Sie war Zürcher Gesundheitsdirektorin, National- und Ständerätin: Nun ist die Grünliberale Verena Diener Verwaltungsratspräsidentin der Solothurner Spitäler AG (SoH). Ihr Honorar hält die Betreibergesellschaft der öffentlich-rechtlichen Kliniken des Kantons unter dem Deckel. Im Geschäftsbericht fehlen Angaben zu den Entschädigungen des Verwaltungsrats sowie der Geschäftsleitung.

Verena Diener, Ex-Ständerätin GLP.

Verena Diener, Ex-Ständerätin GLP.

Den diesbezüglichen Entscheid fällte der Verwaltungsrat, sagt SoH-Sprecher Oliver Schneider: «Dazu sind wir nicht verpflichtet, weil wir nicht börsenkotiert sind.» Auch das Spital Limmattal in Schlieren ZH verzichtet auf die Publikation der Chefgehälter. Die Statuten des Spitalverbands Limmattal sähen dies nicht vor, sagt Spitaldirektor Thomas Brack: «Dies entspricht auch nicht der bisher üblichen Praxis öffentlich-rechtlich geführter Spitäler.»

Diskreter Einblick in Lohntüten

Die Universitätsspitäler Basel und Zürich sowie das Kantonsspital Baselland geben einen eher diskreten Einblick in die Lohntüten ihrer obersten Führungsgremien im Geschäftsbericht. Deshalb erfährt die Öffentlichkeit nur, dass das Fixhonorar von SP-Nationalrätin Silvia Schenker als Verwaltungsrätin des Unispitals Basel 20'000 Franken beträgt. Dazu kommen noch 600 Franken pro halben Sitzungstag.

Das Unispital Zürich weist wenigstens aus, dass der Spitalratspräsident, der Zürcher Alt-Stadtrat Martin Waser, fix 60'000 Franken bezieht. Ab diesem Jahr sind es 120'000 Franken, da das Amt einem 60- bis 80-Prozent-Pensum entspreche. Zum Vergleich: Der VR-Präsident des Unispitals Basel kommt auf 120'000 Franken, zuzüglich Sitzungsgelder.

Nachgelesen werden kann in den jeweiligen Geschäftsberichten, wie hoch die Summe der Entschädigungen aller Verwaltungsräte (VR) sowie der Spitalleitung ist. Was meist fehlt, ist der jeweils höchste Lohn pro Gremium. Bei börsenkotierten Firmen sowie denen des Bundes ist dies heute Standard.

Diesen Standard erfüllt das Kantonsspital Aargau weitgehend. Im Geschäftsbericht sind die Honorare aller Verwaltungsräte detailliert offengelegt. 2016 bezog der im Februar ausgeschiedene VR-Präsident 57'520, sein Nachfolger 46'976 Franken. Der höchste Lohn eines Geschäftsleitungsmitglieds belief sich auf 426'885 Franken.

Wer diese Vergütung bezogen hat, kann nur vermutet werden. Das Mitglied dürfte einer der Ärzte sein. Allerdings fehlen beim Ausweis der Salärsumme die Honorare, welche die Ärzte in der Geschäftsleitung für Behandlungen beziehen. Auch dies ist ein gängiger Standard in der Spitallandschaft.

So ist im Universitätsspital Basel der Direktor mit einem Gehalt von geschätzten gut 300'000 Franken kein Spitzenverdiener. Das sind die leitenden Kader- und Spezialärzte. Sie konnten bis Ende 2016 laut Spitalinsidern jährlich nicht mehr als rund 600'000 Franken beziehen. Dieser Deckel ist gefallen. Das könne dazu führen, dass eine Handvoll Ärzte am Unispital Basel neu ein Jahressalär von bis zu 750'000 Franken generieren könne. Jahreseinkommen von deutlich mehr als einer Million Franken sind in Kliniken nicht unüblich, sagt ein Szenekenner: «Das geht rauf bis zu zwei Millionen Franken.»

