Bier

Damit die Tanks nie geleert werden

Alex Künzle hat den Sommer hindurch in seiner Öufi-Brauerei alle Hände voll zu tun.

Auf Achse

Alex Künzle hat den Sommer hindurch in seiner Öufi-Brauerei alle Hände voll zu tun.

In diesen heissen Wochen hat Öufi-Brauer Alex Künzle Stress: Ist doch die Nachfrage nach seinem Gerstensaft rund doppelt so hoch wie im Winter. In den ersten Jahren konnte es ab und an sogar zu Liefer-Engpässen kommen. Doch heute ist die Solothurner Kleinbrauerei gegen den grossen Durst gut gewappnet.

Wolfgang Wagmann

«Mangels Bier heute geschlossen», dieser Satz, angeschlagen auf einem Kartonplättchen an der Braui-Beiz, war der Albtraum von Öufi-Brauer Alex Künzle. Passiert im Sommer vor einigen Jahren. «Ich war Anfang Juni in Irland in den Ferien. Da erhielt ich einen Anruf: Chef, wir haben kein Bier mehr.» Was so nicht stimmt: Bier gabs schon noch in den Kellertanks an der Fabrikstrasse. Aber noch kein trinkbares. «Am Anfang waren wir manchmal etwas überfordert», erinnert sich der Brauereibesitzer. «Da wir uns ans Reinheitsgebot halten, lagern wir unsere Biere sechs Wochen, ehe sie in den Verkauf kommen», erklärt Künzle. Da hätten es die Belgier beispielsweise einfacher: «Sie kümmern sich nicht ums Reinheitsgebot und ersparen sich die Lagerzeit mit dem Zusetzen von Zucker. So was wäre bei uns undenkbar.»

Doch Alex Künzle musste handeln, und so rüstete er auf: Heute verfügt er über die dreifache Tankkapazität gegenüber dem Startjahr 2000 (vgl. Kasten). «Doch noch wichtiger ist, dass wir heute einen vollamtlichen Braumeister haben. Damit wurde das Brauen optimiert, und jeder Sud gibt heute mehr aus als noch vor einigen Jahren.»

Der Faktor Hafebar

«Mit dem Märet-Fescht-Wochenende Ende Juni wird jeweils der Saisonhöhepunkt erreicht», weiss Alex Künzle aus Erfahrung. So richtig lanciert ist die «Bier-Hochsaison» schon mit den Biertagen in der Reithalle Ende April, «dann zieht sich das Ganze nahtlos durch den Mai und Juni weiter.» Einen kleinen Einbruch gibts allerdings mit dem Beginn der Sommerferien. «Am zweiten Juliwochenende hatten wir kein einziges Fest in der Region.»

Trotzdem sei die Stadt im Gegensatz zu früher in der Ferienzeit längst nicht mehr ausgestorben, und wenn Petrus den Schalter auf «heiss» umlegt, brummt vor allem die «Aare-Meile» von Solothurn. «1500 Liter oder 5000 Stangen gehen in einer schönen Sommerwoche allein über den Tresen der Hafebar», weiss der Öufi-Lieferant aus jahrelanger Erfahrung. Im August zieht die Bier-Nachfrage nochmals massiv an, «und erst in den Herbstferien entspannt sich die Bierfront».

Deshalb müsse die Produktion in den Sommermonaten voll und ganz «verha», so Künzle. «In den Wintermonaten bleibt manchmal ein Tank einige Wochen leer. Im Sommer wird er in einem Tag gereinigt und gleich wieder mit einem Sud gefüllt.»

Wer gerne was trinkt

Etwa 50 Prozent des Öufi-Bierausstosses gehen in externe Restaurants, 40 Prozent als Flaschenbier – wobei das Lager nach Öufi-Rezeptur in der Berner Brauerei Felsenau gebraut wird – in den Getränkehandel, der Rest rinnt aus den Zapfhahnen der Brauerei-Beiz. Und das sind auch die interessanten 10 Prozent, denn hier findet der Bierliebhaber und -kenner seine Spezialitäten. «Standards waren zu Beginn das helle Lager und das dunkle Orbi.

Seit drei Jahren führen wir auf den Wunsch vieler Gäste ständig Weizenbier, obwohl es für mich eigentlich ein reines Sommerbier ist», meint Alex Künzle. Druck mache aber auch die ständig wachsende «Bock-Fraktion» unter den Gästen, die nach dem Starkbier verlangten. Doch sind die Bockbiere – darunter auch der kräftige Weizenbock – wie das Chlause- oder Fastenbier, das Märzen oder das Zytigsbier saisonale Spezialitäten geblieben. «Wir führen in der Regel neben den drei Standards zwei Saisonbiere. Fünf verschiedene Biere sind für eine Schweizer Beiz nicht schlecht, denn mit mehr Sorten stossen wir wegen der Zapfhahnen an Grenzen», betont Künzle.

Ausserhalb der Öufi-Beiz kann der Brauer fast nur Lager verkaufen, «die meisten Restaurants haben bloss einen Zapfhahnen, und nur eine Biersorte verkaufen ist das Einfachste.» Anders siehts in der Öufi-Beiz selbst aus: Da bevorzugen nur 60 Prozent der Gäste Lager, auf je 15 Prozent bringen es das dunkle Orbi und das Weizen- oder Weissbier; der Rest traut sich ins Reich der Spezialitäten. So hat Künzle derzeit ein obergäriges Kölsch, ein fruchtiges «47-öuf» mit einer frischen Kiwi-Zitrus-Note im Programm. «Das haben wir mit einem speziellen Cascade-Hopfen gebraut», verrät er einen «Trick» seines Braumeisters.

Fest in Familienhand

Der 58-jährige Alex Künzle, der sein Metier im Getränkehandel gelernt hat, hofft, dass sein «Öufi» noch länger als die zehn Jahre des aktuellen Mietvertrags an der Fabrikstrasse floriert, auch wenn neue Nutzungspläne fürs gesamte ehemalige Fabrikareal gewälzt werden.

Denn die Familie Künzle ist durchaus «bierselig»: Mutter Barbara hilft ebenso in der Brauerei mit wie die eine Tochter Louise im Service oder Sohn Florian im Keller bei den Lagertanks. Gar kurz vor der Meisterprüfung an der Bierakademie Doemens in München steht Junior Moritz Künzle. Und bereits im Visier hat Senior Alex das erste Öufi-Firmenjubiläum am 1. 11. 2011: «Dafür haben wir schon die Kulturfabrik Kofmehl reserviert.»

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