Hotelplan Suisse lädt jedes Jahr einige Journalisten zu einem 24-stündigen Kurztrip ein. Vor dem Abflug wird jeweils über das aktuelle Geschäftsjahr und das Winterprogramm informiert. Unterwegs bietet sich den Pressevertretern dann Gelegenheit, die Mitglieder der Geschäftsleitung des Schweizer Reiseveranstalters in einem ungezwungeneren Rahmen kennen zu lernen.

Anfang Woche war es wieder so weit. Für Daniel Bühlmann war es die erste Pressereise als Chef von Hotelplan Suisse, und sein Debüt wurde gleich zur Zitterpartie. Wegen des Brexit war lange unklar, ob die Reise auch wirklich nach Belfast gehen konnte. «Im schlimmsten Fall hätten wir halt kurzfristig die Reisepläne geändert. So flexibel sind wir», sagt Bühlmann und lächelt verschmitzt.

Das Wissen um die Schwachstellen

Daniel Bühlmann bringt so schnell nichts aus der Fassung. Das war auch im vergangenen Sommer der Fall, als man ihn bat, er möge neben seiner Funktion als Finanzchef vorübergehend auch noch den Posten als Geschäftsführer bekleiden. Das war an einem Dienstag. Der Schweizer Reiseanbieter hatte sich gerade von Kurt Eberhard, dem bisherigen Chef, getrennt – wegen «unterschiedlicher Ansichten zur strategischen Ausrichtung», wie es offiziell hiess. Bühlmann war über die Anfrage zwar ein wenig überrascht, weil «ich diese Funktion nicht angestrebt habe», wie er im Gespräch gesteht. Aber lange brauchte er nicht, um sich Gedanken zu machen. Eine Nacht genügte und dann sagte er zu. Das war am Mittwoch, und am Donnerstag sass er bereits auf dem Chefsessel, war CEO, wobei die Bezeichnung im Falle Bühlmann nicht ganz richtig ist. Offiziell ist er COO, Chief Operating Officer, als Manager, der das operative Geschäft leitet. «Als Finanzchef wusste ich, wo unsere Schwachstellen sind, was wir verbessern müssen», sagt Bühlmann.

Der 61-Jährige stammt aus dem Langenthal und ist seit elf Jahren Finanzchef bei Hotelplan Suisse. Davor war Bühlmann bereits 15 Jahre bei Kuoni in der gleichen Funktion tätig. Und er wäre es wohl noch länger geblieben, wenn nicht immer mehr Wolken über dem einstigen Primus der Schweizer Reisebranche aufgezogen wären.

Der passionierte Rennvelofahrer – er absolviert zwischen 8000 und 10'000 Kilometer im Jahr – wirkt unscheinbar und kann gerade deswegen unterschätzt werden. Dies wäre ein Fehler. Bü, wie er intern genannt wird, kann sehr fordernd sein, wie Weggefährten berichten. «Mit ihm legt man sich am besten nicht an», sagt einer, der namentlich nicht genannt werden will. Bühlmann hatte schon seit jeher nicht nur die Zahlen im Griff. Durch seine langjährige Tätigkeit in der Reisebranche weiss er gut, was funktioniert und was nicht. «Daniel Bühlmann ist Touristiker durch und durch», sagt Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Reise-Verbandes.

Neue Verträge, weniger Risiken

Es dauert denn auch nicht lange, bis er nach seiner Beförderung zum COO zur Tat schritt. Als Erstes liess er sämtliche Verträge mit den Badedestinationen neu aushandeln und die Flugkontingente, sprich Risiken, minimieren. Die neuen Verträge erlauben es Hotelplan Suisse gerade im margenschwachen Badeferiengeschäft, mit besseren Preisen zu operieren. Und mit dem Abbau der Flugkontingente spart das Unternehmen Geld, da weniger Risikoplätze verkauft werden müssen und die Preise seit einigen Jahren entsprechend tief sind. All dies konnte nicht verhindern, dass Hotelplan Suisse im Sommergeschäft 4 Prozent hinter dem Vorjahr liegt, für das gesamte Geschäftsjahr beträgt das Minus derzeit 2 Prozent.

Damit befindet sich Hotelplan Suisse in guter Gesellschaft. Das Geschäft will dieses Jahr einfach nicht richtig auf Touren kommen. Die Schweizerinnen und Schweizer buchen sehr verhalten. In der Branche spricht man von Krise, Bühlmann von einem Buchungsstau, und er ist überzeugt, dass sein Unternehmen im Oktober, wenn das Geschäftsjahr bei Hotelplan Suisse endet, zu den Gewinnern gehören wird. «Wir werden auf jeden Fall schwarze Zahlen schreiben», betont er. Es zeichne sich eine Entspannung ab. Zudem stehen ja noch die Herbstferien vor der Tür. Es wäre nicht das erste Mal, dass der Herbst den Reiseveranstaltern ihr Geschäft retten würde.

