Vor einem Jahr herrschte bei den Banken wegen horrender Verluste Panik, nun machen sie wieder Milliarden. Goldman Sachs, JP Morgan und die Deutsche Bank hatten bereits bekannt gegeben, wie viel Geld sie im dritten Quartal verdient haben. Gestern folgte die CS mit einem Gewinn von 2,4 Mrd. Franken. Das sind Überschüsse wie zu den besten Zeiten vor der Finanzkrise. Ganz anders die Industriefirmen: Viele kämpfen mit Verlusten. Die Banken profitieren von einem günstigen Umfeld, das aber nicht ewig dauern wird.

•Die Konkurrenz ist nicht mehr so heftig wie Anfang 2007, als die hohen Gewinnchancen im Börsenhandel und in der Beratung von grossen Firmen (Investmentbanking) viele Institute anlockten. Grosse Investmentbanken (Lehman) sind untergegangen, andere in Konzernen (Merrill Lynch) aufgegangen, wo sie sich nicht mehr so ungehemmt entfalten können wie vor der Krise. Schliesslich gibt es Banken, die zwar weiter im Geschäft sind, von Kunden aber geschnitten werden, weil sie noch keinen soliden Eindruck machen. Davon profitieren kapitalkräftige Institute wie die CS und Goldman Sachs. Sie teilen sich die guten Geschäfte auf.

•Panikartig haben Investoren amerikanische Hypothekaranleihen im vergangenen Jahr auf den Markt geworfen. Die Folge war ein Kurssturz. Zuletzt aber haben Investoren wieder zaghaft zugegriffen. Die Kurse begannen wieder zu steigen. Wer die Papiere noch hält, profitiert jetzt. Die CS erzielte im dritten Quartal mit Hypothekaranleihen und anderen kompliziert konstruierten Obligationen einen Aufwertungsgewinn von 300 Mio. Franken.

•Diese Papiere waren aus einem zweiten Grund eine sprudelnde Gewinnquelle. Da die Anleger von den Obligationen nichts mehr wissen wollten, schlief der Handel fast ein. Der Markt war wenig liquide. Das heisst auch, dass die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreisen viel höher war als in den Boomzeiten.

•Weniger Banken tummelten sich zwar im Investmentbanking, Arbeit gibt es aber mehr als genug. Im ersten Halbjahr haben Firmen am Kapitalmarkt so viel Geld aufgenommen wie nie (1100 Mrd. Dollar). Einen riesigen Kapitalhunger haben auch die Staaten, die unter hohen Budgetdefiziten ächzen und Konjunkturprogramme finanzieren müssen. Grosse Banken verdienen, indem sie solche Papiere platzieren und handeln.

Die hohen Gewinne der Banken erwecken bei der Öffentlichkeit Argwohn. Politiker und Anleger befürchten, dass die Institute bereits wieder ins alte Fahrwasser geraten sind und hohe Risiken eingehen. Selbstverständlich bestreitet CS-Chef Brady Dougan diesen Vorwurf heftig. Seine Bank tätige längst nicht mehr so viele Geschäfte auf eigene Rechnung wie vor kurzem. «Stattdessen führen unsere Händler in erster Linie Kundenaufträge aus», betont er. Zudem verfolge die Bank viele Geschäfte, sodass das Risiko breit gestreut sei. Verluste könnte die CS dank ihrer soliden Kapitalausstattung verkraften. Die Banken haben aus den Pannen der Finanzkrise bestimmt ihre Lehren gezogen. Die gleichen Fehler werden sie kaum wieder machen, andere wahrscheinlich schon.