VW

Chinesen sind wild auf deutsche Autos – doch wie lange noch?

Angela Merkel besucht eine VW-Fabrik im Süden Chinas.

Angela Merkel besucht eine VW-Fabrik im Süden Chinas.

Der deutsche Autobauer VW feiert im Reich der Mitte Rekordumsätze, die Party könnte allerdings bald vorbei sein. Die Konkurrenz schläft nicht.

Für Volkswagen-China-Vorstand Jochem Heizmann wirkte die Vertragsunterzeichnung in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Chinas Ministerpräsident Li Keqiang wie reine Routine. Vor versammelter Presse eilte er zum Pult, unterschrieb das Abkommen, überreichte es seinem chinesischen Partner und drückte noch abschliessend der Kanzlerin und dem chinesischen Premier kurz die Hände. Dann war die Vertragszeremonie auch schon beendet.

In dem Abkommen, das Anfang der Woche während des Kanzlerinnenbesuchs unterzeichnet wurde, geht es um das inzwischen 19. und 20. Autowerk von Volkswagen in China. Eins soll für rund eine Milliarde Euro in der ehemaligen deutschen Koloniestadt Qingdao entstehen, das andere für eine ähnliche Summe in Tianjin, der 15-Millionen-Hafenmetropole unweit von Peking.

Kein anderes europäisches Unternehmen hat in den vergangenen 30 Jahren in der Volksrepublik so viel investiert wie der deutsche Autobauer. Unmittelbar nach der wirtschaftlichen Öffnung Chinas Ende der 1970er-Jahre standen die Wolfsburger bereit und gründeten zusammen mit dem chinesischen Partner Saic (Shanghai Automotive Industry Corp.) das erste Auto-Joint-Venture. Im April 1983 lief in einem Vorort von Schanghai Chinas erster Santana vom Band.

Rekordzahlen für VW-Tochter

Die Investitionen zahlen sich aus. Allein im ersten Halbjahr steigerte das Unternehmen seinen Absatz in China um 17,5 Prozent. «Wir schauen auf ein weiteres Rekordjahr», liess China-Chef Heizmann über eine Presseerklärung verkünden. In Stückzahlen heisst das: Mit seinen diversen chinesischen Partnern lieferte VW im besagten Zeitraum mehr als 1,8 Millionen Fahrzeuge aus. «China ist zu unserem grössten und wichtigsten Markt geworden», stellte auch Vorstandschef Martin Winterkorn fest. Jeder dritte VW wird inzwischen in der Volksrepublik verkauft. Insgesamt 18,2 Milliarden Euro will der Konzern bis 2018 in den weiteren Ausbau der Produktionsstätten in China hineinstecken.

Es ist jedoch nicht nur die Kernmarke VW, die in China einen Erfolg nach dem anderen verbucht. Die Tochterfirma Audi hat es wegen der Chinesen überhaupt erst wieder in den Premiumbereich geschafft. Mitte der Achtzigerjahre galt die Traditionsmarke aus Ingolstadt als abgeschrieben. Das änderte sich, als Chinas Staatsunternehmen FAW (First Automotive Works) eine Partnerschaft einging und Audi zur Staatskarosse erkor. Chinas rasant wachsender Mittelstand eifert seinen Spitzenbeamten nun nach. Inzwischen wird auch jeder dritte Audi in China verkauft. Die VW-Tochter hat eigenen Angaben zufolge ihren Absatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 17,8 Prozent auf rund 269 000 Fahrzeuge erhöht. Dabei war 2013 bereits ein Rekordjahr auch für Audi.

Politik drosselt Autoverkauf

Doch die Konkurrenz schläft nicht. Allen voran General Motors ist dem deutschen Autobauer dicht auf den Fersen. Die Amerikaner wollen allein in diesem Jahr 19 neue oder überarbeitete Modelle auf den chinesischen Markt bringen. Detroit will den Verkauf der Marke Cadillac bis Ende des Jahres auf mehr als 100 000 verdoppeln.

Schon jetzt ist auf dem chinesischen Automarkt mit Überkapazitäten zu rechnen. VW argumentiert zwar, dass sich an der Preisschraube drehen liesse. VWs werden in China je nach Rechenart bis zu einem Drittel teurer angeboten als in Europa. Auch mit einer niedrigeren Gewinnmarge blieben die Geschäfte in China gut.

Aber es kündigen sich jede Menge staatlicher Massnahmen an, die schon bald den Autoverkauf drosseln könnten. Chinas Metropolen leiden unter heftiger Luftverschmutzung. Rund ein Viertel des gefährlichen Feinstaubs geht auf Autos zurück. Doch auch der Strassenbau kommt angesichts der Verkehrslast nicht mehr hinterher.

Städte wie Peking sind längst an ihre Grenzen gestossen. Gab es in der 20-Millionen-Metropole 2008 rund zwei Millionen Fahrzeuge, die bereits für verstopfte Strassen sorgten, hat sich diese Zahl innerhalb von sechs Jahren verdreifacht. Die meisten Grossstädte wollen Zulassungsbeschränkungen einführen oder haben es bereits getan. Neun von zehn Pekinger gehen bei der Beantragung eines Nummernschilds inzwischen leer aus.

Auch das sei kein Problem, heisst es aus VW-Kreisen. Auf dem Land bleibe der Bedarf nach Individualverkehr gross. Und knapp die Hälfte der
chinesischen Bevölkerung lebt immer noch auf dem Land.

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