Vor drei Wochen haben sie das erste Mal verhandelt, nun steht die Fusion: Die beiden Konzerne Clariant und Huntsman aus den USA schliessen sich zusammen. Damit entsteht der zweitgrösste Spezialchemiekonzern der Welt, hinter Evonik aus Deutschland. Vereint kamen die beiden Firmen im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 13,2 Milliarden Dollar. Hier ist eine Huntsman-Sparte bereits herausgerechnet, die zum Verkauf steht. Das fusionierte Konstrukt wird HuntsmanClariant heissen.

Clariant-Chef Hariolf Kottmann und sein Gegenpart Peter Huntsman betonten, dass es sich um eine Fusion unter gleichwertigen Partnern handle. Der Zusammenschluss der beiden Firmen ist denn auch fein austariert, um den Eindruck zu vermeiden, eines der beiden Unternehmen habe künftig die Oberhand. Der juristische Hauptsitz wird sich in Pratteln BL befinden, dort wo sich heute die Konzernzentrale von Clariant befindet. Die operativen Geschäfte werden dagegen vom Huntsman-Hauptsitz The Woodlands geführt, knapp 50 Kilometer nördlich von der US-Grossstadt Houston im Bundesstaat Texas gelegen.

Auch beim künftigen Management wurden die Machverhältnisse aufgeteilt. Der 61-jährige Kottmann wird Verwaltungsratspräsident, der rund acht Jahre jüngere Peter Huntsman wird Konzernchef. Der bisherige Clariant-Finanzchef Patrick Jany wird seine Funktion in der neuen Firma behalten. Sowohl Peter Huntsman als auch Patrick Jany werden von Pratteln aus arbeiten. Der Verwaltungsrat wird zu gleichen Teilen aus Clariant- und Huntsman-Vertretern zusammengesetzt.

Der Standort Schweiz muss zumindest vorerst keinen Stellenabbau befürchten. Dies sagte Kottmann an der gestrigen Medienkonferenz in Zürich. Neben Pratteln ist Clariant im benachbarten Muttenz auf dem Schweizerhalle-Areal tätig. An beiden Standorten beschäftigt das Unternehmen rund 750 Mitarbeiter. Huntsman ist durch die Übernahme eines Geschäftsbereichs der ehemaligen Ciba im ebenfalls in der Nordwestschweiz ansässig (siehe rechts). Neben Basel verfügen die Amerikaner über einen Produktionsstandort in Monthey im Kanton Wallis. Damit kommt Huntsman in der Schweiz auf 550 Mitarbeiter. Das Unternehmen ist aber hierzulande seit dem Ciba-Deal stark geschrumpft. In den letzten Jahren hat die Firma rund 1000 Stellen abgebaut.

Drang zur Unabhängigkeit

Die Fusion sei «der perfekte Deal zur richtigen Zeit», ist Kottmann überzeugt. Zusammen verfügten die beiden Firmen über eine weit stärkere globale Präsenz. Dank der Grösse des fusionierten Unternehmens könnten die Schwankungen der einzelnen Geschäftsfelder besser abgefedert werden, sagte Peter Huntsman. Zudem werde die Innovationskraft deutlich gestärkt. Das neue Unternehmen wird jährlich 360 Millionen Dollar für Forschung und Entwicklung ausgeben.

Kottmann hat in der Vergangenheit mehrfach betont, mit Clariant unabhängig bleiben zu wollen. So brachte der Deutsche etwa die Idee ins Spiel, zusätzliche Ankeraktionäre zu finden, um dieses Ziel zu erreichen. Jetzt hat sich Clariant für eine Fusion entschieden. Offenbar hält man diesen Weg für die bessere Variante, als sich dem Risiko auszusetzen, von einem Konkurrenten übernommen zu werden.

Ob der Spagat zwischen der amerikanischen und schweizerisch geprägten Firmenkultur gelingt, hängt von einem umsichtigen Management ab, das auch Fingerspitzengefühl beweist. Kottmann zeigte sich gestern wie so oft sehr selbstbewusst. Die nächsten Monate und Jahre werden zeigen, ob dieser Optimismus gerechtfertigt ist.