Schienenverkehr

Dank dem TGV rückt der Eiffelturm jetzt noch näher

Milliardenprojekt: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bei der Einweihung der neuen TGV-Linie.  KEY

Milliardenprojekt: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bei der Einweihung der neuen TGV-Linie. KEY

Vier Stunden ab Zürich, drei Stunden ab Basel: Reisen aus der Schweiz nach Paris werden dank der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke schneller – aber nicht unbedingt billiger.

Die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke «Rhein–Rhone» zwischen Dijon und Mülhausen ist nur 140 Kilometer lang. Sie eröffnet aber für den ganzen Bahnverkehr Europas neue Perspektiven und ermöglicht auf die Dauer, von der Nordsee ans Mittelmeer mit über 300 Stundenkilometer gemütlich auf Schienen zu reisen.

Die Schweiz hat Anschluss an das neue TGV-Trassee und beteiligte sich deshalb mit 100 Millionen Franken an die Baukosten von schätzungsweise 2,8 Milliarden Franken. Diese Mitfinanzierung sei Teil der Politik, die Schweiz an das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz anzuschliessen, erklärte das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation im September bei der Einweihung durch Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy und Bundesrätin Doris Leuthard.

Von Basel aus fahren die Passagiere über das nahegelegene Mülhausen in nur noch drei Stunden nach Paris, und aus Zürich braucht der TGV vier Stunden in die Seine-Metropole. Andere Städte wie Dijon oder Lyon in Zentralfrankreich oder Marseille und Montpellier im Süden sind von der Schweiz aus ebenfalls schneller und leichter zu erreichen.

Eine halbe Stunde Zeitgewinn

Der neue TGV «Rhin-Rhône» über das Burgund ist für Schweizer Paris-Reisende jetzt gut eine halbe Stunde schneller als der «TGV Est», der seit 2007 über Strassburg fährt. Aus Zürcher oder auch anderer Perspektive betrachtet macht der TGV Rhin-Rhône dem Flugzeug nun ernsthaft Konkurrenz.

Dies vor allem, wenn man in Betracht zieht, wie viel Zeit man in Paris bei der Ankunft im Grossflughafen und der Fahrt in die Innenstadt verliert. Die französische Bahn SNCF kann sich deshalb den Luxus leisten, für die Bahnfahrt zwischen Zürich und Paris teilweise höhere Preise zu verlangen als Swiss, Air France oder Lowcoast-Flieger wie Vueling.

Für Frankreich ist die neue TGV-Linie insofern revolutionär, als sie nicht mehr Paris zum Mittelpunkt hat, sondern vom Rhonetal an die Deutsche und Schweizer Grenze am Rhein führt. Ab nächstem Jahr wird die Linie zudem über Karlsruhe bis nach Frankfurt verlängert; später soll der Anschluss nach Hamburg folgen.

Finanzielle Grenzen des Hochgeschwindgkeitsnetzes

Der TGV Rhin-Rhône zeigt allerdings die finanziellen Grenzen des Hochgeschwindigkeitsnetzes auf. Unter anderem wegen zweier neuer Bahnhöfe in Belfort und Besançon kostete ein einziger Streckenkilometer durchschnittlich 20 Millionen Franken. Das ist nicht nur in Krisenzeiten sehr viel Geld. Dreissig Jahre nach der Einweihung der ersten TGV-Strecke Paris–Lyon im September 1981 verlangsamt sich deshalb der Ausbau des Netzes stark.

Kommerziell bleibt die «Concorde auf Schienen», wie Franzosen gerne sagen, ein voller Erfolg: Täglich transportiert sie Zehntausende von Passagieren über zum Teil mehr als tausend Kilometer – von der spanischen Grenze bis nach Brüssel, von Nizza bis nach London.

Der Zughersteller Alstom hat den TGV schon nach Südkorea, Marokko und Italien verkauft. Angesichts der Konkurrenz hat er nun aber zunehmend Mühe, seine relativ teure Technologie zu exportieren.

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