Schaumwein

Champagner: Das Geschäft läuft prickelnd – besonders in der Schweiz

Der Champagner sticht in der Schweiz gar den Wein aus.  Shutterstock

Der Champagner sticht in der Schweiz gar den Wein aus. Shutterstock

Champagner gilt als traditionelles Luxusgetränk. Doch im umkämpften Markt sorgen kleine Winzer für Umbrüche. In der Schweiz findet Champagner regen Anklang.

Es ist ein kleiner Fleck Erde, der im Frühling die weltweite Aufmerksamkeit auf sich zieht: die Champagne. Aus allen Winkeln der Welt reisen Einkäufer und Gourmets in den Nordosten Frankreichs, um die neusten Trends der Winzer kennen zu lernen.

Es geht weniger um die grossen Champagner-Häuser wie Moët, Taittinger oder Veuve Cliquot, sondern um kleine Winzer-Champagner-Hersteller. Sie sind in den vergangenen Jahren als Antwort auf die steigende Nachfrage zahlreicher geworden. Die Nachfrage kommt auch aus der Schweiz. Wie die jüngsten Zahlen des «Bureau du Champagne» zeigen, ist die Schweiz nach grossen Märkten wie USA, England und Deutschland der achtgrösste Importeur von Champagner. Unter den Top-10-Importeuren ist die Nachfrage nach dem sprudelnden Gold 2016 allein in den USA und Kanada stärker gestiegen. Und: In der Schweiz sticht der Champagner gar den Wein aus. Während der jährliche Konsum von Weiss- und Rotwein kontinuierlich abnimmt, hat der Schaumwein zugelegt. Vergangenes Jahr wurden hierzulande 25 Millionen Flaschen entkorkt, 2013 waren es 23 Millionen.

Die Nachfrage steigt also, obschon das Champagner-Geschäft seit Kaiserzeiten im 19. Jahrhundert als traditionelles Luxusgetränk gilt. Diesbezüglich befinde sich die Branche im Wandel, sagt Andrea Gerst, Luxusgüterspezialistin und Fondsmanagerin bei GAM. «Wie in anderen Konsumbereichen wollen Käufer heute mehr Individualisierung bei dem, was sie kaufen. Beim Champagner stehen nun auch artisanale Kleinwinzer im Fokus», sagt Dan Roznov, Champagner-Experte und Blogger. Heute sei Handwerk en vogue, der Konsument wolle wissen, wo sein Wein herkommt, wie er hergestellt werde. Die Entwicklung geht mit dem Megatrend einher, der sich laut Experten über alle Luxusgüter hinweg beobachten lässt: Das Wissen über Genuss und Hobby wird zum Statussymbol.

Export-Offensive der Kleinen

Den Trend haben die Winzer-Champagner-Hersteller verstanden. Heute sei das Angebot an Champagner viel diversifizierter als vor zehn Jahren, sagt Roznov. «Grossmarken erweitern ihr Sortiment, während Kleinwinzer auf den lukrativen Export setzen.» Letztere boomten besonders in den USA. Vorreiter des dortigen Trends sei die Biosupermarkt-Kette Whole Foods Market, die schon früh hochwertige Winzer-Champagner ins Sortiment aufnahm. Auch in der Schweiz sind diese Champagner gefragt: «Das Qualitätsbewusstsein ist hier besonders ausgeprägt», so Roznov. Das gelte insbesondere für die Top-Weine der obersten Preisklasse, die Prestige-Cuvées. Die Nachfrage sei dort besonders stark.

Das weiss auch Olivier Krug. Der Chef der Maison Krug hat kürzlich eine Soiree im Restaurant des Grandhotel Dolder in Zürich ausgerichtet. Ein Anlass für Gutbetuchte, die sich neben einem exklusiven Dîner die besten Tropfen der Maison zu Gemüte führen konnten. Obschon die Maison, einst durch den Rheinländer Joseph Krug gegründet, seit 1999 zum Luxusgüterkonzern LVMH gehört, versteht sich das Haus als Familienunternehmen. Jährlich produziert Krug etwa eine halbe Million Flaschen. Das sind ganze 0,2 Prozent der gesamten Produktion in der Champagne, die letztes Jahr bei 306 Millionen Flaschen lag.

«Bei Champagner dreht sich alles um die richtige Mischung der Traubensorten», sagt Olivier Krug. Was Champagner-Hersteller als ihr Kerngeschäft verstehen, verfolgt Krug mit absolut akribisch: Jede der drei Champagner-Traubensorten wird Parzelle für Parzelle, je nach Lage und Reife im Rebberg, einzeln geerntet und verarbeitet. «Jährlich entstehen so 250 verschiedene Weine, die wir dann hauptsächlich zu unserer Grande-Cuvée verarbeiten.» Olivier Krug und sein Verkostungs-Komitee absolvieren 4000 Proben im Jahr. Um die «individuelle Geschichte» jeder Flasche zu entdecken, hat er eine App entwickelt, auf der der Besitzer des edlen Getränks die ID-Nummer jeder einzelnen Flasche nachschlagen kann. Die Formel des Geschmacks sieht so aus: Verkorkt Frühling 2012, 121 Weine aus 12 Jahren von 1990 bis 2004.

Damit trifft Krug den Zeitgeist: Er liefert Wissen, das immer stärker Status symbolisiert. Trotz des Milliarden-Konzerns LVMH im Rücken präsentiert sich die Maison als Manufaktur. «Unsere Kunden wollen Transparenz darüber, was sie im Glas haben», sagt Krug. Seine Maison hat sich diese Entwicklung als Verkaufsstrategie zunutze gemacht. Aber auch die Konkurrenz setze auf mehr Offenheit. In den letzten fünf Jahren habe sich einiges verändert, der Markt müsse sich aber noch weiter modernisieren. Dazu gehöre, dass Prestige-Häuser wie Krug ihre elitäre Attitude ablegten.

Krugs Vision klingt gut, bloss stellt der Preis schon eine wesentliche Hürde dar: Der «günstigste» Grande-Cuvée kostet über 200 Franken. Damit ist die Vision wohl vor allem eines: Antwort auf den Winzer-Hype. Denn dieser, so sagen Experten, werde erst mal noch weiter anhalten.

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