Luxusmarkt
Chinesen kaufen immer mehr Luxusprodukte

Nach Hermès legt auch LVMH-Louis Vuitton kräftig zu, vor allem in China. Der Heisshunger der Asiaten auf Luxusprodukte muss zum Beispiel im Louis-Vuitton-Shop an den Pariser Champs-Elysées mit Kontingenten künstlich gedämpft werden.

Stefan Brändle, Paris
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Immer mehr Louis-Vuitton-Taschen werden in China getragen. KEYSTONE

Immer mehr Louis-Vuitton-Taschen werden in China getragen. KEYSTONE

Am Donnerstag hatte noch Hermès triumphiert: Der französische Hersteller verkaufte im vergangenen Jahr ein Viertel mehr Seidentücher, Handtaschen und andere Accessoires. Sein Umsatz betrug 2,4 Mrd. Euro, sein Betriebsgewinn dürfte um 40 Prozent zunehmen; genaue Zahlen werden im März vorgelegt. Geschäftsleiter Patrick Thomas erklärte, dass «Raffinesse, Eleganz und Diskretion» wieder gefragt seien – und zwar viel mehr als «Überfluss, Glamour und Angeberei».

Das war ein wenig diskreter Tritt ans Schienbein von Bernard Arnault, dem Herrscher über den Luxusgüterkonzern LVMH, der in aller Stille 20 Prozent Hermès-Aktien aufgekauft hat und nun mit allen Mitteln versucht, den kleinen, aber feinen Foulard-Hersteller in sein Markenimperium einzugliedern.

Arnaults Antwort erfolgte sofort. Der Gründer von LVMH legte für sein Markenkonglomerat einen Umsatz von erstmals mehr als 20 Mrd. Euro vor. Dior-Mode, Guerlain-Parfüms, Chaumet-Uhren und Moët-Champagner kamen alle auf zweistellige Zuwachsraten; die Lederwaren Louis Vuitton trugen rund die Hälfte zum Betriebsgewinn bei.

Zunahme von 19 Prozent

Konzernweit beträgt die Zunahme der Verkäufe 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Unterschied zu Hermès legt LVMH bereits seinen Reingewinn vor: Er ist um 73 Prozent auf über 3 Mrd. Euro gestiegen. Arnault erklärte gestern vor Analysten und Journalisten maliziös, dieses Resultat schliesse auch das gute Abschneiden seiner neuen Beteiligung Hermès ein.

Der erbitterte Übernahmekampf verdrängt fast den Umstand, dass die zwei ausgezeichneten Jahresabschlüsse in Paris den Aufwärtstrend der gesamten Branche bestätigen. das Beraterbüro Bain & Co. schätzt die Zuwachsraten des internationalen Luxusmarktes im laufenden Jahr auf 7 Prozent.

Grund für die Erholung ist der asiatische Markt

Der Hauptgrund für die rasante Erholung der Branche nach der Wirtschaftskrise von 2008 und 2009 ist der asiatische Markt. LVMH weist zwar darauf hin, dass auch die Verkäufe in Europa und den USA wieder anzögen; bei genauem Hinschauen entfällt aber zumindest in Europa fast die Hälfte auf asiatische Touristen. Ihr Heisshunger auf Luxusprodukte muss zum Beispiel im Louis-Vuitton-Shop an den Pariser Champs-Elysées mit Kontingenten künstlich gedämpft werden.

Auffällig ist, wie stark die Chinesen den Japanern im Luxussektor den Rang ablaufen. Hermès erhöhte seine Verkäufe in China gleich um 69 Prozent; in Japan wurde der rückläufige Trend beim Verkauf der französischen Seidentücher gerade mal gestoppt.