Fleisch-Bschiss

Coop verkauft abgelaufene Ware als Frischfleisch

Frischfleisch, das gar keiens war: Coop packete um

Frischfleisch, das gar keiens war: Coop packete um

In mindestens 24 Coop-Filialen wurde regelmässig abgelaufenes Fleisch verkauft. Coop-Metzger erklärten in der Sendung «Kassensturz» wie sie ihre Kunden mit Marinaden und Co. täuschen mussten. Coop gesteht Fehler ein und kündigt Sofort-Massnahmen an.

Vor einem Monat hatte das Kosum-Magazin erstmals darüber berichet, dass in einer Coop-Filiale regelmässig abgelaufenes Fleisch aus der Selbstbedienung in die Theke gelegt worden und den Kunden als Frischfleisch verkauft worden sei.

In Coop-Filialen wird abgelaufenes Fleisch einfach neu verpackt

In Coop-Filialen wird abgelaufenes Fleisch einfach neu verpackt

Coop dementierte damals heftig. Der Grossverteiler führte ins Feld, dass mit den Metzgern der betroffenen Filiale eine Arbeitskonflikt im Gang sei, deren Aussage daher wenig Gewicht hätten.

Alles viel schlimmer

Nun zeigen Recherchen des Kassensturzes: Das Ganze ist noch viel schlimmer als bisher angenommen. Nach der Ausstrahlung des ersten Beitrags haben sich weitere Coop-Mitarbeitende beim Konsummagazin gemeldet. «Es wird in den meisten Coop-Filialen so gehandhabt, dass abgelaufene Ware wieder verwertet wird», zitiert «Kassensturz» einen Metzger.
«Ablaufdatum bei ausgepacktem Fleisch oft unklar»

Acht Jahre lang stand er in verschiedenen Filialen hinter der Coop-Frischfleischtheke. «Ist das Fleisch einmal ausgepackt und die Verpackung mit dem Ablaufdatum weg, weiss niemand mehr, wie alt das Fleisch ist.»

Aus Import-Poulet wird Schweizer Ware

Auch bei der Herkunft des Fleisches musste er hinter dem Buffet Kunden täuschen, zum Beispiel Import-Poulet mit Schweizer Poulet vermischen und als Schweizer Poulet verkaufen.

Ein weiterer Metzger aus dem Kanton Zürich erzählt «Kassensturz», dass das abgelaufene Fleisch aus der Selbstbedienung jeweils in einer Kiste gesammelt worden sei.
«Meistens Donnerstags haben wir dieses Fleisch weiter verarbeitet. Schweinefilet haben wir mit Speck umwickelt, und wenn das Fleisch angelaufen ist, haben wir es mariniert.» Rote Marinade sei am Besten gewesen, das sehe immer frisch aus.

Weisungen vom Chef

Die Weisungen seien jeweils vom Chefmetzger gekommen. Wer sich gewehrt hat, wurde intern schikaniert. «Kassensturz» sprach mit sieben ehemaligen oder aktuellen Coop-Mitarbeitenden. Ihre Geschichten sind alle ähnlich: Sie mussten alle im Frischfleischbuffet abgelaufenes Fleisch verkaufen.

24 Filialen in 7 Kantonen

Laut der TV-Sendung sind in 24 Coop-Filialen in den Kantonen Aargau, Bern, Glarus, Schwyz, St. Gallen, Uri und Zürich Kunden so über den Tisch gezogen worden. Coop gibt die Fehler jetzt zu und hat auch bereits reagiert. Die internen Vorschriften verschärft: Ab sofort darf kein Selbstbedienungsfleisch mehr ausgepackt werden.

Der Verkauf von abgelaufenem Fleisch habe System gehabt, sagt ein weiterer Insider. Er war Filialleiter bei Coop. Es gäbe finanzielle Anreize dafür. Und der Verkaufsdruck von oben werde immer stärker.

«Wenn man zu viele Abschreiber braucht und die Vorgaben von Coop überzieht, gibt es Ende Jahr keinen Bonus», sagt er.

Bonus für wenig Fleisch-Abfall

Tatsächlich erhalten Chefmetzger und Filialleiter 15 Prozent des Jahresbruttolohns als Erfolgsbeteiligung. Ein Teil davon ist abhängig davon, wie viel Fleisch sie abschreiben oder wegwerfen. Das zeigt ein internes Dokument, das Kassensturz vorliegt.

«Im Kader ist es ein offenes Geheimnis, dass man über die Grauzone hinaus geht. Es kam nie die Weisung von oben, dass man das nicht machen darf. Um den Bonus zu kassieren, versuchte man das Maximale herauszuholen, möglichst wenig wegzuwerfen», sagt der ehemalige Filialleiter.

53 Metzgerei-Angestellte entlassen

In den letzten 12 Monaten seien 53 Metzgerei-Angestellte entlassen worden, wie Philipp Wyss, zukünftiger Vicechef von Coop Schweiz, in der Sendung «Kassensturz» sagt.

«Neu gilt eine Nulltoleranz.» Wyss zeigte sich sehr betroffen, dass die Mitarbeiter die Verstösse nicht coopintern gemeldet hätten. Deshalb richtet Coop ab dieser Woche eine Ombudsstelle ein, an die sich Coop-.Mitarbeitende wenden können.

Coop will an Erfolgsbeteiligung festhalten

«Ich versichere, dass jeder Fall ernst genommen wird und niemand hat mit Konsequenzen zu rechnen», sagt Wyss.

Wyss bestreitet diese Zusammenhang mit den Boni für viel verkauftes Fleisch und wenig Fleisch-Abfall: «Es kann nicht sein, dass Metzger wegen 1000 Franken ihren Job aufs Spiel setzen.» Coop werde aber an der Erfolgsbeteiligung festhalten. (rsn)

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