Künstliche Intelligenz hat unseren Alltag bereits durchdrungen; etwa in Apps oder auch bei Wettervoraussagen. Marianne Janik, Chefin von Microsoft Schweiz, ist überzeugt, dass der Werkplatz Schweiz den technologischen Wandel rund um künstliche Intelligenz in führender Position mitgestalten kann. Doch dafür bedinge es einer vertieften Diskussion über das Thema, sagte sie am Donnerstag an einem Anlass des Business Club Mittelland. Mit der «Nordwestschweiz» sprach sie über Herausforderungen für Politik, Wirtschaft und Bildung.

Frau Janik, die Aufrüstung des Mobilnetzes auf 5G wird dieser Tage kontrovers diskutiert. Wie beurteilen sie den Ausbau?

Marianne Janik: Das 5G-Netz ist eine Grundvoraussetzung für technologischen Wandel. Alles, was digital in Echtzeit ablaufen kann, ist eine riesige Chance für Firmen, die mit künstlicher Intelligenz arbeiten. Und da ist die Schweiz bereits führend. Nur ist es zu wenig bekannt.

Ein Beispiel?

In der Gaming-Industrie etwa, die sich rund um die ETH entwickelt hat. Im Gaming ist die Grundlage für Entwicklungen in der künstlichen Intelligenz stark vorhanden.

Das heisst, es braucht mehr ETH-Absolventen?

Es geht vielmehr darum, das duale Bildungssystem zu nutzen. Wichtig ist, dass Kreativität und vernetztes Denken an den Schulen gefördert werden. Dazu braucht es ein gutes Basiswissen und ein technisches Grundverständnis.

Welche Berufe braucht es denn?

Momentan könnten wir in der Schweiz 6000 Datenanalysten sofort in Lohn und Brot stellen. Dafür brauchen wir Leute zwischen Berufslehren und der ETH.

In welchen Branchen sind Jobs angesichts der künstlichen Intelligenz besonders bedroht?

In allen Berufen, in denen die Angestellten repetitive Aufgaben erledigen. Zum Beispiel bei kaufmännischen Berufen, aber auch im Finanzsektor. Dazu kommt das autonome Fahren, wo man sich fragen muss, ob es in Zukunft noch so viele Lastwagenfahrer braucht. In den Branchen muss dies aber auch klar gegenüber den Angestellten gesagt werden. Aber statt sich damit aktiv zu beschäftigen, wehrt man sich dagegen. Und das funktioniert nicht.

Momentan laufen ja Bestrebungen, dass sich die grossen Player in der Digitalindustrie bezüglich künstlicher Intelligenz Regeln auferlegen.

Ja, denn der Mensch muss immer die Möglichkeit haben, einzugreifen. Das ist schwierig umzusetzen. Es fängt etwa bei Maschinen mit emotionaler Intelligenz an, die auf Gefühle von Menschen eingehen können.

Das sehen Sie kritisch?

Ja, weil der Mensch nicht vorbereitet ist. Und anfängt, Dinge mit einer Maschine auszutauschen und sich selber gar nicht gewahr ist, was er tut. Eine Maschine muss immer als solche erkennbar sein.

Wird es reichen, dass sich die Industrie selber Regeln auferlegt?

Nein. Es muss eine Zusammenarbeit mit der Politik geben. Die Politik kann Strukturen schaffen, um Menschen eine Zukunft zu bieten, wenn Berufe verschwinden. Das wird die Wirtschaft nicht alleine schaffen, vielleicht auch nicht wollen oder müssen. Deswegen ist die Diskussion über das bedingungslose Grundeinkommen sinnvoll. In dieser Diskussion wird vieles in Gang gesetzt, mit dem wir uns beschäftigen müssen. So könnte das bedingungslose Grundeinkommen zum Beispiel in einzelnen Branchen oder auch für eine gewisse Übergangszeit eine Lösung sein.