Landwirtschaft

Coop speckt beim Tierwohl ab: Detailhändler streicht Kalbfleisch aus dem Naturafarm-Programm

Ab 2020 gibt bei Coop kein nach Naturafarm-Standard produziertes Kalbfleisch mehr.

Ab 2020 gibt bei Coop kein nach Naturafarm-Standard produziertes Kalbfleisch mehr.

Ab dem Jahr 2020 ist Schluss. Der Detailhändler Coop teilt mit, dass man das Tierwohl-Label «Naturafarm» bei Mastkälbern und Schweinen einstellen beziehungsweise reduzieren wolle.

Offizieller Grund: sinkender Absatz. Für die Tiere und Bauern sind das schlechte Nachrichten. Als Konsequenz davon erhält das Vieh weniger Platz; für die Bauern sinken die Erlöse.

Samuel Graber, Präsident der Schweizer Kälbermäster, erklärt, dass die Ankündigung von Coop völlig unerwartet kommt. «Mäster haben erst noch in neue Ställe gemäss den hohen Naturafarm-Standards investiert. Sie werden auf den Mehrkosten sitzen bleiben». Insgesamt gehe es um rund 12'000 Kälber, die nicht mehr nach dem Tierwohl-Programm von Coop gehalten würden.

Preis für Bioschweine gesunken

Auch wenn die Ankündigung von Coop für die Produzenten unerwartet kommt: Ein stagnierender Absatz beim Labelfleisch stellte sich unlängst ein. Migros hatte bereits angekündigt, ab nächstem Jahr bei den Mastkälbern keine Auslauf-Prämie mehr zu bezahlen. Ähnliches ist von Bio Suisse zu vernehmen: «Die Nachfrage nach Schweinefleisch entwickelt sich schlechter als erwartet.» Weil gleichzeitig viele Bauern auf Bio umstellen, stieg das entsprechende Angebot. Der Preis für Bioschweine sank im November auf ein Zehnjahrestief.

Und auch Coop reduziert bei den Label-Schweinen das Angebot. Das Naturafarm-Schweineprogramm soll beim Basler Detaillisten um 30 Prozent reduziert, die Prämie für die verbleibenden Produzenten angepasst werden. In einer gemeinsamen Mitteilung bringen der Schweizer Bauernverband (SBV), Suisseporcs und der Schweizer Kälbermäster-Verband ihren Unmut über den Entscheid zum Ausdruck. «Ein hohes Tierwohl-Niveau ist bei jeder Meinungsumfrage eine Hauptforderung der Konsumentinnen und Konsumenten an die Schweizer Landwirtschaft. Es stellt sich in Anbetracht der unbefriedigenden Verkaufszahlen beim Labelfleisch die Frage, ob es sich bei diesen Aussagen nur um Lippenbekenntnisse handelt.»

Dass das Tierwohl an und für sich tatsächlich nur ein Aspekt in der Geschichte ist, davon ist Meinrad Pfister, Präsident von Suisseporcs, überzeugt. Es gehe vor allem auch um Marketing. Denn in den vergangenen Jahren habe der gesamte Detailhandel stark in seine Tierwohl-Labels investiert. Labels wie Naturafarm hätten dabei an Exklusivität verloren. Es gehe nun darum, neue Programme zu entwickeln, um sich noch differenzieren zu können. «In Schüpfheim produziert nun der erste Landwirt Schweine nach ‹Wiesenhaltungsstandards› für Coop, sagt Pfister. Dabei erhalten die Mastschweine Zugang auf eine Weide. Für die Tiere und den Schweineproduzenten sei dies sehr erfreulich, betont Pfister, setzt aber gleichzeitig den Zweck und die produzierte Menge in Relation.

Coop werde das Projekt über alle Kanäle kommunizieren und im Vergleich zu den 2,6 Millionen geschlachteten Schweinen in der Schweiz würde die neue Wiesenhaltung wohl viel Beachtung finden, aber bei Preisen auf Bio-Niveau mengenmässig im Promillebereich bleiben. «Ziel wird sein, das Wiesenschwein für PR-Zwecke zu nutzen», bilanziert Pfister.

Auf die Reduktion im Labelbereich angesprochen, hebt Coop tatsächlich das Projekt in Schüpfheim auf den Schild. «Die Wiesenhaltung ist eines von vielen Projekten aus dem Bereich Nachhaltigkeit, die Coop vorantreibt, und es zeigt, dass Coop das Tierwohl auch weiterhin sehr wichtig ist.» Man weise darüber hinaus auch in Zukunft beim Fleisch den höchsten Labelanteil im Schweizer Detailhandel auf.

Neue Gespräche Ende Januar

Weder für die Kälbermäster noch für die Schweinehalter ist in der Sache das letzte Wort gesprochen. Beide wollen sich Ende Januar mit Coop zu Gesprächen treffen. «Die Reduktion der Menge bei Naturafarm ist halbwegs noch nachvollziehbar, nicht aber die gleichzeitige Halbierung der Labelprämie für die Produzenten», sagt Pfister.

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