Verwaltungsrat

Credit-Suisse-Theater: Am Dienstag fiel die Vorstellung aus

Tidjane Thiam, CEO der Credit Suisse.

Tidjane Thiam, CEO der Credit Suisse.

Warum sich der Verwaltungsrat am Dienstag doch nicht in Sachen Tidjane Thiam beriet und weshalb dieser allen Unkenrufen zum Trotz fest im Sattel sitzt.

Aus der für Dienstag erwarteten Sondervorstellung im Credit-Suisse-Theater ist doch nichts geworden. Entgegen den in den vergangenen Tagen von einigen Medien verbreiteten Ankündigung tagt der Verwaltungsrat (VR) erst am kommenden Donnerstag. Und spätestens seit dem offiziellen Dementi, das der Präsident Urs Rohner noch vor dem Wochenende abgesetzt hatte, weiss man auch, dass sich der Rat nicht in der Absicht trifft, seinen operativen Lenker und CEO Tidjane Thiam zu entlassen.

Traktandum des Tages sind vielmehr die Jahreszahlen, welche die Bank am Donnerstag der kommenden Woche veröffentlichen wird. Das VR-Treffen läuft nach einem ziemlich unspektakulären Programm ab, das in allen börsennotierten Unternehmen ähnlich aussieht: Der CEO und dessen Finanzchef präsentieren die Resultate mit den entsprechenden Erklärungen zunächst dem Prüfungsausschuss. Dieser überprüft die Erreichung der Ziele und der regulatorischen Vorgaben.

Danach wird das Ganze im Verwaltungsratsplenum in kondensierter Form noch einmal durchgespielt. Durch das Traktandum führt der Präsident des Prüfungsausschusses. Bei der Credit Suisse ist dies der Brite John Tiner. Obwohl der Mann seit zehn Jahren im 13-köpfigen Aufsichtsgremium sitzt, kennt man ihn eigentlich erst seit Oktober, als er auf einer Pressekonferenz die vom Verwaltungsrat ergriffenen Massnahmen zur Klärung der Hintergründe in der Bespitzelung des abtrünnigen Star-Managers Iqbal Khan begründen musste.

Grossaktionäre halten an Thiam fest

Der im Dezember von der Bank selber prognostizierte Jahresgewinn von über 3,2 Milliarden Franken kann als Bestätigung für den erfolgreichen Abschluss eines mehr als dreijährigen Restrukturierungsprozesses gelten. Der Verwaltungsrat wird Thiam und seinem Management-Team deshalb die Erfüllung dieses zweifellos schwierigen Unterfangens bestätigen.

David Herro vom amerikanischen Investmentfonds und Credit-Suisse-Grossaktionär «Harris Associates» hat dies am Montag in einem Interivew mit Bloomberg-TV auch bereits ausgiebig getan. Thiam habe die Bank und ihre Effizienz in den viereinhalb Jahren als CEO «greatly, greatly» verbessert. «Wir stehen absolut und zu 100 Prozent hinter ihm.» Angesprochen auf die Gerüchte um Thiams Absetzung sagte Herro: «Wir bewegen uns nicht im kleinen Zürich und auf dem Paradeplatz und können diese Art von Krieg gegen den CEO einfach nicht verstehen.» Entweder sei da ein neidischer Konkurrent am Werk oder es gebe Leute, die sich daran störten, dass Thiam etwas anders aussehe als ein typischer Schweizer Banker.

Kontrolle liegt nicht bei der Credit Suisse allein

Thiams Rolle in der Beschattungsgeschichte wird im Verwaltungsrat ausserhalb der offiziellen Traktandenliste dennoch zu Reden geben. Dabei dürfte es aber primär darum gehen, wie der Öffentlichkeit der Verbleib des CEO vermittelt werden kann, ohne dass das Aufsichtsgremium den ohnehin bestehenden Verdacht der Schönfärberei weiter verstärkt. Genau das erwartet auch David Herro, der im Namen anderer nicht genannter Grossaktionäre vehement verlangt, jetzt «nicht alles über den Haufen zu werfen». Die Credit Suisse wird alles daran setzen, die Theatersaison so bald als möglich zu beenden.

Doch dies liegt längst nicht mehr allein in der Kontrolle der Bank selber. Im Dezember setzte die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) einen Prüfbeauftragten ein, der in der Beschattungsaffäre spezifisch die Rolle der obersten Führung und die Wahrnehmung derer Kontrollfunktionen unter die Lupe nehmen soll. Auch Thiams langjähriger Mitstreiter und frühere COO Olivier Bouée ist seit seiner Entlassung im Dezember auf Kriegsfuss mit der Bank und erwägt, diese zu verklagen. Dasselbe gilt auch für die frühere amerikanische Compliance-Chefin Colleen Graham. Sie behauptet, ebenfalls ein Opfer von Credit-Suisse-Spitzeln geworden zu sein soll gemäss einem Agenturbericht eine Klage gegen die Bank vorbereiten.

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