Kantonsranking

Credit Suisse-Studie zur Standort-Qualität: Basel-Stadt übernimmt den Spitzenplatz von Zug

Erstmals in der Geschichte des Standortqualitätsindikators steht der Kanton Zug nicht auf dem Spitzenplatz. Neu führt der Kanton Basel-Stadt das Kantonsranking an, da er bereits rückwirkend auf Anfang 2019 seine Unternehmenssteuern markant gesenkt hat, wie die Credit Suisse schreibt.

Was wird gemessen?

Untersucht wird das «langfristige Wirtschaftspotenzial», «dass massgeblich durch die Rahmenbedingungen für Unternehmen» geprägt sei, heisst es in der Studie. Diese erscheint jährlich. «Firmen investieren vor allem an attraktiven Standorten und schaffen damit Arbeitsplätze, was Wertschöpfung und Wohlstand bringt.»

Der jährliche Standortqualitätsindikator (SQI) der Credit Suisse misst die Attraktivität der Schweizer Regionen und Kantone für Unternehmen im Vergleich zum Schweizer Durchschnitt. Werte zwischen -0.3 und +0.3 können als Mittelfeld bezeichnet werden, höhere Werte bedeuten eine überdurchschnittliche Attraktivität, tiefere Werte eine geringere.

Es werden sieben Indikatoren berücksichtigt:

  • Steuerbelastung der natürlichen Personen
  • Steuerbelastung der juristischen Personen
  • Verfügbarkeit von Hochqualifizierten
  • Verfügbarkeit von Fachkräften
  • Erreichbarkeit der Bevölkerung
  • Erreichbarkeit der Beschäftigten
  • Erreichbarkeit der Flughäfen

Wie schneiden die Kantone ab?

2019 gab es im Ranking erstmals einen Wechsel an der Spitze. Seit Beginn der Analyse 1997 stand der Kanton Zug auf Platz eins. Nun konnte sich aber Basel-Stadt durch eine deutliche Senkung der Unternehmenssteuern vom vierten Rang knapp an die Spitze setzen. Dicht darauf folgen Zug und mit etwas Abstand Zürich.

Auch klar überdurchschnittliche Resultate erreichen die Kantone Aargau, Nidwalden, Schwyz und Luzern. Der Kanton Waadt rückt Dank der deutlichen Reduktion der Unternehmenssteuern (Gewinnsteuerbelastung neu 13.79%) von Rang 17 auf Rang 8 vor. Damit führt der Kanton das Mittelfeld von diversen Agglomerationskantonen sowie dem Stadtkanton Genf an.

Die peripheren Kantone Jura und Wallis mit ihrer anspruchsvollen Topografie verzeichnen die geringste Standortqualität. Im Vergleich zum Vorjahr gab es verschiedene kleinere Rangverschiebungen: Unter anderem verlieren die Kantone Obwalden und Appenzell Innerrhoden je zwei Ränge, der Kanton Bern rückt um einen Rang vor.

© Credit Suisse

Sind grosse Städte im Vorteil?

Ja. Die grossen Zentren wie Zürich, Basel oder Bern haben vor allem bei der Verfügbarkeit von Hochqualifizierten Vorteile gegenüber peripheren Gebieten. Der Pool an Personen mit einem Universitäts- oder Fachhochschulabschluss ist in solchen Städten und den zugehörigen Agglomerationsräumen am grössten. Spitzenreiter ist die Stadt Zürich mit 55 Prozent hochqualifizierten Arbeitnehmern.

Auch betreffend verkehrstechnische Erreichbarkeit bieten Ballungszentren Vorteile, die Randregionen nur schwer kompensieren können. Dieser Indikator lässt sich nur mit langwierigen und kostspieligen Investitionen in Strasse und Schiene verbessern, schreibt die Credit Suisse. «Und auch dann ist der Einfluss auf die Standortqualität begrenzt. Selbst ein Milliardenprojekt wie die Neue Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT) mit dem 57 Kilometer langen Gotthard-Basistunnel erhöht die Erreichbarkeit der Gotthardregion nur geringfügig, weil die Reisezeiten in die Zentren trotz Zeitgewinn erheblich bleiben

© Credit Suisse

Lässt sich auch etwas über die Zukunft sagen?

Laut Credit Suisse, ja. «Zug sollte sich den Thron im Standort-Wettbewerb bis 2025 zurückerobern», schreibt sie. Weil die Stimmberechtigten das Bundesgesetz über die Steuerreform und die AHV-Finanzierung angenommen haben, können die Kantone in Zukunft «ihre Attraktivität mit der Steuerschraube» mehr beeiflussen. «Insgesamt dürften die Unternehmenssteuersätze in vielen Regionen sinken.»

Der Kanton Zug würde bei Umsetzung der geplanten Senkung der Gewinnsteuern Basel-Stadt wieder auf den zweiten Rang verweisen. Am anderen Ende der Skala fällt der Kanton Bern im hypothetischen Standortqualitätsindikator für 2025 um fünf Ränge auf Platz 23 zurück, nachdem das Stimmvolk eine Gesetzesrevision Ende 2018 abgelehnt hat. Aktuell schlägt der Berner Regierungsrat wieder eine geringfügige Entlastung für juristische Personen vor – der Wettbewerb um Unternehmen bleibt in Bewegung.

Auf den Rängen vier und fünf kämen nach aktueller Information die Kantone Genf und Basel-Landschaft zu liegen (geplante Gewinnsteuerbelastung 13.99% bzw. 13.45%) – gegenüber 2019 eine Verbesserung um ganze 10 bzw. sechs Ränge. Der Aargau, der 2018 noch auf dem dritten Rang lag, würde wegen des Verzichts auf eine Reduktion des ordentlichen Gewinnsteuersatzes voraussichtlich auf Rang sechs zurückfallen.

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