Selbst wenn sich Daniel Vasella 72 Millionen Franken für das fallen gelassene Konkurrenzverbot ans Bein streichen muss: Er ist wohl der bestverdienende Schweizer Manager. 421 Millionen Franken kassierte er seit 1996. Darauf zahlte er kräftig Steuern und spendete einen zweistelligen Millionenbetrag für wohltätige Zwecke.



Wie viel er bei Novartis kassierte, versteckte er als Präsident des Verwaltungsrats (VR) und CEO von Novartis lange. In den Berichten für die Geschäftsjahre 2002 bis 2010 liess er Steuerwerte für die Aktien und Optionen ausweisen, welche die Top-Shots als Teil ihrer Vergütung erhielten. Dieser Wert liegt deutlich unter dem Marktwert der Wertschriften.

Vasellas Doppelamt vergoldet

Wer den Marktwert der Saläre erfahren wollte, musste selber rechnen. Dies tat Ethos ab 2004 Jahr für Jahr. Die Zahlen der Anlagestiftung zeigten: Der wahre Lohn war doppelt so hoch wie der Ausweis im Geschäftsbericht. Ein Beispiel: 2009 kassierte Vasella gemäss Ethos 42,2 Millionen Franken. Laut Geschäftsbericht waren es 20,5 Millionen.

Dafür war vorbildlich, dass Novartis nicht nur die Bezüge aller VR-, sondern auch aller Mitglieder der Konzernleitung (KL) auflistete. Diese Aufzählung unterstrich, dass sich Vasella das Doppelamt vergolden liess: 2009 erhielten die anderen KL-Mitglieder zwischen 2,7 und 7,6 Millionen - berechnet zu Steuerwerten.

Von 2002 bis 2012 bezog Vasella 316 Millionen Franken. Dazu kommen geschätzte weitere 60 Millionen Franken für die Jahre zuvor. 1996, als sich die Pharmakonzerne Ciba-Geigy und Sandoz zu Novartis zusammenschlossen, kletterte Vasella auf den Chefsessel. 1999 übernahm er auch das Amt des Verwaltungsratspräsidenten, das bis dato Alex Krauer ausgeübt hatte. Der Reputationsexperte Bernhard Bauhofer von der Beratungsfirma Sparring Partners sagt: «Vasella hat seine Macht aufs Äusserste ausgereizt, um für sich das Maximum herauszuholen. Damit hat er seine Gegner auch ganz bewusst provoziert.»

Was bei der Salärdiskussion jedoch meist ausgeblendet wird: Daniel Vasella bezog als CEO und Präsident nur rund drei Millionen Franken in bar. Den Rest seiner Bezüge erhielt er in Form von Tausenden von Optionen und Aktien. Die Zahl seiner Titel stieg stetig. Ende 2012 hielt er gemäss Geschäftsbericht 3,17 Millionen Aktien, die damals einen Wert von 182,3 Millionen Franken hatten. Diese Papiere waren wie diejenigen aller Aktionäre dividendenberechtigt. Insgesamt summieren sich Vasellas Dividendeneinnahmen auf 41 Millionen Franken. Da sehen die Vergütungen, die der Novartis-Chef für die Ausübung von Verwaltungsratsmandaten bei anderen Firmen kassierte, schon beinahe wie ein Trinkgeld aus.

Bescheidene Honorare in den USA

Nur 2002 dürften ihm seine Mandate bei der Credit Suisse, dem Industriegiganten Siemens und dem US-Brausehersteller PepsiCo eine Million Franken eingeschenkt haben. Ab 2003 bis 2009 sass er nur noch im VR von PepsiCo. Danach nahm er auch im Aufsichtsgremium des Augenheilmittel-Herstellers Alcon Einsitz, den sich Novartis scheibchenweise einverleibt hat. Seit letztem Sommer ist Vasella VR-Mitglied bei der Kreditkarten-Firma American Express. Im Gegensatz zu Novartis offerieren die Amerikaner nicht operativ tätigen Verwaltungsräte bescheidene Honorare. Vasella bezog bei PepsiCo 250 000 bis 300 000 Dollar pro Jahr.

Dennoch wünschte sich auch Vasella die Erfüllung des amerikanischen Traums vom grossen Reibach nach dem Abgang. Im Geschäftsbericht 2007 findet sich der Hinweis, dass sein Arbeitsvertrag «entweder eine Abfindungszahlung von 53 Millionen Dollar» oder «eine Zahlung im Falle eines Kontrollwechsels von 132 Millionen Dollar» vorsehe. Ein Jahr später waren es 57 respektive 142 Millionen Dollar. Derartige Klauseln sind nicht nur hierzulande verpönt.

Als dann 2010 Vasella das Doppelamt aufgab und sich auf das Präsidium beschränkte, erhielt er einen neuen Vertrag. Sein Verwaltungsrat nickte «eine marktgerechte Vergütung» für die «Beachtung des Konkurrenzverbots» ab. Er sollte Geld erhalten, wenn er nicht zu einem Konkurrenten wechselt. Unter dem Deckel blieb bis vor einer Woche, dass Vasella sechs Jahre lang 12 Millionen Franken kassieren könne. Fürs Nichtstun. Das klappte nicht.