für den Schweizer Hypothekarmarkt ist entscheidend, wann die SNB mit der EZB nachzieht. Hier ist keine rasche Änderung der Geldpolitik zu erwarten. Möglich ist jedoch, dass weniger Devisenkäufe nötig sind.

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