Coronakrise

CEO-Grüsse aus dem Homeoffice: Wie die Chefs von CS, Swisscom, Roche & Co. in Coronazeiten führen

Die halbe Schweiz arbeitet zurzeit im Homeoffice – oft auch die obersten Chefs. Die «Schweiz am Wochenende» fragte CEOs und VR-Präsidenten grosser Unternehmen an, wie sie ihren Arbeitsalltag erleben.

Roberto Cirillo, 48, CEO Schweizerische Post: Die Ideen kommen beim Bewegen

«Das Arbeiten von zu Hause ist für mich eine Herausforderung. Für mich und meine Arbeit ist es wichtig, im engen, menschlichen Austausch zu sein – mit Kollegen, Mitarbeitenden, Kunden und Behörden. Ich führe nicht über E-Mails. Wenn ich von zu Hause aus arbeite, bleibe ich aber nicht nur vor dem Laptop sitzen, sondern telefoniere mit den Kollegen stehend oder umhergehend. Ideen habe ich nur, wenn ich mich bewege und meine Notizen und Skizzen bringe ich immer noch auf Papier. Die grosse Mehrheit unserer Mitarbeitenden ist nicht zu Hause, sondern überall im Land im Dienste der Bevölkerung. Meine Präsenz bei ihnen vor Ort ist notwendig, gerade jetzt. Deshalb steuere ich die Post nur an zwei bis drei Tagen pro Woche von zu Hause aus, an den anderen Tagen besuche ich Post-Standorte und den Hauptsitz in Bern.»

Urs Schaeppi, 60, CEO Swisscom: Informeller Austausch wird vermisst

«Ich arbeite momentan einen grossen Teil meiner Arbeitszeit im Homeoffice. Die Online-Meetings sind intensiv, aber auch sehr effizient. Verlangt werden Konzentration, Aufmerksamkeit, aber auch Disziplin. Homeoffice ist für viele Mitarbeitende nicht neu. In der aktuellen Situation vermissen viele aber nach Tagen im Homeoffice ihre Kollegen und Kolleginnen für den informellen Austausch. Eine grosse Herausforderung ist, wenn Mitarbeitende die Kinderbetreuung zuhause sicherstellen müssen und gleichzeitig arbeiten. Bei Swisscom bieten wir dazu bei Bedarf eine Beratung an.»

Monika Ribar, 60, Verwaltungsratspräsidentin SBB: Den Tag geschäftlich und mit der Familie gut planen

«Homeoffice ist für mich keine grosse Umstellung, da ich seit längerem zeitweilig von zu Hause aus arbeite und nicht jeden Tag in Bern im Büro bin. Was mir aber fehlt, ist der persönliche Kontakt, das zwischen den Zeilen, das Kaffeegespräch. Ich bin jetzt viel in Telefon- oder Video-Konferenzen. Das hilft in der jetzigen Situation, ist aber sehr anstrengend und kann auf die Dauer den persönlichen Kontakt nicht ersetzen. Bei der SBB haben wir viele Mitarbeitende, die kein Homeoffice machen können. Sie sorgen jeden Tag vor Ort dafür, dass die Bahn fährt und pünktlich, sicher und sauber ist. Diese Kolleginnen und Kollegen werden dabei von tausenden unterstützt, die im Homeoffice arbeiten. Es ist wichtig, dass man auch zu Hause einen Tagesplan hat, mit Partner und Kindern abmacht, wer wann was wo macht. Ich mache das mit meinem Mann auch so.»

Severin Schwan, 52, CEO Roche: Die Familie trifft sich jetzt mehr zum Essen

«Hin und wieder gehe ich ins Büro, wenn ich bestimmte Unterlagen brauche. Aber in den letzten Tagen habe ich weitgehend von zu Hause aus gearbeitet (Anm. der Redaktion: Das war auch beim Interview der Fall, das CH Media diese Woche mit Schwan führte). Zwei Kinder sind schon erwachsen, die organisieren sich selber. Das dritte Kind, das zur Schule geht, hat jetzt Fernunterricht von zu Hause aus. Wir treffen uns jetzt mehr zum Essen. Normalerweise bin ich bis spätabends im Büro. Tagsüber ist auch im Homeoffice sehr viel los. Viele Gespräche und Sitzungen führen wir nun mit Videokonferenzen durch, weit mehr als über das Telefon. Das funktioniert reibungslos.»

Nathalie Wappler, 52, Direktorin Schweizer Radio und Fernsehen: Skypen mit der Geschäftsleitung

«Fixer Bestandteil unserer täglichen Skype-Calls in der Geschäftsleitung sind denn neben Schutzmassnahmen für die Mitarbeitenden auch weitere Programmanpassungen. Innert kürzester Zeit konnten wir viele Wünsche aus dem Publikum möglich machen – vom Sportprogramm zu Hause über zusätzliche Gottesdienste hin zu Angeboten für Kinder und Eltern. Projekte, deren Umsetzung normalerweise Monate dauern würden, sind nun innert weniger Tage auf dem Sender. Mein grosser Dank in dieser anspruchsvollen Zeit gilt den Mitarbeitenden, die trotz erschwerter Arbeitsbedingungen topmotiviert sind und einen super Job machen. Dank ihnen hat der Service public teils auch neue Bedeutung erhalten.»

Thomas Gottstein, 55, CEO Credit Suisse: Mal mit den Hunden an die frische Luft

«Mein wichtigstes Arbeitstool im Homeoffice ist das Telefon. Ich spreche in dieser Zeit noch häufiger als sonst mit Mitarbeitern, Kunden und Vertretern von der Politik und anderen Banken. Das geht sehr gut von zuhause aus. Ich schätze es zudem sehr, auch unter der Woche mit der Familie zu Mittag zu essen. Und ich mache zwischendurch gerne eine Runde mit unseren beiden Hunden an der frischen Luft.» Anmerkung der Red.: Das Pflaster rührt von einem kleinen medizinischen Eingriff her.»

Meistgesehen

Artboard 1