Das Bruttoinlandsprodukt erhöhte sich im zweiten Quartal um 9,5 Prozent gemessen am Vorjahreszeitraum, teilte das Nationale Statistikbüro am Mittwoch in Peking mit.

Das war zwar der geringste Zuwachs seit knapp zwei Jahren, doch wurden die Prognosen der Analysten leicht übertroffen. Zu Jahresbeginn hatte die nach den USA zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt noch um 9,7 Prozent zugelegt.

"China ist es sehr gut gelungen, sein schnelles Wachstum trotz der komplexen und unbeständigen globalen Lage beizubehalten", sagte der Sprecher des Statistikamtes, Sheng Laiyun. Das sehen auch Analysten so. "Das sind hervorragende Daten", sagte Liu Li-Gang von ANZ in Hongkong.

Teurere Kredite

Die Notenbank hat wegen der hohen Inflation ihren Leitzins seit Oktober in fünf Schritten angehoben, was Kredite für Konsum und Investitionen verteuert. Auch wegen der Schuldenkrise in Europa und der wackeligen US-Konjunktur hatten Experten ein langsameres Wachstum des Exportweltmeisters erwartet.

Die anziehende Binnennachfrage schützt die Volksrepublik vor grösserer Unbill von aussen ab. Der Einzelhandel setzte im ersten Halbjahr 16,8 Prozent mehr um, während die Anlageinvestitionen um mehr als ein Viertel zulegten.

Ein weiterer Garant für den anhaltenden Aufschwung ist die Industrie. Ihre Produktion legte im Juni um 15,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu. Analysten hatten im Schnitt nur mit einem Plus von 13,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr gerechnet, nachdem es im Mai zu einem Plus von 13,3 Prozent gereicht hatte.

Optimistische Experten

Die Regierung werde ihre straffe Geldpolitik fortsetzen, sagten Fachleute voraus. Die Inflation hatte im Juni mit 6,4 Prozent den höchsten Stand seit drei Jahren erreicht - im ersten Halbjahr 5,4 Prozent.

"Der Risiko eines starken Abschwungs ist gering", wies der Sprecher des Statistikamtes, Sheng Laiyuan, Sorgen über die Gefahr einer möglichen "harten Landung" in China zurück. Die Entwicklung sei "allgemein gut", versicherte der Sprecher.