Zürich ist für Konsumenten das Schweizer Shoppingparadies. Für die Angestellten dagegen ist der Kanton ein hartes Pflaster – zumindest was die Öffnungszeiten anbelangt. Der Vorreiter ist Coop.

Selbst ausserhalb der Bahnhöfe sind mehrere Filialen des Detailhändlers in der Stadt Zürich zwischen 14 und 15 Stunden geöffnet. An der Langstrasse etwa öffnet der Supermarkt morgens um 7 Uhr und schliesst abends um 22 Uhr – auch am Samstag. Selbst in Orten wie Dietikon oder Erlenbach sind die Filialen an sechs Tagen während 14 Stunden geöffnet.

Nicht nur in Zürich jedoch ist Coop der Vorreiter. Auch in anderen Kantonen wie Basel-Stadt, Baselland oder Aargau ist Migros bei den Öffnungszeiten in der Tendenz weniger grosszügig. Während die Migros etwa in Basel mit wenigen Ausnahmen um 8 Uhr öffnet, ist dies bei Coop spätestens um 7.30 Uhr der Fall, in gewissen Fällen sogar bereits um 6.30 Uhr.

Abends schliesst Coop durchs Band um 20 Uhr, während Migros ausserhalb des Stadtzentrums meist um 19 Uhr schliesst. Im Kanton Aargau ist es ebenfalls Coop, der bis 20 Uhr geöffnet hat. Migros dagegen schliesst die Türen mehrheitlich um 19 Uhr.

Warum also ist Migros zurückhaltender? Der Detailhändler richte seine Öffnungszeiten nach den Bedürfnissen der Kunden und nicht nach der Konkurrenz, sagt ein Sprecher. Doch am Beispiel Zürich lässt sich zeigen, dass Migros nachgezogen ist.

Noch vor gut fünf Jahren war Migros in der grössten Schweizer Stadt im Vergleich zu Coop zurückhaltender, besonders samstags. In über zehn Fällen hat Migros inzwischen die Ladenschlusszeiten um zwei oder drei Stunden weiter in den Abend hinein verschoben und hat damit den Abstand zu Coop deutlich verkleinert.

Auch hier sei jedoch nicht der Konkurrent der Auslöser gewesen, sagt der Migros-Sprecher. Vor rund fünf Jahren habe Migros Zürich an ausgewählten Standorten in der Stadt erweiterte Öffnungszeiten geprüft. Die Pilotphase sei positiv verlaufen. Entsprechend seien die Öffnungszeiten an ausgewählten Standorten angepasst worden.

Hilfe für die Dorfläden

Doch lange Öffnungszeiten beschränken sich längst nicht nur auf die grossen Städte. Auch in ländlich geprägten Kantonen, die keine eigenen Gesetze haben, gehen Coop und Migros relativ weit. Dies gilt etwa für die Kantone Glarus, Nid- und Obwalden, Schaffhausen oder Thurgau. Dort sind die Filialen der beiden grössten Detailhändler unter der Woche bis um 19 Uhr oder 20 Uhr geöffnet. Am Samstag ist dies meistens bis 18 Uhr der Fall, vereinzelt bis 20 Uhr.

Auffallend offensiv ist auch Volg. Dort wo es die kantonalen Gesetze erlauben, hat der Detailhändler teilweise während 14 bis 15 Stunden geöffnet. Vielerorts beginnen die Filialen bereits um 6 oder 6.30 Uhr. Auch abends sind die Läden nicht selten bis um 20 Uhr geöffnet.

Das Einkaufsverhalten der Kunden habe sich auch in ländlichen Regionen verändert, sagt eine Volg-Sprecherin. Früher sei vor allem am Vormittag eingekauft worden, heute vermehrt am Abend oder auch am Sonntag. Gerade kleinere Volg-Läden mit vielen Mitbewerbern seien auf eine möglichst positive Umsatzentwicklung angewiesen. Dies könne mit längeren Öffnungszeiten unterstützt werden und diene langfristig betrachtet der Existenzsicherung des Dorfladens.

Coop äussert sich dagegen nur grundsätzlich: Das Unternehmen lege die Öffnungszeiten aufgrund der Bedürfnisse der Kunden fest und überprüfe den Erfolg regelmässig.
Doch längst nicht alle Konsumenten in der Schweiz könnten bis spätabends einkaufen. Das Land ist bezüglich Öffnungszeiten ein Flickenteppich (siehe Grafik).

Acht Kantone kennen keine eigenen Gesetze. Sie richten sich deshalb nach dem Arbeitsgesetz, wonach Läden dort von Montag bis Samstag zwischen 6 und 23 Uhr öffnen können. Die übrigen Kantone haben eigene Gesetze.

Der letzte Versuch einer einheitlichen Regelung für die ganze Schweiz scheiterte 2016: Der Ständerat versenkte den Versuch, landesweit Öffnungszeiten an Wochentagen zwischen 6 und 22 Uhr und am Samstag von 6 bis 18 Uhr zu ermöglichen. Derweil wird in den Kantonen regelmässig über das Thema abgestimmt. Basel-Stadt lehnte eine Ausdehnung am Samstag im November ab.

In Luzern bahnt sich eine zaghafte Verlängerung sowohl unter der Woche als auch am Samstag an. Dies geht auf einen Kompromiss zwischen dem kantonalen Detaillistenverband und den Gewerkschaften zurück. Für die städtische Vereinigung der Detailhändler geht der Kompromiss zu wenig weit.

Angestellte dagegen

Keine Freude an der Ausdehnung der Öffnungszeiten haben die Angestellten. Die Entwicklung sei problematisch, sagt Unia-Gewerkschaftssekretär Arnaud Bouverat. Das Resultat sei eine Intensivierung der Arbeit der Angestellten, denn neue Mitarbeiter würden nicht eingestellt.

Dies bedeute für die Betroffenen mehr Aufgaben und mehr Stress. Zudem leide auch das Sozialleben. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei mit langen Öffnungszeiten nur noch sehr eingeschränkt möglich. Eine vor zwei Jahren durchgeführte Umfrage bei über 2500 Verkaufsangestellten habe gezeigt, dass 95 Prozent gegen längere Öffnungszeiten seien.

In den Augen des Personals lohnten sich die längeren Öffnungszeiten nicht, sagt Marco Geu, Branchenleiter Detailhandel der Gewerkschaft Syna. Sie beobachteten, dass es nach 19 Uhr nur noch wenige Kunden habe. Dennoch kann sich Geu vorstellen, dass an gewissen Standorten die Öffnungszeiten weiter ausgedehnt werden, denn der stationäre Detailhandel sei stark unter Druck.