Grossverteiler

Coop melkt neuerdings Kühe – Bauern kritisieren Werbekampagne

Die neuen Werbeplakate von Coop versprechen Tiefstpreise, werden aber nicht überall geschätzt. Sandra Ardizzona

Die neuen Werbeplakate von Coop versprechen Tiefstpreise, werden aber nicht überall geschätzt. Sandra Ardizzona

Bauernverband, Milch- und Fleischproduzenten kritisieren die neue Werbekampagne von Coop. In dieser werden Preise gemolken und haben Kunden Schwein. Warum die Aufregung?

«Wir haben die Kuh und den Preis gemolken», «Brie Garantie – günstiger gehts nicht» und «Schwein für Sie und Ihr Portemonnaie» – seit etwas mehr als einer Woche hängen die Plakate des Grossverteilers Coop in der ganzen Schweiz. Geworben wird für Vollmilch, Käse und Schweinsnierstücksteaks, aber auch für weitere Angebote der «Prix Garantie»-Linie mit ihren mehr als 400 Artikeln. Allen gemeinsam: eine Tiefpreisgarantie. Will heissen: Der Preis der Tiefpreislinie der Konkurrenz wird bei jedem Produkt unterboten.

Bei den Lebensmittelproduzenten weckt die jüngste Coop-Werbung, über welche die Zeitung «Schweizer Bauer» in ihrer jüngsten Ausgabe berichtet, harsche Kritik. «Diese Kampagne ist sehr unglücklich», sagt Mirjam Hofstetter vom Schweizerischen Bauernverband. «Wir würden es vorziehen, wenn der Mehrwert von Schweizer Lebensmitteln in den Mittelpunkt gestellt würde, etwa die Qualität der Produkte oder die Nähe der Produktion.» Tiefpreiswerbung, wie sie Coop nun betreibe, kenne man bisher vor allem aus dem Ausland.

«Preis drücken führt ins Verderben»

Ins gleiche Horn stösst Heinrich Bucher, Direktor von Proviande. «Die Werbekampagne von Coop, die wohl witzig gemeint ist, kann falsch verstanden werden», sagt der Chef der Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft. «Der Grat ist schmal.» Schweizer Fleisch solle nicht über den Preis, sondern über die Qualität und das Vertrauen der Konsumenten verkauft werden. «Die Tendenz, den Preis immer weiter zu drücken, führt ins Verderben.»

Sorgen macht sich auch Hanspeter Kern, Präsident der Schweizer Milchproduzenten. «Die Preisdrückerei ist uns ein Dorn im Auge», sagt er. Milch sei ein wertvolles Gut. Mit der Werbekampagne und generell seiner Preisgestaltung vermittle Coop ein falsches Bild, findet Kern. «Es kann doch nicht sein, dass ein Liter Milch weniger kostet als ein Liter Coca-Cola.» Er werde die missglückte Kampagne bei den nächsten Gesprächen mit Coop ansprechen, sagt Kern. Der Meisterlandwirt und SVP-Gemeindepräsident der schaffhausischen Gemeinde Buchberg befürchtet, der Preisdruck werde mittelfristig an die Produzenten weitergereicht werden.

Urs Meier, Mediensprecher von Coop, beschwichtigt. Die Tiefpreisgarantie gehe nicht auf Kosten der Bauern, sondern auf Kosten der Gewinnmarge von Coop. «Unsere Lieferanten bezahlen den Produzenten den normalen A-Milchpreis.» Die tiefen Preise der «Prix Garantie»-Linie würden durch die nicht wieder verschliessbaren Verpackungen und grosse Produktionsmengen ermöglicht.

«Wir bieten absolute Wahlfreiheit»

Mit nachhaltigen Produkten erzielte Coop 2013 2,2 Milliarden Franken Umsatz, der Grosshändler positioniert sich seit Jahren Bio-freundlich und wirbt mit «Slow Food»-Produkten. Wie passt das zur jetzt beworbenen Tiefpreisgarantie? «Im Gegensatz zu Discountern bieten wir als Vollsortimenter absolute Wahlfreiheit über alle Preis- und Qualitätslagen», sagt Meier. Es liege auf der Hand, dass bei einer Tiefpreismarke mit dem Preis geworben werde.

«Ob Coop mit dieser Kampagne seiner Glaubwürdigkeit als Biomarktleader schadet, muss der Konsument entscheiden», sagt Hofstetter vom Bauernverband. Proviande-Direktor Bucher sieht die Bio- und Labelstrategie durch die neueste Kampagne nicht infrage gestellt. Glücklicherweise habe der Konsument in jeder Filiale die Wahl, jenes Fleisch zu wählen, das ihm zusage. Sogar Lob für Coop gibt es von Bio Suisse, dem Dachverband der Schweizer Knospe-Betriebe. «Coop setzt sich unverändert für den Biolandbau und seine Marke ‹Naturaplan› ein», sagt Geschäftsführer Daniel Bärtsch. Biolandwirte seien von der aktuellen Werbekampagne nicht betroffen.

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