Zwischenspiel als COO dauert länger

Man hatte Bühlmann als Übergangslösung präsentiert. Er sollte so lange die Geschäfte leiten, bis man einen neuen CEO gefunden hat. So hatte das Hotelplan-Group-CEO Thomas Stirnimann in der Vergangenheit mehrmals betont. Nun zeichnet sich ab, dass man es bei der Hotelplan-Gruppe mit der Suche nach einem neuen CEO nicht eilig hat. «Ich rechne damit, dass ich noch zwei bis vier Jahre bleiben werde», sagt Bühlmann auf dem Flug zurück von Belfast. Als Lückenbüsser sieht er sich nicht. Im Gegenteil. Er betrachtet dies als Chance, das Unternehmen vorwärtszubringen.

Mit grundlegenden Neuerungen ist dabei nicht zu rechnen. Bühlmann will zu Ende führen, was bereits aufgegleist ist. Dazu gehört insbesondere der Ausbau des Sportbereichs. Heliskiing, Langlauf- und Bike-Ferien sowie Marathon-Reisen – Hotelplan will mit Aktivferien mehr Geld verdienen. Dazu wurde vor fast zwei Jahren Kenny Prevost geholt, der dieses Geschäft schon beim Konkurrenten Knecht-Reisen verantwortet hatte.

Zudem hat sich die Migros-Tochter eine ganze Reihe an Botschaftern ins Boot geholt, etwa die ehemaligen Ski-Stars Dani Mahrer und Didier Cuche. Ein nicht billiges Unterfangen. «Sie verleihen unserem Engagement zusätzliche Glaubwürdigkeit. Zudem können wir mit ihnen unser fachliches Wissen weiter ausbauen», kontert Bühlmann.

Wie gut das Angebot im Markt ankommt, lässt sich als Aussenstehender schwerlich beurteilen. Mit Zahlen geizt man nicht nur bei Hotelplan Suisse, zu gross ist die Angst, dass einem die Konkurrenz in die Karten blicken könnte. Laut Bühlmann verzeichnet Hotelplan Suisse mit den Aktivferien ein Wachstum, wenn auch noch auf bescheidenem Niveau. «Aber wir sind da, wo wir sein wollten», betont er. Das Potenzial ist seiner Ansicht nach allerdings noch nicht ausgeschöpft: «Das Bedürfnis, sich in den Ferien aktiv zu betätigen, nimmt zu. Der Fokus darf aber nicht auf der Leistung, sondern mit dem Vergnügen liegen», sagt er. Das Aufwärmprogramm hat Hotelplan Suisse also bereits hinter sich, jetzt steht das Aufbautraining an.

Mehr Power ist auch in einem ganz anderem Bereich gefordert: dem Geschäft mit nachhaltigen Reisen. Seitdem immer mehr Menschen für den Klimaschutz auf die Strasse gehen, gewinnt das Thema in der Branche stark an Bedeutung. Bühlmann will aber noch nicht von einem Trend sprechen. «Das werden wir erst in ein paar Jahren wirklich beurteilen können», fügt er an. Bühlmann fehlt es an verlässlichen Zahlen. Und jene, die vorliegen, lassen nicht auf einen Trend schliessen. Hotelplan Suisse weist sämtliche Kunden in den Reisebüros auf die Möglichkeit von Klimakompensation hin, so ist die Bereitschaft dazu etwas gestiegen. Jeder vierte Kunde im Reisebüro zahlt freiwillig ein wenig mehr für den Klimaschutz, jedoch meist aber nicht so viel, wie sie eigentlich könnten. Der durchschnittliche Betrag beläuft sich auf gerade mal 20 Franken. Noch durchzogener sieht es bei Online-Buchungen aus. Hier werden gerade mal 1 Prozent aller gebuchten Reisen klimakompensiert.

Man merkt im Gespräch: Bühlmann kann der Klimadiskussion wenig abgewinnen. Trotzdem hat er sein Team angehalten, das Portfolio zu überarbeiten und mehr Zugreisen anzubieten – unter anderem bietet Hotelplan neu die Broschüre «Nachhaltiges Reisen» für Ferien mit dem Zug an. Und vielleicht erlebt bei steigernder Nachfrage der «Badeferien-Express» auch wieder ein Revival wie vor 60 Jahren mit dem Badezug nach Rimini.«Unsere Aufgabe ist es aber, in erster Linie Kundenwünsche zu befriedigen», sagt er. Der 61-Jährige denkt eben sehr pragmatisch, nicht nur wenn es um seine Karriere geht.