Grossbritannien

Chaotischer Brexit: Schweizer Firmen rüsten sich für Ernstfall

Schweizer Unternehmen haben sich für den Brexit gewappnet und Notfallpläne geschmiedet. (Symbolbild/Archiv)

Schweizer Unternehmen haben sich für den Brexit gewappnet und Notfallpläne geschmiedet. (Symbolbild/Archiv)

Unternehmen stockten Lager auf, suchten neue Lieferanten und bleiben relativ gelassen.

Die Schweiz ist aufgrund der engen wirtschaftlichen Verflechtung vom Austritt der Insel aus der EU nachhaltig betroffen. Die Schweiz konnte aber – im Gegensatz zur EU – die zukünftige Beziehung zu Grossbritannien bereits mit mehreren Verträgen klären. Auf einen Brexit gewappnet haben sich Schweizer Unternehmen. Sie haben in den letzten Monaten Notfall-Pläne geschmiedet. Eine Umfrage bei börsenkotierten Gesellschaften zu den Massnahmen und möglichen Auswirkungen eines «hard Brexit» bringt zutage: Gross beunruhigen lässt sich kaum ein Firmenchef.

Relativ direkt und stark von einem ungeregelten Austritt Grossbritanniens wären Logistikunternehmen betroffen. Wegen der ungewissen Lage dürften die Lastwagen aus Europa lange am Zoll im Stau stehen. Oft so lange, dass die Ware nicht rechtzeitig zu den britischen Abnehmern kommt. Ceva Logistics etwa rechnet nicht in Stunden. Die Verzögerungen könnten potenziell «in die Tage» gehen, sagte das Unternehmen auf Anfrage. Ceva habe sich daher zusätzliche Lagerflächen gesichert, um bei Bedarf Reserven zu haben.

Verschiedene Schweizer Pharmazulieferer betreiben Produktionsstandorte auf der Insel oder beziehen Grund- und Zwischenprodukte aus Grossbritannien. Um einen Produktionsunterbruch zu vermeiden, haben die betroffenen Unternehmen Vorräte angelegt oder alternative Lieferanten gesucht.

Bei Lonza etwa stehen etwa 1200 Mitarbeiter auf der britischen Lohnliste. Ein «hard Brexit» würde Lonza während maximal zwei Monaten tangieren, sagte der frühere Konzernchef Richard Ridinger. «Wir sind darauf vorbereitet und die direkten Auswirkungen wären limitiert und überschaubar», sagte Ridinger.

Auch in der Industrie hat man sich auf den Brexit vorbereitet. Der Hörgerätehersteller Sonova verlegt in den kommenden Monaten gewisse Dienstleistungen und Fertigungsaktivitäten aus dem britischen Werk Warrington nach Spanien und nach Vietnam, weil er nach dem Brexit Unterbrechungen in der Lieferkette befürchtet.

Auch die UBS hat im Hinblick auf den Brexit den Standort Frankfurt als Hub für das EU-Geschäft ausgebaut. Insgesamt werden wegen des Brexit aber weniger als 200 der gut 5000 Mitarbeiter von London wegtransferiert.

Für die Credit Suisse wird London ein wichtiger Standort bleiben. Aber auch bei der zweitgrössten Schweizer Bank werden andere Standorte wie Madrid, Frankfurt und Luxemburg an Bedeutung gewinnen. Mit konkreten Angaben hält sich die Credit Suisse allerdings zurück: Weder mögliche Kosten, die wegen des Brexit entstehen, noch eine Anzahl an betroffenen Mitarbeitern, die etwa aus London wegziehen müssten, werden benannt. 

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