Auch die CS reiht sich in den Reigen der zahlreichen europäischen Banken ein, die ihren Aktionären in den letzten Wochen und Monaten teilweise grosse Kapitalspritzen abnötigen mussten. Zeitgleich mit der Veröffentlichung der Zahlen zum ersten Quartal gab der Verwaltungsrat gestern die Absicht bekannt, die Eigentümer anlässlich einer ausserordentlichen Generalversammlung am 18. Mai um die Erlaubnis zu bitten, weitere 380 Millionen neue Aktien zum Preis von 10,8 Franken pro Titel ausgeben zu dürfen. Mit der Massnahme sollen ein zusätzliches Eigenkapital von 4,1 Mrd. Franken geschaffen und die öffentlichen Diskussionen um den Kapitalbedarf der Bank endgültig beendet werden.

Konzernchef Tidjane Thiam zeigte sich in einer Telefonkonferenz «zuversichtlich, dass die Grossaktionäre ihre Bezugsrechte ausüben werden». Für diese Prognose brauchte er aber kaum viel Mut. Ähnlich wie schon die Deutsche Bank im März will nämlich auch die Credit Suisse die neuen Titel zu einem attraktiven Preis unter die Leute bringen.

Der vorgesehene Emissionspreis entspricht einem Abschlag von über 30 Prozent zum aktuellen Börsenkurs, und er liegt sogar 39 Prozent unter dem materiellen Buchwert pro Aktie (Eigenkapital ohne immaterielle Werte wie Goodwill), wie er im vorliegenden Quartalsbericht ausgewiesen ist. Die Kapitalerhöhung könne zwar zu grösseren Kursschwankungen bei den CS-Aktien führen, aber fundamental sei mit einer positiven Reaktion des Marktes zu rechnen, schreibt Daniele Brupbacher, Bankenspezialist der UBS, in einer ersten Analyse.

Laut Credit Suisse sollte sich die harte Kernkapitalquote nach dem verschärften und vollständig umgesetzten Basel-III-Standard von aktuell 11,7 auf 13,4 Prozent verbessern. «Die Kapitalerhöhung ist gross genug, um die Debatte um das Thema zu beenden», schreibt Brupbacher und gibt damit zweifellos die Mehrheitsmeinung der Analystengemeinde wieder.

Markt reagiert positiv

Dementsprechend positiv reagierte gestern auch die Börse. Die Credit-
Suisse-Aktien lagen am späteren Nachmittag mehr als drei Prozent im Plus. Positiv hat der Markt aber auch den Übungsabbruch für einen Teilverkauf des Schweizer Geschäfts der Credit Suisse via Börsengang aufgenommen. Diesen Plan hatte Thiam im Oktober 2015 bekannt gegeben, als Bestandteil zur Deckung des Kapitalbedarfes, den der CEO schon damals mit neun bis elf Milliarden Franken beziffert hatte.

Es sei immer bloss ein «Eventualplan» gewesen, erklärte Thiam an der Telefonkonferenz. Von einer blossen «Option» war offiziell aber erst ab Februar die Rede, als die Credit Suisse den Hypothekenstreit mit den US-Justizbehörden mit einer geringeren Strafe beilegen konnte, als man offenbar auch in der Bank selber befürchtet hatte. Die Idee eines Börsengangs dürfte auch einigen grösseren Aktionären missfallen haben. Sie hätten die Dividenden aus dem lukrativen Schweizer Geschäft mit Drittinvestoren teilen müssen.

Gewinne im Investmentbanking

Auch die Geschäftsergebnisse im ersten Quartal des Jahres waren der Stimmung unter den Investoren mindestens nicht abträglich. Nicht nur ist die Bank in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Vielmehr konnte sie für einmal dort punkten, wo sie in der Vergangenheit am meisten Enttäuschungen hinnehmen musste: Im Wertschriftenhandel und im Geschäft mit Unternehmensfinanzierung, also im viel geschmähten Investment Banking, fielen satte Gewinne an, nachdem es vor Jahresfrist noch hohe Verluste gegeben hatte. Der Rückenwind aus den Kapitalmärkten scheint der Bank auch bei der Abwicklung aufzugebender Geschäfte zu helfen.

Die entsprechende Geschäftseinheit beendete das Quartal mit einem Minus von 539 Millionen Franken, nachdem sie vor Jahresfrist noch 1,2 Milliarden Franken in nur drei Monaten verbrannt hatte. Offenbar läuft der Abwicklungsprozess derzeit so rund, dass man ihn schon Ende 2018 statt wie bisher erwartet erst Ende 2019 abzuschliessen hofft. Thiam und seine Manager wollen den aggressiven Konzernrückbau auch auf der Kostenseite weiter forcieren und streben bis Ende 2018 ein Kostenniveau von unter 17 Milliarden Franken an.