Schokolade

Daniel Bloch: «Wir wollen nicht einfach ein Fressprodukt liefern»

Daniel Bloch ist seit 1997 Chef des Schokoproduzenten Camille Bloch.

Daniel Bloch ist seit 1997 Chef des Schokoproduzenten Camille Bloch.

Die Schokoladenindustrie will sich neu erfinden und Innovationen fördern. Doch in der Branche geht es nur in kleinen Schritten vorwärts.

Versteckt hinter der südlichsten Jurakette steht im Berner Jura ein Zentrum der Schokoladenindustrie: die Fabrik von Camille Bloch. Daniel Bloch führt das Familienunternehmen in der dritten Generation. Er ist zudem Stiftungsrat der Schweizerischen Stiftung der Kakao- und Schokoladewirtschaft, welche die Innovation im Geschäft mit der Schokolade fördern will. Die Stiftung sucht deshalb in diesem Jahr zum ersten Mal besonders originelle Projekte rund um Schokolade. Im Herbst sollen die besten Neuentwicklungen einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden.

Die Schokoladenindustrie sucht nach Innovationen. Gibt es überhaupt noch Neues zu entwickeln in dieser traditionellen Branche?

Daniel Bloch: Ja, Neues wird es immer geben. Doch es sind vielmehr die kleinen Dinge, welche Innovation ausmachen. Der Schokoladenkonsument bevorzugt traditionelle Dinge. Der Markt reagiert nicht so schnell, wie andere.

Man hat also länger Zeit, um neue Produkte zu entwickeln?

Das stimmt. Jedoch darf das nicht als Ausrede gelten, nichts zu machen.

Ragusa wird von Camille Bloch hergestellt.

Ragusa wird von Camille Bloch hergestellt.

Ihre Firma, Camille Bloch, ist vor allem bekannt für Evergreens wie Ragusa und Torino. Welches neue Produkt hat Camille Bloch als letztes auf den Markt gebracht?

Die letzte Innovation haben wir im Herbst rausgebracht. Die Torino La Piazza Pralinen laden zum Teilen ein. Wir haben deshalb nach einer ansprechenden und innovativen Verpackung gesucht und arbeiteten eng mit einem Partner aus der Verpackungsindustrie zusammen.

Eine Weiterentwicklung eines beliebten Produktes also. In welche Richtung geht die Entwicklung sonst?

Neben kleineren Portionen setzen wir vermehrt auf Individualisierung, die einen Mehrwert für den Konsumenten bringt.

Individualisierte Schokolade?

Wir haben eine Maschine entwickelt, mit dem individuelle Schriftzüge in die Schokolade eingearbeitet werden können. Das ist aber nur ein kleines Beispiel. Auch haben wir — über 7 Jahre lang — an einem Verfahren für das Schneiden der Ragusa-Riegel gearbeitet, damit der Konsument weniger Schoggi-Krümel in der Verpackung findet. Für den Kunden ist dies nur ein kleiner Mehrwert, aber für uns sehr wichtig.

PR: Einweihung des neuen Besucherzentrums von Camille Bloch

Einweihung des neuen Besucherzentrums von Camille Bloch im Oktober 2017

Kleine Schritte also. Wie reagiert man auf grössere Trends, wie etwa den hin zu einem gesünderen Lebensstil?

Das spüren wir tatsächlich. Wir stellen deshalb, wie erwähnt, vermehrt kleinere Formate her. Es wird nicht weniger Schokolade gegessen, sondern nur in kleineren Portionen.

Wenn Rezepte geändert werden, um den Zuckergehalt zu senken, kommt dies bei den Schweizern nicht nur gut an.

Wir wollen unsere Konsumenten nicht belehren. Wir leben in einer Überflussgesellschaft und jeder muss lernen, damit umzugehen. Wir nehmen als Firma unsere Verantwortung wahr.

Was macht denn Camille Bloch konkret?

Wir sind zurückhaltend bei der Bewerbung von Preis- und Mengenpromotionen. Wir wollen nicht einfach ein Fressprodukt liefern. Nicht jeder Mensch kann mit dem Überfluss umgehen, weder bei Genussmitteln noch anderen Angeboten.

Dann macht es Sinn, den Zuckergehalt zu senken?

Sehen Sie, immer wieder werden neue Rohstoffe verteufelt. Mal waren es die Fette, die Milch, der Zucker. Wichtig ist, dass wir transparent sind und den Konsumenten mitteilen, was in unseren Produkten drin ist. Und woher die Rohstoffe kommen.

Die Konsumenten müssen Ihnen vertrauen?

Ja, sie sollten uns vertrauen dürfen. Und wir müssen dazu Sorge tragen. Denn das Vertrauen kann schnell geritzt werden.

Eine Zuckersteuer, wie in anderen Ländern angedacht, oder bereits eingeführt, würde vielleicht etwas bringen, um den Exzess zu beschränken.

Das glaube ich nicht. Wenn ein Rohstoff besteuert wird, werden alle bestraft, auch die, die Mass halten. Daher ist die Transparenz so wichtig.

Würden Labels Transparenz schaffen?

Nicht unbedingt. Wir haben heute bereits sehr viel, was wir auf die Produkte drucken müssen. Etwa muss klar gekennzeichnet sein, welche Art von Fett in der Schokolade ist. Zu viel Information kann auch verwirren.

Dafür gäbe es volle Transparenz.

Wir können nicht alles deklarieren. Der Konsument muss vertrauen können, dass wir die Qualität liefern, für die wir stehen.

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