Die effektiven Bezüge bestehen aus mehreren Bestandteilen: So erhalten Chefärzte laut Branchenkennern ein Grundsalär von 180'000 bis 250'000 Franken. Höher sind die variablen Lohnanteile. Dazu zählen weniger Boni, sondern Honorare für stationäre Behandlungen im Zusatzversicherungsbereich. Im ambulanten Bereich können diese Bezüge auch aus der Grundversicherung stammen. Wer mehr verschreibt und operiert, verdient mehr. Weitere Einnahmenquellen sind Gutachten, Kongressteilnahmen, Entschädigungen für die Lehrtätigkeit sowie Mandate in Beiräten oder Verbänden.

Honorare pauschal offengelegt

Wie viel Kaderärzte wirklich verdienen, gilt als bestgehütetes Geheimnis der Spitäler. Ausgewiesen wird von den untersuchten Spitälern im Geschäftsbericht nur pauschal, wie hoch der von den Ärzten bezogene Honoraranteil ist (siehe Box am Ende des Artikels). Das Universitätsspital Zürich schreibt, die Hälfte der Privathonorare gehe an die Ärzteschaft. Wie bezugsberechtigte Ärzte die ihnen zustehenden Honoraranteile intern verteilen, ist weitgehend nicht publik. Ein kleiner Teil davon wird für die Weiterbildung von Ärzten investiert, einen anderen – ebenfalls eher bescheidenen – Anteil erhalten Assistenz- und Oberärzte. Den Löwenanteil kassieren Chefärzte und ihre Stellvertreter.

Laut einem Teilnehmer kritisierte Salärexperte Urs Klingler, Geschäftsführer von Klingler Consultants, vor kurzem in einem Fachzirkel zum Thema Arztvergütung, dass Kaderärzte an der Ausgestaltung der Reglemente für die Honorarpools beteiligt seien. Einen Zusammenhang zwischen der Wirtschaftlichkeit und dem Ertrag der weitergegebenen Honorare gebe es nicht. So würden keine Garantieleistungen bei ärztlichen Fehlern verlangt. Verteilt würden die Honorare durch den zuständigen Chefarzt, teilweise gar ohne feste Schlüssel. Das System sei unverständlich, patronal und werde willkürlich angewendet.

Lohnsystem schadet Patienten

Die aktuelle Praxis der Vergütung leitender Ärzte ist nicht nur intransparent. Sie schadet dem Gesundheitssystem und den Patienten. So schrieb der Berner Regierungsrat kürzlich in einer bemerkenswert unverblümten Antwort auf eine Anfrage des grünliberalen Grossrats Nathan Güntensperger, das traditionelle Lohnsystem mit einem Grundlohn sowie dem Bezug von Honoraranteilen orientiere sich «nur wenig an den unternehmerischen Zielen oder am Erfolg einer Klinik» und könne «zu einer Überversorgung» führen: «Die direkte Beteiligung am Arzthonorar für zusatzversicherte Patienten birgt den Anreiz, medizinisch nicht notwendige Leistungen zu erbringen.» Der Regierungsrat räumte gar ein: «Hinweise auf medizinisch nicht indizierte Mengenausweitungen bei zusatzversicherten stationären Patienten und im ambulanten Bereich finden sich immer.»

Ein Grundlohn, der kleiner ist, als der bezogene Honoraranteil: Dieses traditionelle Vergütungssystem für leitende Ärzte kommt nun unter Druck. So habe Klingler in seinem Fachzirkel ausgeführt, die Lohnsysteme für Ärzte würden zwangsläufig transparenter. Die Grundlöhne würden erhöht, variable Bezüge an Leistungsvereinbarungen gekoppelt, die Qualitäts- und Wirtschaftlichkeitskriterien enthalten. Sie würden teilweise gedeckelt und langfristig eher sinken.

So tut sich zumindest betreffend Transparenz etwas am Unispital Zürich. Laut dem Sprecher Claudio Jörg wird «die Praxis der Offenlegung der Entschädigungen» im Geschäftsbericht überprüft. Fragen zum aktuellen Ausweis der Chef-Gehälter werden nicht beantwortet. Daniel Winter, Sprecher der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich, sagt dazu, der Spitaldirektor seit privatrechtlich angestellt: «Aus Konkurrenzgründen wird darauf verzichtet, die konkrete Lohnsumme des Spitaldirektors, respektive der einzelnen Mitglieder des Leitungsorgans zu publizieren.»
Nicht kommentieren wollte Verena Diener, warum ihr Lohn ein Staatsgeheimnis ist.