Clariant

Clariant-Sozialplan steht – aber einer will vor Gericht

Nach langem Hin und Her haben sich die Angestelltenvertretung der Clariant und die Firmen-Manager auf einen Sozialplan geeinigt. Die Betriebskommission hingegen will vor Gericht.

Muriel Mercier

Am Donnerstag verliess die Betriebskommission die Gesprächsrunde zwischen der Angestelltenvereinigung (AVCS), der Clariant-Firmenleitung und ihr selbst. Grund: Die Sozialplanverhandlungen bei der Clariant seien gescheitert (die bz berichtete).

Die drei Instanzen diskutierten vor zwei Tagen bereits zum vierten Mal über die Ausarbeitung eines neuen Sozialplanes für die 150 Clariant-Mitarbeitenden, die im Februar ihre Kündigungen erhalten hatten. Die Betriebskommission rund um Präsident Jörg Studer sah zu diesem Zeitpunkt keine Chance auf einen für sie zufriedenstellenden Verhandlungsabschluss.

Die AVCS war da anderer Meinung: Sie und die Firmenleitung wurden sich gestern einig, die AVCS unterschrieb - der Sozialplan für die Jahre 2010 bis 2012 ist unter Dach und Fach. «Das Ergebnis der Gespräche mit der Clariant ist akzeptabel. Wir sind froh, diese Lösung gefunden zu haben», sagt AVCS-Präsident Gert Ruder. Auf deren beiden wichtigsten Forderungen - die Laufzeitverlängerung des Sozialplans um ein Jahr und die Arbeitsteilzeit ab einem Alter von 55 Jahren - sei Clariant eingegangen. Tatsählich hat Clariant in diesen beiden Punkten nachgegeben: «Die Arbeitsteilzeit ist natürlich eine finanzielle Frage. Aber ich habe mich bei der Firma rückversichert, dass diese die Kosten übernehmen wird», bestätigt Clariant-Schweiz-Chef Armin Meile.

Für «Verlierer» Studer ist das Thema Sozialplan aber noch lange nicht gegessen. Er forderte eine paritätische Sozialplankommission, einen absoluten Kündigungsschutz ab 55 Jahren, eine Laufzeit des Sozialplanes bis 2013 und eine angepasstere Abgangsentschädigung. «Wir wollen nicht mehr Geld für die Entlassenen. Aber die Entschädigung soll besser aufgeteilt werden.» Bisher habe das Alter eines Angestellten ein grösseres Gewicht als die Dienstjahre gehabt. «Das kann doch nicht sein», ist er empört. Ausserdem versteht er nicht, warum keine Sozialplankommission den Sozialplan prüfen darf. Dass die AVCS mit der Clariant übereins gekommen ist, wundert ihn nicht: «Die unterschreiben alles.»

Guter Sozialplan trotz Wirtschaftskrise

Doch der Betriebskommissionspräsident weiss sich zu helfen: «Nächste Woche schicken die Gewerkschaften Unia und Syna einen Brief an den Vetragspartner Basler Pharma-, Chemie- und Dienstleistunsgunternehmen und weisen ihn auf die Differenzen zwischen der Betriebskommission und der Firma Clariant hin. «Der Verband versucht in der Folge die Auseinandersetzung zu schlichten. Klappt das nicht, gehen wir vor das Schiedsgericht.»

Meile kann das Theater von Studer nicht nachvollziehen: «In Anbetracht der momentanen wirtschaftlichen Lage hat die Clariant einen guten Sozialplan ausgearbeitet.» Ein solcher sei heute nämlich nicht mehr selbstverständlich und ein Unternehmen sei dazu nicht verpflichtet. Aber: «Es gibt Härtefälle, die wir auffangen wollen.» Der gestern unterschriebene Sozialplan der Clariant tritt ab 1. Januar 2010 in Kraft.

Die Reaktion der Betriebskommission, am Donnerstag den runden Tisch einfach zu verlassen, bedauern sowohl Clariant-Schweiz-Chef Meile als auch Ruder von der Angestelltenvertretung. «Es war schade, dass die Kommission einfach so gegangen ist», sagt Meile. Und Ruder doppelt nach: «Ich bedaure, dass sie keine Chance auf ein gutes Resultat sahen. Wenn man davonläuft, kann man nicht mitdiskutieren.»

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