Über dem Schweizer Möbelmarkt haben sich im Laufe des ersten Halbjahres 2011 die Wolken verdichtet. Meinrad Fleischmann, Unternehmensleiter von Möbel Pfister, schätzt, dass der Markt gegenüber 2010 um zwei bis drei Prozent geschrumpft ist. Quer durch die Branche, vom gehobenen Fachhändler bis zum Discounter, sei die «Kaufzurückhaltung» spürbar gewesen.

Antizyklisch gewachsen

Pfister selber? Die Pfister Arco Holding – Möbel Pfister, Mobitare, Möbel Egger, Möbel Svoboda, Avanti, Vorhang Service und Interior Service – hat dem Gegenwind getrotzt und deutlich Anteile gewonnen: Konkret stieg der Lieferumsatz der Gruppe in den ersten sechs Monaten 2011 um 2,7 Prozent auf 313 Millionen Franken. Zum Vergleich: In der ersten Hälfte des Vorjahres hatte die Gruppe ein nur leicht schwächeres Wachstum von 2,4 Prozent erreicht. Für 2011 wurde ursprünglich eine Umsatzsteigerung von mindestens zwei Prozent angepeilt.

Fleischmann, seit über vier Jahren an der Spitze von Möbel Pfister, begründet diese antizyklische Entwicklung mit zwei Hauptfaktoren: zum einen mit dem «hohen Qualitätsanspruch bei Service und Sortiment», zum anderen mit «Innovationen».

Keine «weissen Flecken» mehr

Objektiv als Neuerung kann die Eröffnung der 21. Pfister-Filiale Villeneuve VD Ende März mit 6400 Quadratmeter Verkaufsfläche verbucht werden. Die Pfister-Strategen sehen damit den letzten «weissen Flecken» im nationalen Filialnetz beseitigt. Das in Villeneuve umgesetzte neue Ausstellungskonzept gilt für sämtliche Umbau- und Modernisierungsprojekte von Möbel Pfister in absehbarer Zukunft als Massstab. Im Wesentlichen dem neuen Haus in der Waadt ist das fortgesetzte Jobwachstum zuzuschreiben: Gegenüber Ende 2010 stieg die Zahl der Beschäftigten von 1990 auf 2040.

Betont zufrieden zeigte sich Fleischmann im Gespräch mit der az auch mit der Entwicklung des Online-Shops, der seit November letzten Jahres in Betrieb steht und der aktuell rund 12000 Artikel offeriert. Sowohl die «Klicks» als auch der Durchschnittsbetrag pro Einkauf stimmten zuversichtlich.

Der Pfister-Chef hält eine Fortsetzung des bisherigen Tempos bis Ende Jahr für realisierbar. In den nächsten Wochen wird die Designmöbel-Kollektion Atelier Pfister noch erweitert. Mit «eher gemischten Gefühlen» gehe er in den kommenden Wochen an die Budgetierung für 2012: «Wir erwarten keinen Konjunkturabsturz, aber die Preise dürften weiter gesenkt werden.»

Möbelsortiment verbilligt

Stichwort Preise: Angesprochen auf die angeheizte Debatte im Zusammenhang mit den Wechselkursgewinnen diverser Handelsbranchen, strich Fleischmann heraus, Möbel Pfister habe «eine reine Weste». Unter dem Strich habe man das eigene Möbelsortiment im Vergleich zum Stand Mitte 2010 gegen 5 Prozent verbilligt.

Ungefähr 40 Prozent der Artikel stammen aus dem Euro-Raum. Fleischmann gibt überdies zu bedenken, dass die Warenkosten bei Pfister nur etwa die Hälfte des Kostenblocks ausmachen. Allerdings zeige die Erfahrung der Verkaufsteams eines: Bei vergleichbaren Markenartikeln, die mehr als 15 bis 20 Prozent teurer angeboten werden als im grenznahen Ausland, werde es sehr schwer, dem Kunden die entsprechenden Argumente plausibel zu machen.