Zwei Klicks und schon landen wechselwillige Versicherte bei einem Vermittler von Krankenversicherungsangeboten. Dies ist dann der Fall, wenn auf dem Internetvergleichsdienst comparis.ch eine Offerte eines Grundversicherers der Groupe Mutuel bestellt wird. Wie auf der Homepage nachzulesen ist, hat comparis.ch im Frühjahr Optimatis lanciert. Dies sei eine Dienstleistung für Kunden, «die in Ergänzung zum Online-Vergleich eine anbieterunabhängige Beratung wünschen». Die Beratung übernehmen im Bereich der Krankenversicherung aktuell zwei Versicherungsbroker.

Zwiespältiges Angebot

Wie das funktioniert, hat die «Nordwestschweiz» getestet. Das Resultat fällt zwiespältig aus:

Die zwei Vermittler kommen ausschliesslich bei Produkten der Groupe Mutuel ins Spiel. Die Walliser haben keinen Vertrag mit comparis.ch abgeschlossen. Daher konnten für deren Grundversicherungsangebote keine Offerten bestellt werden. Die Partner von Optimatis ermöglichten Nutzern nun, sagt Comparis-Sprecher Felix Schneuwly, an Krankenversicherer Online-Offertanfragen zu senden, die nicht direkt mit Comparis zusammenarbeiten: «Das ist ein Mehrwert für die Versicherten.» Und ein Mehrwert für den Internetvergleichsdienst. Der kassiert pro Offertanfrage von den Vermittlern eine Provision. Die beläuft sich auf 45 Franken bei einer Anfrage betreffend Grundversicherung (OKP).

Screenshot einer Anfrage auf comparis.ch für eine Grundversicherung mit der Minimalfranchise von 300 Franken: Die Angebote der Assura und der Groupe-Mutuel-Kasse Easy Sana sind zwar günstiger als die zuoberst gezeigten. Doch direkt eine Offerte bestellen kann man dafür nicht.

Screenshot einer Anfrage auf comparis.ch für eine Grundversicherung mit der Minimalfranchise von 300 Franken: Die Angebote der Assura und der Groupe-Mutuel-Kasse Easy Sana sind zwar günstiger als die zuoberst gezeigten. Doch direkt eine Offerte bestellen kann man dafür nicht.

Bei einem Mehrjahresvertrag gibts einen «Treuerabatt» von einigen Franken. Besteht auch ein Interesse an privaten Zusatzversicherungen (VVG) erhält Comparis weitere 20 Franken. Zum Vergleich: Bei Verivox, dem Portal der deutschen Mediengruppe ProSieben Sat.1, kostet eine Grundversicherungsofferte 40 Franken. 60 Franken sind es, wenn auch ein Interesse an Zusatzversicherungen besteht. Der in Lausanne domizilierte Vergleichsdienst bonus.ch verlangt 20 bis 40 Franken pro OKP-Anfrage sowie bei gewissen Fällen 10 bis 15 Franken für VVG-Anfragen.

Screen-Shot einer Anfrage auf comparis.ch für eine Grundversicherung mit der Maximalfranchise von 2500 Franken Jetzt ist es möglich, für die günstigen Angebote von Assura und der Groupe-Mutuel-Kasse Easy Sana eine Offerte zu bestellen

Screen-Shot einer Anfrage auf comparis.ch für eine Grundversicherung mit der Maximalfranchise von 2500 Franken Jetzt ist es möglich, für die günstigen Angebote von Assura und der Groupe-Mutuel-Kasse Easy Sana eine Offerte zu bestellen

Gebühr für Risikoselektion

Via Optimatis kann man nicht für alle Grundversicherungsangebote der Groupe Mutuel eine Offerte bestellen. So fordern die Vermittler, mit denen Optimatis zusammenarbeitet, den Ausschluss einer Offertanfrage für eine Minimalfranchise von 300 Franken. Diese Variante wählen meist kranke Versicherte, die entsprechend höhere Kosten für Behandlungen von Ärzten oder für Medikamente auslösen. Das ist Risikoselektion. Zudem verstösst dies gemäss dem für die Aufsicht über die Grundversicherung zuständigem Bundesamt für Gesundheit gegen das Krankenversicherungsgesetz (siehe Artikel unten). Daher heisst diese Möglichkeit, unerwünschte Kunden auf Internetvergleichsdiensten abzuwimmeln, im Fachjargon «Targeting». Für diese Dienstleistung lässt sich Comparis mit 15 Franken pro Offerte entschädigen. Zum Vergleich: Bonus verlangt dafür 10 Franken pro Offerte. Bei Verivox kostet dies nichts.

Gemäss Schneuwly sei dies «eine Gebühr für eine technische Leistung, die für Krankenversicherer erbracht werde: «Comparis akzeptiert, dass Versicherer nur für eingeschränkte Kundensegmente ganz bestimmte Online-Offertanfragen zulassen.» Schliesslich sähen Nutzer auf der Vollansicht alle Prämien aller Produkte. Comparis müsse ja auch hinnehmen, dass es Versicherer gebe, die gar keine Offertanfragen möglich machten.

Doch Optimatis soll nicht nur zusätzliche Einnahmen mit Offertanfragen generieren. Führt die Anfrage über comparis.ch zu einem Abschluss von Groupe-Mutuel-Zusatzversicherungen, erhält Optimatis zwischen 200 und 500 Franken von Vermittlern, sagen Brancheninsider. Schneuwly äussert sich dazu nicht: «In den Verträgen mit unseren Partnern verpflichten wir uns zu Vertraulichkeit.»

2015 erzielte der Marktleader der Internetvergleichsdienste mit Offertanfragen einen Umsatz von 10,2 Millionen Franken. In diesem Jahr dürften es – auch dank Optimatis – ein bisschen mehr sein. Was gut ist für das Unternehmen des Comparis-Gründers Richard Eisler, ist nicht nur gut für die Nutzer. Wer eine Offerte über Optimatis auslöst, erhält kurze Zeit später ein Formular zugestellt, um sämtliche Krankenversicherungsdeckungen zu kündigen.

Genau davor warnt comparis.ch auf seiner Website: «Kündigen Sie Ihre alte Zusatzversicherung erst, wenn von der neuen Kasse eine vorbehaltlose Aufnahmebestätigung vorliegt.» Im Zusatzversicherungsbereich gibt es nämlich keine Aufnahmepflicht. Verweigert der neue Versicherer den Abschluss, verliert der Kunde möglicherweise seinen Versicherungsschutz. Schneuwly räumt ein: «Wir werden die Empfehlung auf dem angehängten Optimatis-Blatt beifügen, denn gute Ratschläge kann man offensichtlich nicht oft genug wiederholen.»

Keine effiziente Kontrolle

Dazu kommt: Die auf Optimatis angeforderte Offerte musste korrigiert werden, weil sie eine falsches Zusatzversicherungsangebot enthielt. Ob die Optimatis-Partner den Interessenten wirklich nur Versicherungsangebote unterbreiten, die sie angefordert haben, kann Comparis nicht wirklich kontrollieren. Dazu sagt Felix Schneuwly: «Würden Offerten zu Ungunsten von Nutzern manipuliert, stellen wir die Zusammenarbeit mit den dafür verantwortlichen Partnern sofort ein.»