Der chinesische Investor Yunfeng Gao hat das Luzerner Luxushotel Palace im Dezember 2015 erworben. Seit vergangenem Herbst sind die Umbauarbeiten im denkmalgeschützten Bel-Epoque-Gebäude im Gang. Rund 100 Millionen Franken investiert Gao in die Totalsanierung, ein schöner Teil davon entfällt auf die Erneuerung der Haustechnik.

Seit dem Kauf stand Gao in Kontakt mit verschiedenen Hotelbetreiberketten, die gerne das traditionsreiche Haus an bester Lage am Vierwaldstättersee in seinem Auftrag führen möchten. Mit einer von ihnen scheinen die Verhandlungen nun kurz vor dem Abschluss zu stehen. Beat Christen, Sprecher der First Swiss Hotel Collection AG, bestätigt, dass eine bekannte Betreibergruppe das Palace nach der Wiedereröffnung führen wird. «Die Gespräche sind im Gang. Es liegt aber erst eine gegenseitige Absichtserklärung und noch kein unterschriebener Vertrag vor. Wir können darum den Namen des künftigen Partners noch nicht nennen», so Christen. Er erwartet, dass der Entscheid schon bald fällt. Die First Swiss Hotel Collection gehört Gao und ist die heutige Betreiberin des Palace.

Eine Hotelmarke für Premiumgäste

Beim neuen Betreiber handelt es sich mit grösster Wahrscheinlichkeit um die Luxushotel-Betreibergruppe Mandarin Oriental. Das ergaben Recherchen unserer Zeitung. Die Gruppe hat ihre Wurzeln in Hongkong, betreibt weltweit 44 Hotels und spielt in der Champions League der Luxushotellerie mit. In der Schweiz betreibt sie ein Hotel in Genf (siehe Kasten unten). Gao würde Besitzer der Palace-Immobilie bleiben, Strategie und Tagesgeschäft wären Sache der Betreiber. Da die Marke Oriental Mandarin über eine weltweite Ausstrahlung und die Firma über ein starkes Netzwerk verfügt, ist sie in der Lage, Gäste anzulocken, die sich Übernachtungen im hart umkämpften Luxusmarkt leisten können. Dafür lässt sich die Betreibergesellschaft von den Immobilienbesitzern in der Regel fürstlich entlöhnen. Ihre Konditionen unterscheiden sich indes von Hotel zu Hotel.

Ob nun mit oder ohne Mandarin Oriental: In Luzern verspricht man sich viel davon, mit dem Palace Teil eines weltumspannenden Hotelnetzes zu sein. «Der Marken-Auftritt ist in der Luxushotellerie sehr wichtig. Die Partnerschaft mit einer internationalen Hotelmanagementfirma bringt den Vorteil mit sich, den Aufbau der Marke Palace Luzern schneller voranzubringen», sagt Christen.

Hoteldirektor Peter Durrer muss das Palace verlassen

Dass die Vertragsverhandlungen zwischen Hotelbesitzer Gao und den Hotelbetreibern schon weit gediehen sind, macht die erste personelle Konsequenz deutlich. Der Arbeitsvertrag mit Peter Durrer, der seit März 2018 Palace-Direktor ist, wurde auf Ende September dieses Jahres gekündigt. Christen: «Es ist üblich, dass Schlüsselpositionen des Hotelmanagements durch die Betreiber selbst bestimmt werden. Das gilt insbesondere für den General Manager, der gewöhnlich aus den Reihen der Betreibergesellschaft kommt.» Durrer war vor seinem Engagement im Palace erfolgreich als professioneller Gastgeber im Hotel Villa Honegg in Ennetbürgen tätig. Er habe eineinhalb Jahre lang den Umbau des Palace Luzern begleitet und dabei wichtige Weichen gestellt, lobt ihn Christen.

Umbauarbeiten dauern länger als geplant

Die umfangreichen Sanierungs- und Umbauarbeiten im Palace werden derweil mehr Zeit in Anspruch nehmen als geplant. Ursprünglich war die Wiedereröffnung auf Ende dieses Jahres geplant. Nun gilt der Oktober 2020 als neuer Termin. «Das Palace ist ein denkmalgeschütztes Gebäude, das 1906 fertig erstellt wurde. Da treffen die Planer sowie Bauarbeiter immer wieder auf Überraschungen und unvorhergesehene Herausforderungen. Die Verhandlungen mit der Betreibergesellschaft haben aber bei der Verzögerung keine Rolle gespielt», erklärt Christen. Zurzeit arbeiten täglich 50 bis 60 Baufachleute auf der Baustelle. Der grösste Teil der Rückbauarbeiten ist abgeschlossen, im Mittelpunkt stehen nun die Rohbauinstallationen. Nach der Eröffnung stehen im Hotel 148 Zimmer zur Verfügung, eines davon ist eine Suite. Im alten Palace waren es 129 Gästezimmer und Suiten. Der Empfang erhält einen neuen Standort und es entsteht ein Restaurant, wo vor allem Schweizer Spezialitäten auf den Teller kommen.

Gründliche Umbau- und Sanierungsarbeiten sind auch im Hotel Titlis Palace Engelberg im Gange, das wie die Fruttlodge auf der Melchsee-Frutt im Besitz von Gao ist. Ziel ist es, das Hotel in Engelberg Ende 2020 wieder in Betrieb zu nehmen. Die beiden Hotels werden gemäss Christen weiterhin von Gaos Gesellschaften betrieben.