Detailhandel

Coop verlangt von Lieferanten rückwirkend Millionenbeträge

Coop verlangt Gelder zurück

Coop verlangt Gelder zurück

Coop fordert von zahlreichen Lieferanten rückwirkend die Herausgabe von Währungsgewinnen. Es geht dabei um Beiträge in der Höhe von mehreren Millionen Franken. Coop bestätigt das Vorgehen.

Eine Coop-Sprecherin bestätigt gegenüber der Zeitung «DerSonntag»: «Es gibt Lieferanten, welche ihre Währungsvorteile über Monate hinweg nicht weitergegeben haben. In diesen Fällen fordern wir rückwirkend eine finanzielle Entschädigung.»

Auch Anastasia Li, Direktorin des Markenherstellerverbands Promarca, hat Kenntnis von solchen Fällen. Sie betont aber, «dass diese rückwirkenden Forderungen ohne Rechtsgrund erfolgen und daher unzulässig sind.» Coop streitet dies nicht ab: «Eine Rechnung können wir nicht stellen, doch zählen wir auf das richtige Verhalten unserer Partner.» Noch niemand habe bisher die gesamte Summe bezahlt. Jeden Franken, den man aber erhalte, investiere man sofort in Preisaktionen.

Partner vor Kopf gestossen

Coop stösst mit diesem Vorgehen viele langjährige Partner vor den Kopf, die sich allerdings nie getrauen würden, den marktmächtigen Coop öffentlich zu kritisieren. Schliesslich ist die Angst gross, ebenfalls ein Opfer der Coop-Auslistung zu werden. «Ich fühle mich wie im falschen Film», sagt ein Nonfood-Lieferant. «Wir haben mit Coop mehrmals verhandelt und immer zu aktuellen Kursen geliefert. Und nun verlangen sie plötzlich rückwirkend einen Riesenbetrag, den wir überhaupt nicht nachvollziehen können.»

Zudem sollen die Preise in Zukunft um 10 bis 15 Prozent sinken. Früher habe man mit den Coop-Leuten völlig vernünftig über Preise verhandeln können, so der Lieferant. «Aber jetzt wurde die Sprache plötzlich viel aggressiver. Wir werden diesen Betrag auf keinen Fall bezahlen. Wir könnten dies auch gar nicht.»

Preissenkungen gehen weiter

Auch ein bekannter Nahrungsmittelhersteller hat eine Forderung in siebenstelliger Höhe erhalten. «Wir produzieren vieles gar nicht im Euroraum und waren mit vielen Rohstoffpreiserhöhungen konfrontiert», sagt er. «Doch darauf geht Coop in keinster Weise ein.» Zudem habe man die Einstandspreise für Coop seit 2008 um rund vier Prozent gesenkt, «aber im Regal blieben die Preise gleich teuer.»

Momentan gehen die Verhandlungen weiter. Und auch die Preisrunden. Morgen senkt Migros die Preise von nochmals 300 Produkten um bis zu 20 Prozent. Und bei den Coop-Töchtern Interdiscount und Fust werden alle Apple-Produkte zehn Prozent billiger.

Stellt sich die Frage, ob nicht bald das Ende der Fahnenstange erreicht ist - nicht zuletzt wegen des festgelegten Mindestkurses der Nationalbank von 1.20. Franken pro Euro. In Bezug auf die rückwirkenden Forderungen sagt Coop denn auch: «Solche Beträge helfen, dass wir nicht sofort wieder die Preise erhöhen müssen, sobald der Euro steigt.» (rsn)

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1