Recycling
China will nicht mehr die Müllkippe der Welt sein

Ab 2018 will China keinen Abfall mehr aus dem Ausland zulassen. Der Grund sind gefährliche Giftstoffe, die im Müll stecken. China ist der grösste Kehrichtimporteur der Welt.

Felix Lee, Peking
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Seit Jahren ist China der weltgrösste Importeur von Müll. Damit soll nun Schluss sein.

Seit Jahren ist China der weltgrösste Importeur von Müll. Damit soll nun Schluss sein.

REUTERS

Viele Menschen hierzulande denken: Der hauseigene Müll und Schrott landet auch auf hiesigen Mülldeponien oder in heimischen Recycling-Centern. Doch dem ist nicht so. Seit Jahren wird ein Teil davon nach Fernost verschifft.

Riesige Containerschiffe, vollbepackt mit Schrott – seit Jahren ist China der weltgrösste Importeur von Müll. Vor allem die USA, Japan und Europa haben ihren Abfall gern den Chinesen überlassen. Die wiederum recycelten einen Teil davon, fanden sie darin doch nützliche Wertstoffe. Doch damit soll es nun vorbei sein. Ab Jahresende will China keinen Abfall mehr aus dem Ausland zulassen.

Die chinesische Führung hat angekündigt, dass zum Schutz der Umwelt und der Gesundheit der Bevölkerung die Einfuhr von stark verschmutztem Hausmüll verboten werden soll. Das teilte die Regierung nun in einem Schreiben an die Welthandelsorganisation (WTO) mit. In dem importierten Müll gebe es zu viel Abfall, der auch für China unbrauchbar sei; zum Teil seien darin gefährliche Giftstoffe gefunden worden. Daher werde China keinen Abfall mehr einführen wie etwa Plastikmüll, Textilreste, Papier, aber auch Schlacke aus der Stahlproduktion.

Idee pfiffiger Geschäftsleute

Allein im vergangenen Jahr hat die Volksrepublik rund 7,3 Millionen Tonnen Plastikmüll im Wert von 3,7 Milliarden Dollar eingeführt. Das entspricht 56 Prozent der weltweiten Einfuhren. Der meiste Plastikabfall stammt aus Japan und den USA, auf die jeweils zehn Prozent entfielen. Beide Länder sind auch Chinas grösste Lieferanten von Altpapier.

Chinas Müllimporte begannen in den frühen 1990er-Jahren. China entwickelte sich damals zur Werkbank der Welt. Vollgefüllt mit Jeans, Turnschuhen, Kühlschränken, Plastikspielzeug und Fernsehbildschirmen, verliessen die riesigen Containerschiffe die chinesischen Häfen. Zurück kamen sie zumeist ohne Fracht. Denn Waren aus dem Ausland brauchten die Chinesen nicht.

Ein paar pfiffige Geschäftsleute kamen damals auf die Idee, die leeren Container bei der Rückkehr mit Müll zu füllen. Denn sie fanden heraus, dass sich in dem Abfall vor allem der westlichen Industrieländer jede Menge nützlicher Rohstoffe befindet. Tatsächlich findet sich in einer Tonne Mobiltelefone etwa 30-mal mehr Gold als in einer Tonne Gestein aus einer Goldmine. China importierte zeitweise mehr als 70 Prozent des weltweit anfallenden Elektroschrotts.

Und auch für den Plastikabfall fanden sie Verwendung. Sie heuerten günstig chinesische Wanderarbeiter an, die sich an die mühselige Arbeit machten, den Müll zu sortieren. Dass darunter schon damals giftige Stoffe zu finden waren und sie oft auch schädlichen Gasen ausgesetzt waren, kümmerte in China lange Zeit niemanden. Umwelt- und Gesundheitsbestimmungen gab es zwar schon. Sie wurden aber meistens nicht befolgt.

Import hinterlässt auch Schäden

Inzwischen hat die chinesische Regierung aber erkannt, dass der Import von Müll und Schrott keineswegs nur lukrativ ist, sondern auch Schäden hinterlässt. Kombiniert mit dem eigenen Müll der Chinesen, der in den letzten Jahren rasant zugenommen hat, kommen viele Recycling- und Müllverbrennungsanlagen nicht hinterher, den vielen Müll zu entsorgen. Zudem sind in China immer weniger Menschen bereit, in den Abfällen nach möglichen Wertstoffen zu wühlen.

Die rasante Industrialisierung im Zuge des chinesischen Wirtschaftsbooms hat in dem Land bereits für grosse Umweltprobleme gesorgt. Viele Gewässer sind verseucht, zahlreiche Städte leiden unter Smog. Bei der Modernisierung der Wirtschaft hat sich die Regierung daher auch den Kampf gegen die Umweltverschmutzung auf die Fahnen geschrieben. Der Importstopp von Schrott und anderen Abfällen ist Teil dieser Modernisierungskampagne.

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