Gleichentags kündigte Lufthansa den Abgang von Christoph Franz an: Dieser werde nach Ablauf seines Vertrages am 31. Mai 2014 für eine Verlängerung nicht zur Verfügung stehen. "Die Entscheidung ist mir nach insgesamt knapp 15 Jahren in der Lufthansa Group alles andere als leicht gefallen", wird Franz in der Medienmitteilung zitiert.

Im Roche-Verwaltungsrat sitzt der Deutsche, dessen Familie in der Schweiz lebt, bereits seit 2011. Mit der Wahl zum Verwaltungsratspräsidenten wird er die Nachfolge des langjährigen Roche-Präsidenten Franz Humer antreten. Dieser hatte schon an der letzten Generalversammlung angekündigt, dass er im Frühjahr 2014 in den Ruhestand gehen will.

Lob auf Franz

Humer lobte im Communiqué Franz' Leistungsausweis als Lufthansa-Chef: "Ich bin davon überzeugt, dass Christoph Franz seine langjährige, vielfältige Erfahrung und seine eindrückliche globale Vernetzung ebenso zu Gute kommen werden wie seine starke Verankerung in der Schweiz", so Humer.

Auch Analysten halten Franz für einen geeigneten Kandidaten. Er wurde als hervorragender, bestens vernetzter Manager mit einem ausgezeichneten Leistungsausweis beschrieben. Als einziger Schwachpunkt wurde der Mangel an Erfahrung in der Pharmaindustrie genannt.

Nachdem Roche die Nominierung von Franz bekannt gegeben hatte, legten die Aktien des Pharmakonzerns leicht an Wert zu.

Franz seinerseits äusserte sich in der Medienmitteilung anerkennend über die Leistungsstärke und Unternehmenskultur von Roche: "Roche ist strategisch bestens aufgestellt und ich freue mich sehr auf diese neue Herausforderung", wurde Franz zitiert.

Abgang für Lufthansa zu ungünstigem Zeitpunkt

Franz ist seit 2011 Lufthansa-Chef und wird die Fluggesellschaft nun zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt verlassen. Die Lufthansa befindet sich mitten in einem milliardenschweren Sparprogramm. Der Konzern hatte das Programm im vergangenen Jahr gestartet und will damit das Ergebnis bis 2015 um 1,5 Mrd. Euro im Jahr steigern.

Zur Finanzierung will die Lufthansa auch beim Personal kräftig sparen: Mindestens 3500 von derzeit 117'000 Stellen sollen abgebaut werden. Nach der Ankündigung des Abgangs von Konzernchef Franz verloren die Lufthansa-Aktien an Wert.

Rückkehr in die Schweiz

Franz ist in der Schweiz kein Unbekannter: Der Wirtschaftsingenieur hat sich zwischen 2004 und 2009 als Sanierer der Swiss, die seit 2005 eine Tochtergesellschaft der Lufthansa ist, einen Namen gemacht. Von Angestellten wurde er damals als "konsequent" und "ehrlich" beschrieben. Der ehemalige Mitarbeiter der Deutschen Bahn galt jedoch auch als reserviert und unfassbar.

Geschätzt wurde sein bescheidenes Auftreten. So verzichtete der Vater von fünf Kindern auf Limousine und Chauffeur und fuhr stattdessen mit einem familientauglichen Mini-Van zur Arbeit.